Die sexistische Gesellschaft alias „The Bachelor“

Der Bachelor ist zurück. Immer mittwochs um 21.15 auf RTL. Damit reiht sich diese Serie in eine lange Liste von sexistischen Sendungen ein. Aber was ist gerade an „The Bachelor“ so viel schlimmer als an anderen Sendungen diesen Formats?
Es ist doch ganz einfach: Ein netter Mann lässt die Frauenherzen jeden Mittwoch Abend höher schlagen. Jung, smart, einfühlsam. Nebenbei ist Paul ein junger Millionär, der nur ein Problem hat: Er sucht nach der Liebe seines Lebens. Um die zu finden, lädt er sich 20 Frauen ein, die dann in einer Fernsehsendung um seine Liebe kämpfen. Am Ende jeder Sendung muss sich Paul dann schweren Herzens von einigen „seiner Mädchen“ verabschieden. Für sie ist dann das Abenteuer an dieser Stelle beendet, sie muss die Luxusvilla verlassen und darf Paul nur noch aus der Ferne bewundern. Aber das ist kein Problem für ihn: Er hat ja noch ein paar Frauen, unter denen bestimmt die ganz große Liebe wartet! In verschiedenen Herausforderungen schaut er sich die Frauen genau an, sucht den Körperkontakt und alle scheinen viel Spaß zu haben. Ab und zu gefällt ihm dann ein „Mädchen“ im Bikini besonders gut und er verschwindet einfach mal mit ihr. Die anderen warten im Whirlpool sehnsüchtig auf die Rückkehr der beiden – Was will Man(n) mehr!
Schöne Frauen im Bikini, ein liebenswerter Mann, der doch nur die große Liebe sucht. Nebenbei hat er halt auch noch Geld!  Also, was ist so schlimm am „Bachelor“?

Das Rollenbild, das in der Serie vertreten wird – Die „Mädchen“, wie die Frauen von Paul immer genannt werden, werden zum Spielball und warten auf die Entscheidung des „Erlösers“. Wenn Paul sie im Bikini sehen möchte, ziehen sie sich ohne nachzudenken aus. Wenn Paul am Ende der Serie nicht mehr dabei haben will, weil „es einfach nicht passt“, dann liegt die Schuld selbstverständlich bei dem „Mädchen“. Sie ist zwar kaum zu Wort gekommen, aber scheinbar sah sie im kurzen Rock nicht so aus, wie Pauls große Liebe eben aussehen müsste. Jede Laune hängt von Pauls Entscheidung ab: Wen will er daten, wen küsst er, wen will er nicht mehr sehen? Dabei entsprechen die Teilnehmerinnen alle einer typischen Norm: Taillenumfang, Bauchumfang, Körbchengröße und Beinlänge weichen kaum vom 90:60:90-Maß ab, sie haben lange Haare, das Make-up ist immer perfekt, das Outfit immer aufeinander abgestimmt. Natürlich – denn es ist nicht zu vergessen, dass die meisten Teilnehmerinnen hoffen, über die Sendung „entdeckt“ zu werden. Für dieses Ziel würden sie vieles tun.

Es ist nicht nur das Bild der Frau, was einem Klischee entspricht. Auch die Rolle, die der Mann bei „The Bachelor“ einnimmt, zeichnet ein klares sexistisches Klischee vor. Paul spricht von den „sexy Mädchen“, unter denen er sich gar nicht entscheiden kann. Um Entscheidungen zu treffen, führt er einfach manchmal ab und zu eine Frau seiner Wahl aus und küsst sie (wogegen sie sich in der Serie auch nicht wehrt). Was macht ihn aus? Er ist schön, reich, erfolgreich und charmant. Seine Kommentare gelten hauptsächlich dem Aussehen der Teilnehmerinnen in den verschiedenen Outfits, ab und zu spricht er auch davon, unbedingt den Charakter eines bestimmten „Mädchens“ kennenzulernen, davon sehen die Zuschauenden jedoch relativ wenig.

Was vermittelt die Sendung? Es geht lediglich um Geld, luxuriöses Leben, Aussehen und Oberflächlichkeit. Das formulierte eine verzweifelte Teilnehmerin ganz anders: „Die verstehen doch gar nicht, worum es hier geht! Hier geht es um die große Liebe!“. Das ist auch genau einer der Sätze, die der_die Zuschauer_in hören will. Eine solche Sendung hätte nicht solche hohen Einschaltquoten, wenn sie viele nicht so sehr ansprechen würde.

Entspannt einen Mittwoch Abend vor dem Fernseher verbringen, vielleicht sogar noch insgeheim oder gar offen und ungeniert die Frauen beurteilen – muss das wirklich sein? Muss Sexismus wirklich so alltäglich sein? Muss die Suche nach der großen Liebe wirklich so oberflächlich und sexistisch im Fernsehen vorgelebt werden?
Und vor allem: Muss man es wirklich hinnehmen, an irgendwelchen feststehenden Maßstäben gemessen zu werden? Muss der (weibliche) Körper Teil des Entertainments werden?
Die Sendung manifestiert ein extrem konservatives Rollenbild: Der Mann ist erfolgreich und wird von dem kleinen Mädchen umworben, das alles tut, um in seiner Gunst zu stehen. Über dieses Rollenbild ist unsere Gesellschaft schon lange hinweg, weswegen die Frage aufkommt, wieso uns dann so etwas noch im Fernsehen gezeigt wird. Dieses Serienformat hält sich nur dadurch aufrecht, dass es eben diese Rollenbilder reproduziert und zieht leider nach sich, dass sich viele Frauen an diesem Maßstab von einem „Traumkörper“ messen, und viel schlimmer: messen lassen müssen.
Meine Meinung ist klar: Fernsehen, das Sexismus nicht nur salonfähig macht, sondern nur darüber funktioniert, braucht niemand!

9 Antworten zu “Die sexistische Gesellschaft alias „The Bachelor“”

  1. Kevin sagt:

    Ich bin sicherlich kein Freund von Sexismus oder jeglicher Form der Unterdrückung, aber ganz ehrlich:
    Ich habe selbst schon von vielen Frauen/Mädchen jeglicher Bildungssschicht den Satz „Dann Heirate ich einfach reich“ gehört.

    Desweiteren wird dieses typische Bild von unserer Highsociety doch klar vorgelebt. Wie viele reiche Unternehmer oder Adelige gibt es deren Frauen im Schnitt 20-30 Jahre Jünger sind, wenn nicht sogar 40 oder 50. Man kann mir ja sicherlich viel erzählen, aber dass es sich da dann immer um die „Wahre Liebe“ handeln soll, wenn eine u30 Jährige mit einem mind. 60 Jährigen das Bett teilt ist mir doch sehr, sehr fragwürdig. An sich sind solche Fälle für mich dann nichts anderes als eine deutlich besser Bezahlte und langfristigere Form der Prostitution (das sehe ich auch bei vertauschten Rollen also Frau alt und reich und Mann jung)

    Es gab übrigens auch schon genug Gegenformate zu „The Bachelor“ in denen sich mehrere Männer um eine Frau bemühten. Für soetwas muss man im Halbjahreshrytmus nur MTV oder Viva durchforsten.

    Im Schnitt kann einem dieser Unterschwellige Sexismus doch sowieso egal sein, da Serien wie „Two and a half men“ das ganze deutlich offensichtlicher machen und riesige Einschaltquoten, auch bei jüngeren Generationen (was bei The Bachelor sicherlich nicht so stark der Fall ist), erzielen.

    Also entweder kann man gleich das ganze Fernsehen zwangszensieren und jegliche Form der Kunst auch oder man schaltet einfach nicht ein bzw. sein Hirn an, da eine eigene Meinung immernoch die beste Möglichkeit ist mit soetwas umzugehen.

  2. Frederik Rösch sagt:

    „Am Ende jeder Serie muss sich Paul dann schweren Herzens von einem „seiner Mädchen“ verabschieden. “

    Ist inhaltlich falsch.
    Es müsste „Folge“ oder „Episode“ statt „Serie“ heißen. Außerdem werden meiner Meinung nach immer mehr als eine Frau verarbschiedet, denn sonst hätte die Serie 25 Folgen und liefe damit ein halbes Jahr, was sie aber nicht tut.

    „weswegen die Frage aufkommt, wieso uns dann so etwas noch im Fernsehen gezeigt wird.“

    Frage selbst beantwortet:
    „Eine solche Sendung hätte nicht solche hohen Einschaltquoten, wenn sie viele nicht so sehr ansprechen würde.“

    Guter Artikel, aber ist natürlich auch ein wenig Captain Obvious bei einer RTL Unterhaltungssendung.

    Liebe Grüße

  3. Marcel sagt:

    Hi,
    mich würde mal interessieren, wie denn die Verfasserin zur zweiten Staffel (2004) des Bachelors „Die Bachelorette“ mit Monica Ivancan steht?

    PS: Beim nächsten Mal bitte ein bisschen besser recherchieren. Paul ist bei weitem kein Millionär, lebt in Hamburg in einem 1-Zimmer-Appartement. Ebenfalls ist der Formatsablauf falsch widergegeben (nur 20 Frauen, es müssen mehrere am Ende einer Folge gehen, es gibt auch unterschiedliche Frisuren, etc 😉
    Beim nächsten Mal bitte ein wenig mehr Genauigkeit…

  4. Matze sagt:

    Keine Frage, in deinem Artikel ist vieles richtig…Nur eine Frage: Vielleicht erinnerst du dich, dass bei RTL auch das Format „Die Bachelorette“ lief (und vllt auch wieder laufen wird?!?..kA) bei dem der Spieß umgedreht wurde und sich die Frau den Mann (die auch alle wie geleckt aussahen) rauspicken durfte…Insofern herrscht da bei RTL schon so etwas wie Gleichberechtigung…
    Zum zweiten sei gesagt, dass RTL eben ein Privatsender ist und von Werbeeinnahmen lebt, die umso höher ausfallen, je mehr Zuschauer die Sendung gucken…Das heißt also: Die Schuld ausschließlich bei RTL / den Machern der Sendung zu suchen ist sicher zu kurz gegriffen. Auch der Zuschauer trägt hier Verantwortung…Er kann nämlich wegschalten und dadurch RTL zu einem anderen Programm bewegen…

  5. Merle sagt:

    Marcel,
    ich beziehe mich auf den Paul, als der er auftritt. Ich weiß, dass das selbstverständlich nicht der Realität entspricht.Besser macht es das meiner Ansicht nach allerdings nicht. Was falsch war, habe ich selbstverständlich berichtigt, ich bezog mich auf ein ursprüngliches Format (2003?). Danke für die Hinweise.

    Frederik,
    ich hoffe, ich habe alles berichtigt?

    Matze und Marcel,
    ich habe die „Bachelorette“ nie geguckt. Aber auch für sie gilt das, was ich am „Bachelor“ bemängelt habe: viel Geld, nur Äußerlichkeiten usw.

    Trotzdem: Bei Sexismus von Gleichberechtigung zu sprechen, halte ich für völlig daneben. Sexismus, egal ob gegenüber einer Frau oder einem Mann, ist daneben.

  6. Matze sagt:

    Die „Gleichberechtigung“, die ich angesprochen habe, war eher ironisch zu verstehen. Mir ging es darum daruaf hinzuweisen (was andere ja jetzt auch schon gesagt haben), dass es durchaus Formate gibt, bei denen die Männer den Frauen sozusagen hinterherrennen…

    Außerdem geb ich noch Folgendes zu bedenken: Während der letzten Zeit (so lange der Bachelor jetzt läuft) habe ich bei Facebook den ein oder anderen Kommentar zum Bachelor gehört. Diese Bemerkungen kamen ausschließlich von weiblichen Personen und inhaltlich fokussierte sich die Debatte darauf, ob denn nun der Bachelor „heiß“ bzw. „süß“ sei oder aber doch zu „softy“ etc. Offensichtlich sind also ein großer Teil vllt. überwiegender Teil der Zuschauer/innen weiblich. Hier muss dann die berechtigte Frage lauten: Wenn es sich beim Bachelor um Sexismus handelt, der Frauen kränkt / verletzt / entwürdigt, wieso ist dann das Interesse der Frauen so groß an der Sendung und warum hört man kritische Stimmen wie deine nur so selten?

  7. Doro sagt:

    Liebe Merle, liebe Genoss_innen,

    ein paar Anmerkungen habe ich dann auch noch.

    Zunächst mal, gucke ich seit Jahren die US-Version des Bachelor und muss deutliche Unterschiede im Budgeting des Formats feststellen, auf welches sicherlich große Teile des Niveauabfalls zurückzuführen sind und auf RTL natürlich.

    Des weiteren kleine redaktionelle Anmerkungen, die sich im Kontext als große Einwände herauskristallisieren können, je nach persönlicher Empfindung.
    Jener Paul ist weder Millionär, noch lässt sich ein realer beruflicher Erfolg feststellen. Vielmehr handelt es sich um einen gescheiterten Amateurfussballer mit einer mittelmäßigen Geschäftsidee, über deren materiellen Erfolg wenig bekannt ist. Wohl aber hat die mittelklassige Boulevardpresse über seine Einzimmerwohnung mit, zum Büro umfunktionierter Küche einiges in Erfahrung bringen können.
    Eben dieser Paul bezeichnet die Bewerberinnen zwar zeitweilig als „Mädchen“, vermehrt aber als „Mädels“, die er nach ihrer „hotness“ und nach „Rassigkeit“ bewertet. Während die sogenannte „hotness“ wohl eher soewtwas wie Attraktivität bezeichnen soll (in seinem Slang), tritt bei der Kategorie ein ganz anderes Problem zutage. Welches dies ist, muss ich ja niemandem mehr erklären.
    Interessanterweise gehst du, Merle, ja darauf ein, wie die Frauen instrumentalisiert werden und es gibt ja auch Leser_innen, die auf ihren freien Willen bestehen. lasst uns doch mal darüber diskutieren, ob und wie die Bezahlung der Frauen ihren freien Willen beeinflusst. Selbst wenn die Frauen keine direkten Zuwendungen von RTL erhalten, können wir ja doch von einem Luxusurlaub sprechen, der ihnen bezahlt wird und das wäre dann ja soetwas wie eine indirekte Bezahlung.

    Versteht mich nicht falsch, ich stehe diesem Format und dem vermittelten Rollenbild auch höchst kritisch gegenüber, aber dieser Blogeintrag ist mir an vielen Stellen doch zu polemisch und oberflächlich.

    Feminististe Grüße,
    Doro

  8. Frederik Rösch sagt:

    Muss Doro zustimmen und sie hat auch einen sehr guten Hinweis gegeben: Rassigkeit.

    Dieses Merkmal wurde wenigen Frauen zugeordnet, ich kann mich daran erinnern, dass Paul eine farbige Teilnehmerin als sehr „rassig“ lobte.

    Das finde ich schon bedenkenswert.

    Im Grunde aber ist der Bachelor eine sehr harmlose Sendung, gerade weil konsumgeilheit und sexismus (wobei ich da vielleicht auch eher von einer Fixierung auf oberflächliches sprechen würde) extrem offensichtlich rüberkommen.

    Viel interessanter wäre doch mal zu schauen wo im deutschen Fernsehen subtil und unterschwellig Sexismus rüberkommt. Dann müsste man allerdings doch etwas gründlicher recherschieren….

  9. Stiffler sagt:

    Ey Leute, zebrecht euch nicht euren Kopf über so sinnlose Themen – Es gibt ein einfach Mittel dagegen, einfach umschalten, oder Fairtrade-Tee trinken …

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