Das seltsame Geschäftsmodell des Kranken(haus) Konzerns.

Helios feuert 1000 Mitarbeiter. Das ist an sich schon eine Aussage, die es in sich hat. 1000 Einzelschicksale, Existenzen, Lebensträume, auf einen Schlag zerstört. Die meisten davon bei uns im idyllischen Land zwischen den Meeren. Tragisch.

Allerdings noch viel tragischer, wenn man sich genauer anschaut, warum der bundesweit agierende Helios-Konzern – vertreten durch seine Tochtergesellschaft Damp-Kliniken – derart viele Arbeitnehmer_innen “freisetzt”. Die Vorgeschichte: Seit März 2012 gehören die Damp-Kliniken zum wesentlich größeren Helios-Konzern, selber wiederum Tochterfirma des Gesundheits-Multis Fresenius. Die Damp-Kliniken ihrerseits haben schon seit längerer Zeit eine eigene Tochterfirma, die für Dienstleistungen im Klinikumfeld, beispielsweise das Catering, zuständig ist, nämlich die Zentrale Servie Gesellschaft Damp (ZSG).

Während sich der Helios-Konzern selbst damit rühmt sein Pflegepersonal übertariflich zu bezahlen, kritisierte Ver.di schon 2006 Versuche des Konzerns, enorme Kostenersparnisse über Dumping-Löhne bei den Service-Gesellschaften zu erzielen. Aus dieser Absicht macht Herlios auch nicht wirklich ein Geheimnis.”Die ZSG liegt mit ihren Preisen schon heute weit über Marktniveau (…)”, so eine Pressemitteilung von Helios vom 08. Juni. Unverholener geht es wohl kaum noch von einem Konzern, der sich selber das Ziel gesetzt hat 15 % Rendite zu erwirtschaften. Wohlgemerkt, 15 % Rendite mit einem Geschäftsfeld, das direkt die Gesundheit tausender Patient_innen betrifft.

Als Ergebnis der zuletzt gescheiterten Tarifverhandlungen rief Ver.di die Angestellten der ZSG zum Streik auf, organisierte aber zugleich einen Notfallplan um zu jedem Zeitpunkt die Versorgung der betroffenen Krankenhäuser sicherzustellen, ein Umstand den im Übrigen Helios am 08. Juni selber noch bestätigte. Dennoch nahm der Konzern die Streiks nun zum Anlass die Verträge der ZSG (und damit der eigenen Tochtergesellschaft) zu kündigen und somit die widerspenstigen ZSG-Mitarbeiter_innen loszuwerden. Wie praktisch sich doch alles fügte.

Gleichzeitig kündigte Helios – und spätestens das entlarvt den Konzern – heute jedoch auch an, dass sich “die ZSG (…) dafür einsetzen [wird], dass möglichst vielen Mitarbeitern ein neues Beschäftigungsverhältnis bei einem zukünftigen Dienstleister angeboten werden kann.” Anders formuliert: Helios wird eine neue Tochtergesellschaft einrichten, die dann endlich auch Preise unterhalb des “Marktniveaus” garantieren kann. Kapitalismus in seiner übelsten Form.

Was also zeigt das Helios-Damp Beispiel? Zum einen: Die Gesundheit von Menschen ist ein viel zu hohes Gut um sie den Spekulationen wild gewordener Rendite-Jäger auszusetzten, die endrucksvoll beweisen mit Verantwortung nicht umgehen zu können. Gesundheitsversorgung ist eine staatliche Aufgabe und viel zu oft hat sich in den vergangenen Jahren der Verkauf kommunaler Kliniken als glatter Fehlschuss erwiesen.

Zum anderen zeigt sich aber auch wieder das dubiose Tochterfirmen-Modell. Der scheinbar seriöse Konzern lagert bestimmte Geschäftsbereiche in Tochterfirmen aus, in denen Arbeitnehmer_innen-Rechte ein Fremdwort sind. Eigene Tarifverträge, schlechtere Arbeitsbedingungen und vieles mehr sind die Folge. Und wenn’s nicht mehr passt (wie bei der ZSG), verschwindet die Firma halt.
Man kann nur hoffen, dass solche Aktionen den verantwortlichen Politiker_innen noch einmal deutlich ins Gedächtnis rufen, mit wem sie sich da oftmals einlassen. Spätestens wenn es gilt, das nächste kommunale Krankenhaus zu privatisieren.

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