Like a rolling stone…

Durch das ganze Land sollen sie fahren und Menschen vor Ort versorgen. Mit dem Auto durch die Weiten des Landes reisen, vorbei an gelben Rapsfeldern und grünen Wiesen.
Was nach schöner Landarzt- Romantik klingt, ist leider nicht so schön wie es in manchen TV- Serien zu sehen ist.
Und so ist der Vorschlag von FDP- Sozialminister Garg alles anderes als sinnvoll. Dieser sieht vor, dass man auf den Ärztemangel im ländlichen Raum reagiert, indem man ein sogenanntes “Docmobil” schafft. Also Ärztinnen und Ärzte, die ohne feste Praxis durch das Land fahren und in Orten aushelfen, wo es keine festen MedizinerInnen mehr gibt.
Eine äußerst schlechte Idee. Der Ärztemangel, laut Angaben des Sozialministeriums noch kein offizielles Problem, da es statistisch und rechnerisch im Bundesland noch genug Ärzte und Ärztinnen gibt, wird so nicht nachhaltig angegangen, sondern auf die lange Bank geschoben. Derzeit gibt es bereits Landesteile, in denen sich nicht mal mehr eine Hausärztin oder ein Hausarzt finden lässt. Die Ärzte und Ärztinnen orientieren sich in den 13 Planungskreisen, welche sich weitestgehend an den Kreisgrenzen orientieren, größtenteils in die Zentren und Kreisstädte. Wenn man also in einem Flächenkreis, fern ab der Kreisstadt lebt, kann dies zu Problemen führen. Da hilft auch der statistische Reichtum an Ärzten nicht weiter.  Des Weiteren brauchen gerade junge Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen feste Anlaufstellen und eine/n feste/n AnsprechpartnerIn. Ein Arztbesuch ist auch immer Vertrauenssache. Was passiert also, wenn jemand einen Arzt oder eine Ärztin braucht, der mit der Behandlung begonnen hat, dieser in dem Moment aber keine Zeit hat, weil er am ganz anderen Ende des Kreises ist? Einfach mal schnell eine/n unbekannte/n Kollegen oder Kollegin herbeirufen? Und wie sieht das mit den Wartezeiten aus? Wenn Ärzte und  Ärztinnen durch das Land fahren, geht dabei eine ganze Menge Zeit drauf, welche logischerweise nicht mit den Patienten und Patientinnen verbracht werden kann. Eine weitere Frage ist mal wieder die der Kosten: Wer zahlt für das gesamte herumgefahre, gerade in Zeiten der hohen Spritpreise? Krankenkassen? Patienten und Patientinnen? Ärzte und Ärztinnen? Steuerzahler und Steuerzahlerinnen?
Zu viele ungeklärte Fragen!

Die Abstaffelung der Vergütung in strukturschwachen Gebieten kann durchaus sinnvoll sein und durch die finanzielle Aufbesserung den strukturschwachen  Regionen helfen. Sinnbefreit ist jedoch die Idee, wonach die Krankenkassen „förderungswürdigen Leistungserbringern“, zu Deutsch besseren Ärzten und Ärztinnen, mehr Geld zahlen dürfen. Konkret heißt dies, dass hier zwischen den Ärzten und Ärztinnen an sich eine Art Zweiklassengesellschaft geschaffen werden soll. Der Hausarzt verdient nicht so viel wie der Hautarzt oder die Augenärztin.

Auch die GesundheitsministerInnenkonferenz hat nicht entscheidend weitergeholfen.
Zwar erhielten die Länder Rechte über die Aufsicht bei der Bedarfsplanung, jedoch kein Mitspracherecht. Wenn sie die Selbstverwaltung aus Ärztinnen/Ärzten  und Krankenkassen nicht einigen kann und so Lücken im Versorgungssystem entstehen sollten, dürfen die Länder einschreiten. Das Recht, vorher einzuschreiten haben sie allerdings nicht. Weiter wurde versäumt, den Pflege- und Hilfsberufen mehr ärztliche Kompetenzen einzuräumen. An gewissen Stellen können diese durchaus aushelfen. Das würde Ärzte/ Ärztinnen entlasten und den Beruf der Pfleger und Schwestern aufwerten.

Auch könnte sich Herr Garg lieber dafür einsetzen, dass mehr Ärzte sich verteilt über Schleswig- Holstein ansiedeln. Machbar ist dies durch einen finanziellen Anreiz für Ärzte/ Ärztinnen die den Sprung aufs Land wagen. Außerdem kann man das Land attraktiver gestalten, indem man für attraktive Kommunen sorgt. Dazu zählen eine gute und gebührenfreie Kinderbetreuung und eine gut ausgebaute Infrastruktur, vom öffentlichen Personennahverkehr, über schnelle Internetanschlüsse, bis hin zu bürgernahen Ämtern.
Um künftig den Arztberuf attraktiver zu gestalten, kann auch das Bundesgesundheitsministerium sich an den Kosten und der Schaffung für Studienplätze in betreffenden Bereich beteiligen.
Dafür sind natürlich werde Kapital, noch Kapazitäten vorhanden, wenn man stattdessen lieber einen Steuerausgleich schafft, damit Leute die sich die einkommensunabhängige Kopfpauschale nicht leisten können, versorgen zu können.

Bei viel Schatten findet sich aber zum Glück auch ein wenig Licht. Zu loben ist nämlich die Abschaffung der Residenzpflicht: Ärzte und Ärztinnen müssen nun nicht mehr dort gemeldet sein, wo sie ihren Beruf praktizieren.

Immerhin…

 

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