Frei.Geist statt Frei.Wild – weil Nationalismus nicht unpolitisch ist!

Die Eiderlandhalle des  Pahlazzos in Pahlen (Dithmarschen) war schon oft Spielstätte vieler, auch bekannter Bands. Am 24. März will nun die Gruppe Frei.Wild aus dem italienischen Südtirol im Rahmen ihrer „Allein nach vorne“-Tour hier Halt machen.

Frei.Wild sind nicht irgendeine Deutschrock-Band. Sie sind der Grund, warum in Dithmarschen ein Bündnis gegründet wurde, das vor allem aus Jusos, Grüner Jugend und Antifa besteht. Denn bei den Südtirolern verhalten sich die Dinge etwas anders als bei anderen Bands:

Einige Mitglieder von Frei.Wild, vielen Menschen als Nachfolgeband der „Deutschrockgruppe“ Böhse Onkelz bekannt, teilen mit ihren eben genannten Vorbildern eine Gemeinsamkeit: die Vergangenheit in der rechten Szene. Frei.Wild gingen aus der Nazi-Band Kaiserjäger hervor. Außerdem war beispielsweise Frei.Wild-Sänger Philipp Burger bis in das Jahr 2008 hinein Mitglied der als europafeindlich und rechtspopulistisch einzustufenden Partei „ Die Freiheitlichen“, die für eine „Stärkung des Tiroler Volksbewusstseins“, eine Anbindung Südtirols an den „deutschen Sprach- und Kulturraum“ und gegen Zuwanderung und Multikulturalismus eintritt, um nur einige der rückständigen Forderungen zu nennen. Der Austritt Burgers aus der Partei ist allerdings kaum als Gesinnungswandel zu begreifen, sondern fand wohl vielmehr auf Anraten des Frei.Wild-Managements statt, nachdem die Band wegen eines Auftritts bei einer Parteiveranstaltung mit Kritik konfrontiert worden war und eine langfristige Rufschädigung befürchtet worden war. Burger sympathisiert wohl nach wie vor mit rassistischen, nationalistischen und anderen menschenfeindlichen Inhalten der Partei. Obwohl er und Frei.Wild versuchen, sich selbst als unpolitische Band zu inszenieren und dieses Image aufrechtzuerhalten, sind zahlreiche Songtexte von einer nationalistischen Blut- und Bodenideologie geprägt. Dem „unpolitischen“ Selbstverständnis der Band widerspricht auch die große Zahl an offen auftretenden Nazis auf ihren Konzerten, die sich dort unter unpolitische Jugendliche mischen. Hierin besteht die Gefahr, die von Bands ausgeht, die, wie Frei.Wild, der sogenannten Grauzone zugeordnet werden. Solche Bands sind politisch weder schwarz, also eindeutig faschistisch oder neonazistisch, noch weiß und demokratisch bzw. wirklich unpolitisch.

Verschiedene antifaschistische Gruppen dokumentierten bereits Versuche organisierter Nazis auf den Konzerten in bierseliger Feierstimmung neue Kamerad_innen zu rekrutieren. Eine richtige Distanzierung von solchen „Fans“ hält die „unpolitische“ Band Frei.Wild allerdings nicht für nötig: Frontmann Philipp Burger ließ verlauten, dass auf den Konzerten seiner Band auch Naziskinheads willkommen seien, „solange sich die Leute benehmen“. Eine mehr als zynisch klingende Aussage, wenn man das Konzert vom 29.12.2011 in Dresden im Hinterkopf behält, nach welchem eine ursprünglich aus Kenia stammende Frau von Konzertbesucher_innen in der Nähe der Veranstaltungshalle rassistisch beleidigt, bespuckt und schließlich niedergeschlagen wurde.

Wir wollen keine Konzerte, auf denen Nazis geduldet und rechte Inhalte propagiert werden.

Wir Jusos Schleswig-Holstein rufen daher gemeinsam mit dem Bündnis „Frei.Geist“ dazu auf, an einer friedlichen Kundgebung am Konzertabend teilzunehmen. Wir rufen die Betreiber_innen des Pahlazzos und alle anderen Konzertveranstalter_innen und Clubbetreiber_innen dazu auf, keine Bands spielen zu lassen, die der Grauzone oder dem Rechtsrock zuzuordnen sind.

 Nationalismus ist nicht unpolitisch. Nazis und anderen rechten Gestalten die Party versauen. Denn Nazis haben keinen Platz in unserer Gesellschaft!

5 Antworten zu “Frei.Geist statt Frei.Wild – weil Nationalismus nicht unpolitisch ist!”

  1. Freiwild Fan sagt:

    Und was da jetzt passiert ist, dass die Band und Fans guten Willen gezeigt haben wird nicht erwähnt?

    • Merle sagt:

      Grob gesagt hast Du Recht: Ja, die Band hat sich mit mir und ein paar anderen Demonstrant_innen getroffen und ja, einige Fans haben sich mit uns unterhalten. Einige waren völlig unserer Meinung.
      Allerdings muss auch gesagt werden, dass nicht alles nur harmlos war: Wir wurden beschimpft und beleidigt, wir wurden mit Flaschen beworfen, wir haben einige Hitlergrüße gesehen und unsere „Ich bin gegen rechts!“-Aufkleber wurden vor unseren Augen verbrannt. Rufe wie „Juden nach Auschwitz“ oder „Zi-Za-Zigeunerpack“ waren auch keine Seltenheit.
      Ich will damit nicht sagen, dass alle, die da waren, Nazis sind. Das haben wir nie behauptet und dort auch deutlich gesagt. Aber ich will deutlich machen, dass wir bestärkt wurden: Ja, es ist ein Forum für Neonazis und Nationalist_innen!
      Schau mal auf der Seite der Jusos Dithmarschen. Die haben dazu einen Artikel veröffentlicht, in dem beide Seiten beleuchtet werden: Dass die Band und einige Fans sich zum Dialog bereit erklärt haben, aber eben auch dass erschreckend viele Rechtsextreme vor Ort waren.

  2. Konsorte sagt:

    Ich hab den Bericht der Juso gelesen und da werden nicht beide Seiten beleuchtet! Was aber erwähnt wird, ist die Tatsache, dass viele der anwesenden Nazis keine Frei.Wild-Fans waren und auch gar nicht das Konzert besuchten, sondern einfach nur Krawall machen wollten. Außerdem muss man fairerweise sagen, dass solche Leute am Eingang (wenn sie denn auf das Konzert gehen wollen) aussortiert werden. Hier wird nämlich haarscharf kontrolliert, es werden selbst T-Shirts betrachtet, wenn entsprechend verdächtige Personen Pullover tragen! Selbst die süddeutsche Zeitung musste zugeben, dass in der Halle ein solches Publikum nicht anwesend ist (vgl. Artikel „Problematische Patrioten“) Mir ist es auch wichtig, dass auf den Konzerten keine Nazis anwesend sind, schließlich möchte ich nicht mit solchen Menschen feiern!
    Zu dem unterstellten Nationalismus muss ich, wie immer, auf die Geschichte Südtirols verweisen! Losgelöst vom historischen Kontext ist eine Analyse des Textes „Wahre Werte“ nicht möglich! Es hat in Südtirol eine komplett andere Bedeutung, als es in Deutschland hätte! Minderheit ist Minderheit! Historie ist Historie und Südtirol ist nicht Deutschland! Sie würden doch auch nicht den Basken den Drang nach Autonomie und die Pflege der Traditionen untersagen? Das sollten Sie an dieser Stelle beachten! Dass Sie beschimpft und mit Flaschen beworfen wurden, tut mir leid, denn das gehört sich nicht und das haben Sie sicher nicht verdient, denn Sie haben sicherlich mit gutem Willen gehandelt!
    Liebe Grüße!

  3. Konsorte sagt:

    Allerdings muss ich sagen, dass der Name des Büdnisses „Frei.Geist statt Frei.Wild“ dezidiert mäßigen Respekt transportiert. Ich persönlich zähle mich zu Frei.Wild (auch wenn ich nur zur Fangemeinde gehöre) und man denunziert meine Persönlichkeit!

  4. Konsorte sagt:

    So jetzt spame ich langsam 😉
    Aber eines muss ich noch sagen und zwar, ich kann nicht abstreiten, dass sich auch so manch brauner Idiot in der FW-Gemeinde finden lässt. Das ist leider ein sehr trauriges Faktum. Allerdings werden Sie diese Idioten wohl überall finden, auch bei dezidiert links auftretenden Bands.(Manche beachte, dass auf diversen NPD-Kundgebungen beispielsweise Lieder von den Ärzten gespielt werden) Das wichtigste hierbei ist allerdings, dass der Großteil der Fangemeinde sich nicht dem braunen Mob zuordnen lässt und dass wir gegen solche Leute genauso vorgehen, wie Sie es tun. Wenn sich jemand, trotz der strengen Kontrollen (wie gesagt, alle kann man bei der Anzahl von Leuten nicht heraus filtern) in der Halle befindet, bin ich der 1. der den Securitys bescheid gibt. Ich bin es mir langsam aber sicher leid mich als Meschenfeind diffamieren zu lassen. Sehen Sie sich den Zeitartikel an, da werden alle Fans als Nazis, Nazisympathisanten oder zumindest als primitive Proletarier deklariert!- Ist das fair? Beachten Sie doch all die Internetblogs, in denen manche Leute ihren Hass auf Frei.Wild deart auskotzen, dass ich das Gefühl habe, dass Philipp Burger ihnen persönlich etwas angetan hat. Dass die FW-Texte mittlerweile „Wir-gegen euch“-Konstruktionen beinhalten, ist doch genau auf das zurück zu führen, dass wir uns andauernd rechtfertigen müssen, dass wir uns andauern beleidigen lassen müssen und dass wir es langsam satt haben! Wir sind MENSCHEN mit Familie, mit Gefühlen und all den weiteren Dingen! Das mag ja sehr schnulzig klingen, aber das lassen viele gerne außer Acht. Aber als Frei.Wild-Fan ist man wohl tatsächlich „zum jagen frei gegebens Wild“. Es kann doch nicht sein, dass ich auf einer Demo gegen rechte Gewalt von irgendwelchen Antifas angepöbelt werde, die mich fragen:“Was machst du denn hier, wenn du ein Shirt einer Nazi Band trägst?“

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