Braunes Pack statt Weihnachtsidylle

Eigentlich war für mich spätestens am 24. Dezember Weihnachtsidylle, Harmonie und Familie angesagt. Dass an eben diesem Tag auch ein Nazi-Aufmarsch in Bielefeld stattfand, rauschte an mir vorbei – vielleicht weil man von diesen Aufmärschen überall und immer hört. Manchmal sind es gerade mal zehn Neonazis, die in einer Kleinstadt stehen und manchmal sind es so große Aufmärsche wie am Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg.
Über die Weihnachtsfeiertage fuhr ich schließlich zu meiner Familie nach Niedersachsen. Was ich nicht wusste: Das kleine idyllische Dorf im Landkreis Oldenburg ist schon lange nicht mehr idyllisch. Kurz hinter dem Ortseingang haben Neonazis ein Haus gemietet. Junge Leute werden angesprochen, ob sie nicht auch etwas für ihre Heimat tun wollen. Meine Familie erzählte, dass auch schon Flugblätter unter den Bürgerinnen und Bürgern kursierten. Alle wissen, dass da Nazis wohnen. Die Gegend um das Haus wird gemieden und damit haben die Leute in dem Dorf mit dem Thema abgeschlossen. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, Nazis müssen sich hier nicht mehr verstecken. Alle wissen es und sehen weg.

Was ich damit sagen möchte: Wir müssen nicht nur in den Bundesländern aufpassen, in denen die NPD in den Landtag einzieht und in vielen Dörfern und Kleinstädten den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin stellt. Wir müssen nicht nur auf große Demos gehen, dort Flagge zeigen und laut sein. Unser Engagement auf großen Widerstandsdemonstrationen wie in Dresden oder in Lübeck ist wichtig und muss aufrechterhalten werden, aber von diesem Engagement kommt nichts in den kleinen ländlichen Dörfern an. Das ändert nichts daran, dass alle im Dorf von den Nazis wissen und wegsehen, wenn gerade junge Leute von diesen angesprochen werden.
Ich will euch an dieser Stelle sagen – bleibt wachsam. Bleibt wachsam, wenn rassistische Parolen wie selbstverständlich gerufen werden. Bleibt dann wachsam, wenn alle anderen wegsehen.
Gerade in Zeiten, in denen Nazis durchs Land ziehen können und morden, ist es unsere Aufgabe, Antifaschismus auf vielen Wegen in die Gesellschaft zu tragen.

Wir müssen zeigen, dass es bessere Antworten gibt. Antworten der Demokratie und der Willkommenskultur. Gerade dann, wenn alle anderen auf dem rechten Auge blind sind und längst vergangene Gespenster im linken Spektrum suchen.
Gerade dann, wenn viele von Einzeltaten sprechen, die keiner rechtsextremistischen Organisation zugeordnet werden können, müssen wir umso lauter sein.

Denn jeder Nazi ist einer zu viel!

Denn jeder Naziaufmarsch muss auf großen Widerstand treffen!

Denn wir sind ein Leben lang Antifaschistinnen und Antifaschisten und das ist richtig so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.