Rückblick statt Rückschritt!

Wer sich intensiv mit Geschichte, besonders der Deutschen, beschäftigt, wird schnell erkennen, dass bestimmte Probleme und Veränderungen regelmäßig wiederkehren. Nicht von ungefähr versuchten Philosophen wie beispielsweise Hegel und später Marx die Historie zu deuten, zu verstehen und einst sogar vorher zu sagen, da sie dachten sie hätten eine Gesetzmäßigkeit entdeckt.

Dass es ein solches Axiom der Gesellschaftsgeschichte nicht gibt hängt von vielen Faktoren, besonders der Unvorhersehbarkeit des menschlichen Individualismus, ab. Psychologische Erklärungsansätze wie der Herdentrieb greifen hier nur bedingt und in nicht ausreichend berechenbarem Rahmen, weshalb man sich nur auf die Deutung der Vergangenheit und deren Bezug auf die Gegenwart beschränken muss. Nur so kann man Verhaltensmuster an den vormals, unter ähnlichen Umständen, eingetretenen Folgen festmachen und weiteres Handeln an einer vernünftigen Auswertung des gelernten festmachen.

Es ist ein Fakt, dass die Weimarer Republik durch eine schwere Weltwirtschaftskrise, wie der aktuellen Refinanzierungskrise, ins Straucheln gebracht wurde.
Der Staat wird derzeit durch das Aufspannen diverser Rettungsschirme, hohe Sozialausgaben und eine brüchige Regierungskoalition arg strapaziert. Des Weiteren droht mit dem Einzug obskurer Kleinparteien eine Zersplitterung der Parlamente, die jedwede Regierungsbildung sabotieren könnten.

Dies alles sind Umstände die innerhalb der schwach gefestigten Weimarer Demokratie einen Aufschwung der NSDAP auf der rechten, so wie der KPD auf der linken Seite begünstigten. Die Tatsache, dass es diese Parteien nicht mehr gibt und dass nichtdemokratische Gruppen nicht ins Parlament dürfen, mindern die damals offene Radikalisierung und den Wirkungsgrad rechtspopulistischer Propaganda auf ein Minimum herab.
Die Tatsache dass die rechtsradikale NPD im sächsischen und mecklenburg-vorpommerschen Landtag sitzen, spricht jedoch Bände.

Die durch das Beispiel der Weimarer Republik gewonnenen Erkenntnisse, sowie die mittlerweile vorhandene demokratische Grundeinstellung der Bevölkerung, lassen keine offene Radikalisierung wie damals zu, was leider wie am tragischen Beispiel der NSU zu sehen nicht verhindert, dass es dennoch zu einer Radikalisierung kommt.
Besonders kritisch zu beäugen ist die Tatsache, dass zwar die Angst vor Rechtsradikalismus tief in der Gesellschaft verwurzelt ist, jedoch hinter verschlossenen Türen offen über „die gute alte Zeit“ gesprochen wird und eine Basis der Akzeptanz bilden, von welcher rechtsradikale Untergrundzellen dann operieren können.
Deutschland ist nicht in der Position in nostalgischer Glückseligkeit zu schwelgen. Dass manche Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges diesen nicht als das empfanden was er war, mag an persönlichen Erfahrungen liegen. Die, die wahres Zeugnis der Vergangenheit ablegen könnten, bleiben auf ewig stumm.
Diesen Menschen eine Stimme zu geben, um eine Wiederholung zu verhüten, ist das Erbe unserer Bundesrepublik, und mit ihr das eines jeden Bürgers, weshalb sich jeder im Klaren darüber sein muss, auf welch dünnes Eis man sich begibt, wenn man sich seiner eigenen Geschichte nicht bewusst ist. Wer dies nicht ist, bricht nur zu schnell ein.

Tags:

2 Antworten zu “Rückblick statt Rückschritt!”

  1. Annette Neumann sagt:

    o.k. Note 2 -setzen – ist ja gut geschrieben, aber wer sich nicht mit der Geschichte auskennt ( und wen wollt ihr Jusos denn erreichen ?), der wird diesen Text nach dem ersten Absatz nicht mehr weiterlesen. Also wem willst Du was sagen? Wenn das nicht eine G8 – Veranstaltung für Bildungsbürger werden soll, dann sollten Texte so formuliert werden , dass auch ein aufsteigender
    „Arbeitersohn/tochter“ das verstehen kann. Ich dachte immer die SPD sei eine Arbeiterpartei, soweit reicht mein Geschichtsverständniss noch. Oder war das mal ? Gruß Annette

  2. Yannick sagt:

    Hallo Annette,

    Natürlich ist die SPD aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen, und mit ihr auch die Jusos.
    Wir Jusos haben aber auch eine lange und lebhafte Geschichte. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges kämpfen wir nicht nur für soziale Gerechtigkeit und faire Bildungschancen, sondern auch gegen das Vergessen und die Verdrängung der nationalsozialistischen Verbrechen an.
    Der Blog soll nur eine historische Hinführung zu dem Thema sein, damit auch jene, die dieses Hintergrundwissen nicht haben, einen kleinen Ausblick bekommen, wie alles miteinander verknüpft ist.
    Sollte der Anfang etwas trocken etwas trocken gewesen sein, tut es mir leid, ich hielt es jedoch für sinnvoll diesen kleinen Geschichtsausflug zu unternehmen, um zu verdeutlichen wie stark manche rechten Denkstrukturen in der Gesellschaft verwurzelt sind.
    Ein Beitrag der Jusos muss nicht immer polarisieren, er soll auch informieren! Gerade da wir eine Organisation mit langer Tradition sind, halte ich gelegentliche Retrospektiven für durchaus sinnvoll.
    Geschichte ist schließlich nicht nur das Geschehene, sie ist auch das geschichtete Geschehen. Die Schichten auf denen unser heute steht und wir alle sind mit ihr verwurzelt.

    Herzlichst
    Yannick

Schreibe einen Kommentar zu Yannick Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.