Ostsee Rot für Nordsee Rot – Die Jusos SH fahren nach Dresden

Für uns Jusos ist selbstverständlich: Wenn Nationalsozialisten mal wieder mit ihrem Geschichtsrevisionismus auf die Straße gehen, stehen wir dagegen. Deswegen machte sich auch dieses Jahr wieder eine Busladung auf den Weg ins 600 km entfernte Dresden, wo die Nazis mit ihrem alljährlichen Aufmarsch zum Gedenken an die alliierten Bombenangriffe auf Dresden im 2. Weltkrieg ihr braunes Gedankengut verbreiten wollen. Mit uns reisten 1000 andere Antifaschistinnen und Antifaschisten aus dem Norden Deutschlands. Eine Kolonne aus 20 Bussen traf sich bei Hannover und machte sich gemeinsam auf den Weg. Grund hierfür war die Befürchtung, dass einzelne Busse von den braunen Horden überfallen werden könnten, wie in der Vergangenheit bereits geschehen. Aber alles blieb ruhig. Die Fahrtzeit verlängerte sich allerdings erheblich. Wir brauchten 13 Stunden.Wenn 500 Leute ein dringendes Bedürfnis haben, ist die Schlange an der Toilette halt ein wenig länger. Dazu kamen die angespannten Wetterverhältnisse und die Tatsache, dass so viele Busse einen Konvoi gehörig in die Länge ziehen. Der Funkverkehr in der Kolonne hatte allerdings einigen Unterhaltungswert. Busse nach Farben zu benennen ist wenig Zielführend.

Erst um 12.30 Uhr konnten wir uns in der Neustadt den Blockaden der Gegendemonstration anschließen. Lautstark machten wir uns auf den Weg zum Blockadepunkt.

Aus der ganzen Republik waren Bürgerinnen und Bürger gekommen um sich den Nazis in den weg zu stellen. Fünftausend von ihnen blockierten allein den Albertplatz und sorgten nebenbei für einen enormen Umsatz bei Bäckern und Dönerläden. Die Stimmung war trotz der Kälte gut und wurde geradezu euphorisch als klar war: Die Nazis werden nicht marschieren. Zum allerersten Mal in der Geschichte des größten Naziaufmarsches in ganz Europa hatten fast ausschließlich friedliche linke Gegendemonstrationen diesen verhindert. Wir hatten sie gestoppt.

Nach der Demo kamen wir in der „Genossenschaft“ unter, dem Büro der Jusos Dresden. Nochmals vielen Dank für die tolle Gastfreundschaft!

Auf dem Rückweg kam es trotz kleinerem Konvois zu keinerlei Zwischenfällen, obwohl wir wohl berechtigte Sorgen vor randalierenden Faschos hatten, welche an einigen Orten ihrer Agression mit Spontandemos und Vandalismus Luft machten.

Nach diesem Wochenende hätten wir eigentlich allen Grund zum Feiern. Zehntausende blockierten die Nazis und weitere Fünfzehntausend zeigten auf der anderen Elbseite Flagge gegen die Geschichtsverfälschung und menschenverachtende Ideologien. Es gab kaum Ausschreitungen, Verletzungen oder gar Gewahrsamnahme linker Demonstranten.

Doch auch nach dem Erfolg des letzten Wochenendes bleiben einige Fragezeichen.

Wo waren die Dresdener? 500000 Einwohner und nur ca. 10000 (Gegendemonstranten minus Angereiste) gingen gegen die Nazis auf die Straße. Obwohl es in diesem Jahr bereits mehr von ihnen auf die Straße gezogen hat, kann von einem starken zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt hier noch nicht die Rede sein. (Es ist schön, dass tausende Antifaschisten und Antifaschistinnen die Reise nach Dresden auf sich genommen haben und es ist traurig, dass dies nötig ist.) Die Straße darf niemals wieder den braunen Horden gehören, deswegen müssen sich in Zukunft mehr Bürgeinnen und Bürger unserer gemeinsamen historischen Pflicht bewusst werden und mit auf die Starße gehen.

Die Demo war zum Großteil friedlich und größere Ausschreitungen gab es nicht. Erfreulich war die Tatsache, dass es kaum Auseinandersetzungen zwischen Polizei und linken Demonstranten gab. Dies mag auch daran gelegen haben, dass breite Räumungen angesichts der breiten Masse von Gegendemonstraten faktisch aussichtslos waren. Jedoch gab es vereinzelte unnötige Aktionen, wie brennende Mühlcontainer. Auch war es einzelnen Gruppen von Faschos möglich aus der Polizeiabsperrung auszubrechen und Jagd auf Gegendemonstranten zu machen. Auf der Rückreise ließen die Nazis ihren Frust unter anderem in Prina und Gera raus, wo es in der Folge fast 200 Festnahmen, sowie Verletzungen und Sachschäden gab. Zum Glück gab es in diesen Jahr – wohl auch dank der Reise in Kolonnen – keine Zusammenstöße mehr mit Gegendemonstranten wie im letzten Jahr.

Es ist in jedem Fall nicht hinnehmbar, dass der Protest gegen die menschenverachtende Ideologie im Vorfeld wie so oft kriminalisiert wurde. Vielleicht ist dies dem einen oder der andreren am letzten Wochenende vor Augen geführt worden. Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen. Das sollten sich auch die Ordnungsbehörden klar machen. Keinen Fußbreit dem geistigen Erbe der Massenmörder!

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