„(…) dann haben wir noch einige gemeine Sachen in der Schublade“

Schublade. Das war das erste, was mir beim lesen des aktuellen SHZ Wahlkampfberichtes ins Auge fiel. Denn mit Gemeinheiten aus der Schublade droht Daniel Günther, seines Zeichens CDU-Landesgeschäftsführer, der SPD für die heiße Phase des Wahlkampfes.

Im Grunde genommen ist damit alles gesagt, was über die aktuelle Kampagne der CDU zu sagen wäre. Alles ist irgendwie von Vorgestern. Selbst Schubladen hatte die SPD schon Anfang der 90iger. Näheres muss hier nicht erläutert werden, aber Fakt ist, dass man seitdem eigentlich immer wieder hoffte, die Parteien (und ich spreche bewusst im Plural) hätten dazu gelernt. Man hoffte, es wäre endlich erkannt worden, dass Wahlkampf ungleich „Krieg“ und Inhalte ungleich „Schlamm“ wären.

„Negative campaigning“ ist der wunderbar neudeutsche Begriff für das Verunglimpfen des politischen Gegners. Ziel: am Ende irgendwie besser dastehen. Wirklich verlieren tut dabei in der Regel nicht der politische Gegner, sondern nur die Wahlbeteiligung. Wie gesagt, man hoffte das wäre gelernt worden.

Und tatsächlich, bei einer der beiden Volksparteien ist die Botschaft angekommen. Twitter schweigt, Torsten Albig lässt sich nicht provozieren und die Kampagne setzt auf eigene Stärken und die des Landes. Selbst die Steilvorlage des ehemaligen CDU-Chefs und Spitzenkandidaten wird links liegen gelassen. Kurzum, man hat begriffen was zählt: Konzepte, eigene Stärke und Respekt.

Ohne weiteres könnte ich jetzt seitenweise weiter ausführen, wo die SPD noch überall im 21. Jahrhundert angekommen ist, sei es bei der Energiewende (nicht erst nach Fukushima!), gerechter Bildung (Stichwort: Aufstiegschancen) oder guter Arbeit (Mindestlohn, Mitbestimmung und Tariftreue!). Aber das muss ich nicht, denn jede aktuelle Umfrage zeigt, dass die Menschen in Schleswig-Holstein das genauso sehen. Die Menschen wünschen sich mit großer Mehrheit den Regierungswechsel, schwarz-gelb ist politisch tot.

Auch die Wahlkampfauftritte der beiden Volksparteien sprachen ihre eigene Sprache. Erwähnte Torsten Albig in der Halle 400 die Konkurrenz mit kaum einem Halbsatz, beschäftigten sich sowohl Frau Merkel als auch Jost de Jager in der Sparkassen-Arena mehr mit dem rot-grünen Schreckgespenst, als mit eigenen Inhalten. Souveränität sieht anders aus. Fast könnte man meinen, die Regierung hätte schon gewechselt, denn welche Regierungspartei sollte ernsthaft auf eine derart miese Kampagne zurückgreifen?

Kaum ein Tag, an dem die CDU-„Wahlsiegzentrale“ nicht gegen – wahlweise – Torsten Albig, Ralf Stegner, Robert Habeck oder die dänische Minderheitsvertretung schießen würden. Immer fleißig dabei: die Junge Union. Torsten Albig wird vor einem Kampfjet präsentiert mit dem er den „Schulfrieden“ zerschießen wolle, es werden Flyer zu den drohenden Massenschulschließungen der kommenden rot-grünen Regierung oder zu den „Irrfahrten“ der SPD präsentiert. Wie von den Großen gelernt sind eigene Inhalte auch hier Fehlanzeige.

Auf die spannenden Fragen jedoch fehlen die Antworten. Welche Regierungsoptionen hat denn die Union jenseits der großen Koalition? Warum haben Akademikerkinder in SH sechs mal höhere Chancen aufs Abitur als andere Kinder? Wo sollen Mehreinnahmen herkommen, wo doch alle wissen, dass man den Landeshaushalt durch striktes Kürzen niemals ausgleichen wird?

Klar verstehe ich, warum einigen momentan kräftig die Pumpe geht. Am kommenden schwarz-gelben Regierungsverlust hängen nicht nur zahlreiche Landtagsmandate, sondern nicht zuletzt auch Ministerposten, Staatssekretäre etc.. Klar geht es dabei um Existenzen, klar wird man da nervös und klar bekommt jemand wie Daniel Günther da eine Menge Druck von oben.

Aber bitte liebe CDU, bitte liebe JU, wenn das Wahlkampfziel schon  keine eigenen Regierungsoptionen mehr sind, sondern nur noch, dass „es keine stabile Mehrheit jenseits der Union geben darf“ (de Jager beim CDU Wahlkampfauftakt), dann lasst die Großen bitte in Ruhe arbeiten.

4 Antworten zu “„(…) dann haben wir noch einige gemeine Sachen in der Schublade“”

  1. Niclas sagt:

    „Der gewünschte Artikel steht leider nicht mehr zur Verfügung“

  2. Tobias sagt:

    Liebe Jusos, etwa so große Angst vor kritischen Meinungen!? Dann für Euch das ganze noch einmal im Fließtext mit der gleichen Frage, was sagt Ihr dazu:

    Albig greift de Jager an

    Berlin / Kiel. shz Verlag. Eigentlich hat SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig seinem CDU-Konkurrenten Jost de Jager „einen anständigen und fairen Wahlkampf“ versprochen. Doch gestern verschärfte der Kieler Oberbürgermeister den Ton spürbar. Während eines Pressegesprächs mit rund 50 Hauptstadtjournalisten in der Berliner SPD-Zentrale übte Albig ungewohnt heftige Kritik an seinem politischen Gegner.

    Als es um das Thema einer besseren Bürgerbeteiligung beim Ausbau der Stromnetze geht, sagt Albig, die werde er besser als de Jager organisieren können: „Jemand, der Oberbürgermeister war, hat dann vielleicht auch einen systemischen Vorteil gegenüber Menschen wie meinem Mit-Wettbewerber, der noch nie in der Verlegenheit war, im echten Leben irgendwas zu tun.“

    Rumms – ein Frontalangriff auf seinen Rivalen, der zwar nie Oberbürgermeister war, aber immerhin Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein ist. Als ein Journalist die Attacke ironisch mit der Bemerkung „Wahlkampf der leisen Töne“ kommentiert, scherzt der neben Albig sitzende Parteichef Sigmar Gabriel: „Das war die Berliner Variante.“

    In Schleswig-Holsteins CDU war man gestern weniger amüsiert über Albigs Äußerung. Spitzenkandidat de Jager erwiderte sie in Kiel allerdings nur mit einem Satz: „Eine solche Form der Auseinandersetzung ist nicht meine Ebene“, sagte er unserer Zeitung.

  3. Niclas sagt:

    Keine Angst vor kritischen Meinungen von unserer Seite, sondern leider ein abgelaufener Link von deiner Seite 😉

    Zu dem von dir geposteten Artikel: Ich habe nie behauptet, dass Torsten der nächste Messias ist. Es geht um die Kampgnenführung, vor allem aber um unmögliche Äußerungen, wie Daniel Günther sie getätigt hat. Persönlich finde ich den von Torsten geäußerten Satz jetzt auch nicht übermäßig dramatisch. Viel eher spricht die Tatsache, dass der SHZ daraus einen riesen Aufhänger gemacht hat dafür, dass schlichtweg nichts anderes von Torstens Seite zu hören war, das verwendbar gewesen wäre um dem Wahlkampf ein wenig medialen Hype zu verschaffen.

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