“Nun sag: wie hast du es mit der Religion?”

 

In Goethes “Faust” richtet Gretchen jene Frage an Faust, um herauszufinden, wie es dieser mit dem Christentum hält. Ich als Jungsozialistin stelle die Frage der Landes-SPD und frage: sag´ Mutterpartei, wie hältst du es mit dem Religionsunterricht an Schulen?

Wir alle leben in einer Gesellschaft, die wir mit kultureller und religiöser Vielfalt prägen – seien es nun Christ_innen, Muslim_innen oder Atheist_innen. Die Gesellschaft hat einen kulturellen Wandel erfahren, den wir keinesfalls missen wollen. Doch sind die soziale sowie kulturelle Vielfältigkeit und ihre Vermittlung noch nicht überall vollends angelangt und machen noch Halt vor den Pforten vieler Schulen. So gestalten diese ihren Religionsunterricht meist immer noch mit auf dem Christentum befindlichen Schwerpunkt. Dabei wird verkannt, dass der Religionsunterricht heutzutage differenzierter betrachtet und anders definiert werden muss.

Ziel ist es hierbei selbstverständlich nicht, die Sinnhaftigkeit sowie den pädagogischen Wert ethisch-religiöser Bildung, die in Schulen nun einmal stattfindet, in Abrede zu stellen, sondern nur einen Anstoß in die richtige Richtung zu geben. Der Schule kommt ein Bildungsauftrag zu – ohne Frage. Aber es ist in Zweifel zu ziehen, ob diesem Bildungsauftrag mit einem konfessionsgebundenem Religionsunterricht noch Rechnung getragen werden kann. Wir Jusos verneinen dies und sind der Überzeugung, dass ein konfessionsgebundener Religionsunterricht der gesellschaftlichen, religiösen Vielfalt nicht gerecht wird und eben nicht jede_n Schüler_in erreicht. Dabei geht es doch gerade in Schulen darum, mit allen Schüler_innen Toleranz, Akzeptanz und Weltoffenheit zu erfahren und diese Werte gemeinsam zu leben sowie zu vermitteln! Die Schule ist in der heutigen Zeit nicht lediglich ein Raum, in dem Lehr- und sachliche Lernprozesse stattfinden. Die Schule stellt vielmehr eine Begegnungsstätte der Kulturen dar, wo junge Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion aufeinander treffen und Umgang miteinander finden. Gerade hier müssen interreligiöse Dialoge gefördert und gelebt werden. Gerade in diesem Raum können Verständnis sowie Toleranz für die jeweilige Weltanschauung gefördert und erzeugt werden. Dieser Prozess des Verstehens und gegenseitigen Respekts kann nur durch Wissen sowie Kenntnisvermittlung über die jeweilige Religion, durch Gleichberechtigung aller Weltanschauungen und einem Dialog erfolgen und stattfinden. Jede_r muss sich angesprochen, eingebunden und mitgenommen fühlen – und zwar unabhängig von der Konfession.

Daher ist der konfessionsungebundene Religionsunterricht als sinnvoll und zweckförderlich zu erachten, der alle Weltanschauungen und Religionen auf der gleichen Augenhöhe behandelt und den interreligiösen Dialog aktiv und lebensnah fördert. Als mittel- und langfristiges Ziel ist der allgemeine Ethikunterricht anzustreben.

Faust antwortete auf die Frage des jungen Gretchens: “Lass das, mein Kind!”. Wir hoffen, dass uns die Landes-SPD auf dem kommenden Landesparteitag am 3./4. Februar eine andere Antwort präsentieren wird und die Frage des konfessionsungebundenem Religionsunterricht und Ethikunterrichts nicht zur Gretchenfrage wird.

 

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