Wir müssen zuerst mit den Kirchen reden! Müssen wir?

Auf dem Parteitag vom Wochenende kam es zu einer hitzigen Debatte um die Einführung eines Faches LER. Das steht für Lebenskunde, Ethik und Religion. LER sollte als Pflichtfach eingeführt werden und der bisherige Religionsunterricht als Wahlkurs weiter angeboten werden.

Das es da widerstand geben würde, war ja klar. Es ist nun nicht so als wäre die SPD ein Haufen Atheisten und es meldeten sich auch prompt zwei prominente Genossen zu Wort und verurteilten den Antrag aufs schärfste. „Man müsse zuerst mit den Kirchen reden!“ und „Was habt ihr eigentlich für ein Bild von der Kirche?“ sowie die christlichen Wurzeln der Sozialdemokratie – gerade in Schleswig-Holstein – waren die „Argumente“.

Als Atheist und gerade als Laizist muss man in einem solchen Augenblick erst einmal schlucken. In einer liberalen Partei – die man jahrelang für weltanschaulich neutral gehalten hat – gibt es selbstverständlich auch gläubige Menschen. Aber man sollte doch davon ausgehen, dass in einer Partei die sich zu den Werten der Aufklärung bekennt, eine zumindest kritische Haltung gegenüber den zwei großen Kirchen herrscht. Dass das Gespräch mit einer Organisation geführt werden soll, die Frauen vom Priestertum ausschließt und deren Oberhaupt seinen Einfluss nutzt um die Verbreitung von AIDS zu fördern, ist grenzwertig.

Die anderen sind da vermeintlich politisch korrekter. Wie man einen Arbeitnehmer zu Dumpinglöhnen beschäftigt, wissen die aber genauso.

Alles keine Dinge, die ich mit meinem vermeintlich sozialdemokratischen Weltbild vereinen kann und mit denen soll man reden? Das Agieren der beiden Kirchen ist mit den Werten unserer Partei nicht vereinbar und wir sollten uns hüten zu ihren Fürsprechern zu werden. In der Wirtschaftspolitik versuchen wir uns von der CDU abzugrenzen. Weltanschaulich sollte das Gleiche gelten. Wir verkommen zu einer zweiten CDA und die brauchen wir nicht.

Hinzu kommt: Gibt es nicht noch mehr Religionsgemeinschaften? Wieso soll man nur mit den Kirchen sprechen. Vielleicht waren in der Debatte andere auch gemeint, wurden aber nicht genannt.

Der Religionsunterricht in Schleswig-Holstein ist konfessionell. Jahrelang bekommt man von der Güte und Warmherzigkeit Jesu erzählt. Man kann das abwählen, aber – zumindest in Dorfschulen (soll es ja bei uns geben) – gibt es stattdessen Hausaufgabenbetreuung. Aber sollten Muslime, Juden, Hindus, Taoisten, Buddhisten (ich höre hier mal auf) und Atheisten nicht genauso über Werte sprechen? Die meisten sind gleich, aber das fällt einem erst auf, wenn man nicht mehr nur von christlichen Werten spricht.

Eine Antwort zu “Wir müssen zuerst mit den Kirchen reden! Müssen wir?”

  1. Thomas Lauchstedt sagt:

    Warum wurde mein Kommentar nicht veröffentlicht??!!

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