Grrrls are strong!

Heute, am 11. Oktober 2012, ist er endlich da: Der Weltmädchentag. Es ist eine Premiere. Zum ersten Mal widmen sich Organisationen, Initiativen, Regierungen und Hilfswerke an einem Tag der Frage, was es weltweit heißt, Mädchen zu sein.
Der Weltmädchentag der Vereinten Nationen entstand auf Initiative des internationalen Kinderhilfswerks Plan und setzt nun auch den Startschuss für die Kampagne “Because I am a Girl”. Das Hilfswerk setzt sich zum Ziel, in den nächsten Jahren durch die geplanten Projekte vier Millionen Mädchen zu erreichen, ihnen geschützte Räume zu bieten, eine Schulbildung zu ermöglichen und sie vor Gewalt zu schützen.

Denn was heißt es, Mädchen zu sein?
Mädchen sein bedeutet für viele Mädchen und junge Frauen auf dieser Welt Mehrfachdiskriminierung. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und Diskriminierung aufgrund des Alters. Mädchen werden verletzt, Gewalt ausgesetzt, zwangsverheiratet und vergewaltigt.
Mehr als 60 Millionen Mädchen werden vor ihrem 18. Lebensjahr gegen ihren Willen verheiratet. 75 Millionen Mädchen können/dürfen nicht zur Schule gehen. Etwa 70.000 minderjährige Frauen sterben an Komplikationen während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder danach, weil ihnen nicht geholfen wird. (Quelle: PM der SPD-Bundestagsfraktion)
Mädchen sein heißt für viele, ignoriert, ausgebeutet und verkauft zu werden. Nicht zu Wort zu kommen und nicht beachtet zu werden. Wie Mädchen und Frauen behandelt werden, spiegelt wider, dass die Gleichstellung der Geschlechter noch lange nicht erreicht ist und uns noch viel Kraft und Verzweiflung kosten wird.
Mädchen sind kulturellen, nationalen und religiösen Traditionen und Überzeugungen ausgesetzt, denen sie nicht entfliehen können. Sie sind Denkweisen ausgesetzt, die die Machtposition von Männern vorschreiben und die Mädchen als wertlos bewerten.

Das sind alles Dinge, die wir wissen. Niemand kann mir erzählen, davon noch nie etwas gehört zu haben. Und trotzdem wird beispielsweise die Genitalverstümmelung von Mädchen tabuisiert und aus der Debatte verbannt, während die Beschneidungsdebatte in Deutschland eine große Aufmerksamkeit bekam und jede_r sich berufen fühlte, sich dazu äußern zu müssen. Über Verstümmelung wurde gesprochen, als der Film “Wüstenblume” über Waris Dirie in die Kinos kam. Wir können nur hoffen und unser Möglichstes tun, damit die Probleme, denen Mädchen ausgesetzt sind, durch den heutigen Tag mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Denn erst, wenn Mädchen in geschützten Räumen aufwachsen können, eine Schulbildung zu genießen, medizinische Versorgung erhalten, die Möglichkeit bekommen zu verhüten und Berufsausbildungen machen können, erst dann können sie zu tragenden Kräften der Gesellschaft werden. Dinge, die wir für selbstverständlich halten, bleiben Millionen Mädchen auf der ganzen Welt verwehrt.

Wir sollten uns mehr Gedanken machen, den Finger in die Wunde legen, damit niemand wegschauen kann. Es sollte unsere Aufgabe sein, jeden Tag zum Weltmädchentag zu machen, bis wir ein solches Instrument nicht mehr benötigen.

In diesem Sinne – Grrrls are strong!

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