Komm, lass mal ’ne Runde Dänen bashen!

Vor paar Tagen nahm Torsten Albig zur neuesten Kampagne der CDU-SH Stellung. Anlässlich der landesweit aufgehängten Plakate „Stabile Regierung statt Dänenampel“ sprach Torsten von einem „Rückfall in Barschels Zeiten“ und kassierte dafür herbe Schelte von Seiten der CDU. Jetzt kann man lang und breit darüber diskutieren, ob das angemessen war, ob man in unserem Lieblingsland das böse B-Wort überhaupt in den Mund nehmen darf, ob Torsten Albig (immerhin ist er ja nicht in SH geboren!) sich überhaupt zu solchen Themen äußern darf und vieles mehr.
Nur ginge das leider reichlich am Thema vorbei. Denn der eigentliche Kritikpunkt ist aus meiner Sicht ein anderer: Torsten lag mit dem Barschel-Vergleich schlichtweg falsch. Selbst Barschel tat im Wahlkampf eines nämlich nicht: In nationale Ressentiments verfallen.

Dafür müssen wir das Rad der Geschichte noch ein wenig weiter zurückdrehen, bis in die 50er und 60er Jahre. Da tobte die Diskussion um den richtigen Umgang mit „den Dänen“ südlich der Landesgrenze. Auch damals bekleckerte die CDU sich nicht unbedingt mit Ruhm, versuchte man doch von Seiten der (mit Alt-Nazis durchsetzten) Landesregierung sogar den SSW durch Anhebung (!) der 5 %-Hürde auf 7,5 % aus dem Landtag zu drängen. Die Wogen schlugen hoch, doch am Ende siegte die Vernunft. Nicht zuletzt durch massiven Druck der Bundesregierung lenkten auch die konservativen Sturköpfe in Schleswig-Holstein ein. Der SSW wurde von der 5 %-Hürde befreit, die Schulen der dänischen Minderheit erhielten die gleichen Regelsätze wie deutsche Schulen und zur Minderheit durfte fortan gehören, wer sich dazu bekannte.
Wer in Schleswig-Holstein Verantwortung für die Politik übernimmt oder übernehmen will, der muss das wissen. Der muss wissen, welche Emotionen mitschwingen, wenn ausgerechnet die CDU wieder versucht, die Rechte oder „Privilegien“ der dänischen Minderheit zu beschneiden.
Natürlich muss nicht alles für immer so bleiben, wie es irgendwann einmal war. Würde ich mir das wünschen, wäre ich kein Sozialdemokrat. Und ebenso darf man natürlich nach vielen Jahrzehnten eine Diskussion darüber führen, wo die dänische Minderheit heute steht, wie sie sich selbst versteht, welche Vertretung sie sich wünscht.
Was man aber in Anbetracht der schleswig-holsteinischen Geschichte definitiv nicht tun darf, ist, dänischen Schulen ohne weitere Diskussion die Zuschüsse zu kürzen. Genauso wenig darf man die Rolle des SSW als Wahlkampf-Gag in Frage stellen. Und bescheuerte Plakate mit dem ebenso falschen wie dummen Aufdruck „Dänenampel“ aufzuhängen ist schlichtweg bekloppt. Wer so handelt, der hat aus der schleswig-holsteinischen Geschichte nichts gelernt, oder aber er ist bereit, sie für den politischen Machterhalt mit Füßen zu treten.

Abgesehen von dieser weitaus dramatischeren Dimension ist das Plakat natürlich auch inhaltlich Mist. Ausgehend von allen vorliegenden Umfragen der letzten Wochen, ausgehend von den Aussagen der jeweiligen Spitzenkräften bleibt für die Union nur noch eine Möglichkeit zur Regierungsbeteiligung: die Große Koalition. Wer jetzt einmal kurz überlegt, welche Koalition es war, die 2009 zerbrach, der kann über die Stabilitäts-Theorien der CDU höchstens müde lächeln.

Wie man es auch dreht und wendet: Schleswig-Holstein will den Wechsel. Wer das noch ernsthaft leugnet, ist schlichtweg in der Vergangenheit stehen geblieben. Aber das Thema hatten wir ja schon.

Eine Antwort zu “Komm, lass mal ’ne Runde Dänen bashen!”

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