Beschneidung – Ja? – Nein?

Es ist ein Thema, welches schon längere Zeit diskutiert wird. Die Argumente scheinen ausgetauscht zu sein: Eine Seite spricht von religiösen Ritualen, die schon seit Jahrtausenden durchgeführt werden und die Zugehörigkeit zu der Religion darstellen, die Anderen sprechen von Körper- und Menschenrechtsverletzung.

Mir ist gestern, als ich eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema besuchte, deutlich geworden, dass die Argumente zwar ausgetauscht scheinen, wir uns aber in Wirklichkeit erst am Anfang der Diskussion befinden. In Folge dessen halte ich die Resolution des Bundestages für einen Schnellschuss. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich mich gegen die Beschneidung ausspreche, aber ich halte die Thematik für zu sensibel und schwierig, als dass eine schnelle Entscheidung getroffen werden musste und konnte. Ich würde mir wünschen, dass es zu einem breiteren Dialog kommt. Für mich ist klar, dass ich alle Religionen respektiere und akzeptiere und ich mich auch nicht in die Bräuche einmische, für mich ist aber auch klar, dass jeder Mensch das Recht haben muss, diese Entscheidung selbst treffen zu dürfen. Es gibt die Religionsfreiheit und es gibt das Recht eines Kindes auf Unversehrtheit. Es ist ein großes Spannungsfeld. Es gibt gewiss noch mehr Aspekte, wie zum Beispiel Traumatisierung und Mobbing, auf die ich nicht eingegangen bin. Unter anderem bietet dieser weiterführende Artikel  mehr Informationen. Ich möchte mit diesem kurzen, wahrlich nicht sehr inhaltsreichen Artikel, zum Denken und Diskutieren anregen. Die Kommentarfunktion eignet sich hervorragend dazu, dass ihr uns sagt, wie ihr zum Thema Beschneidung steht. Ich habe für mich noch keine Entscheidung getroffen, wie ich zu der Thematik stehen soll! Was meint ihr?

 

 

Der Inhalt dieses Artikel spiegelt die eigene Meinung des/der Autors/Autorin wieder und ist nicht zwangsläufig die Meinung der Jusos Schleswig- Holstein.

3 Antworten zu “Beschneidung – Ja? – Nein?”

  1. Elena Pieper sagt:

    Ich finde es interessant, dass das Thema auf einmal soviel Aufmerksamkeit erhält, wenn MÄNNER betroffen sind. Seit langer Zeit versuchen Frauenrechtsorganisationen, das Thema weibliche Genitalverstümmelung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – eine Praxis, die weitaus schlimmere körperliche und psychische Folgen für die Betroffenen hat als die Entfernung der Vorhaut. Keine Frage: Körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit muss für alle Menschen durchgesetzt werden! Auch die Verstümmelung von Frauen und Intersex-Personen gehört öffentlich skandalisiert.

  2. @Elena: Es geht hier ja um die Praxis in Deutschland. Hier kann der Gesetzgeber tatsächlich direkt etwas tun. Darüberhinaus habe ich den Eindruck, dass das Thema ziemlich verniedlicht wird, weil es ja „nur“ um Vorhaut von Jungs geht und man die ja scheinbar nicht braucht. Wenn man jetzt vorschlagen würde als Ausgleich Mädchen die überflüssigen Ohrläppchen abzuschneiden, wäre der Aufschrei sicher eindeutiger.

  3. Elena sagt:

    Zum Stichwort Ohrläppchen: http://www.taz.de/Piercings-bei-Kindern/!100310/

    Auch weibliche Genitalverstümmelung findet in Deutschland statt. Auch die Zwangsoperation von intersexuellen Kindern findet in Deutschland statt. Auch hier kann der Gesetzgeber tatsächlich direkt etwas tun. Das ändert nichts an der Tatsache, dass auch die Beschneidung von Jungs eine Verletzung des Rechts auf körperliche Unversehrtheit darstellt. Ich bleibe aber bei der Position, dass dieser Diskussion ein viel höheres Gewicht eingeräumt wird, weil Männer* betroffen sind.

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