Frieden schaffen ohne Waffen?

Alt Duvenstedt, Hohn, Glücksburg, Lütjenburg, Seeth, Ladelund, Bargum, Hürup. Acht Standorte waren in Schleswig-Holstein von den Kürzungen bei der Bundeswehr betroffen. 10.700 Dienstposten fallen weg. Ein ganz schöner Schlag für unser kleines Land, das nicht viel mehr als Meer hat. Besonders betroffen sind die Kommunen. Vor Ort wird es heftige Auswirkungen geben für Gewerbetreibende, vor allem aber auch für Vereine und Kommunalpolitik.

Wirklich überraschend kam das nicht. Der Kalte Krieg liegt über 20 Jahre zurück, die Bundeswehr aber wirkt häufig noch wie ein Relikt aus früheren Zeiten. Der Truppenabbau war überfällig, das wird in überraschender Eintracht von allen Parteien vorgebracht. Die Einsatzziele der Bundeswehr haben sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Rede ist von globaler Einsatzfähigkeit und modernen Bündnisstrategien. Alles nett, aber wirklich sinnvoll, wenn es in der Zukunft nicht mal mehr die Möglichkeit geben wird, Marineschiffe an der Ostsee in Stand zu setzen?

Klar ist nach dieser Schließungsrunde: Die neue Bundeswehr mit ihrem mal wieder ausgewechselten Verteidigungsminister muss noch eine Menge lernen. Handstreichartige, unbegründete Schließungen von Standorten mögen in Zeiten der Wehrpflichtarmee machbar gewesen sein. Zu der neuen Truppe, die sich als echter Karrierepartner versteht, die junge und engagierte Freiwillige anziehen will, passen sie nicht. Die Schließung von Standorten anzukündigen, ohne Gründe zu nennen, scheinbar plan- und ziellos, das lässt die Bundeswehr im Wettkampf um die „klügsten Köpfe“ alt aussehen. Zukunftsplanung? Fehlanzeige.

Wieder einmal wird vor allem eines deutlich: Eine Debatte darüber, wie Deutschlands „Verteidigung“ in den nächsten Jahren und Jahrzehnten aussehen soll ist längst überfällig. Das große Konzept fehlt. Wollen wir in Deutschland wirklich eine hochspezialisierte Einsatzarmee, im Einsatz vor Somalia oder am Hindukusch? Das hieße dann auch, auf die kommunal lieb gewonnenen Flecktarnträger vor Ort zu verzichten.

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