Weniger ist mehr?

Kurzum: Großbritanniens Weg in die Europäische Union war nicht ganz unkompliziert. Es brauchte erst eine Labour-Regierung, um – via Volksabstimmung – der Gemeinschaft beizutreten, freilich nicht uneigennützig und auch nicht ohne gewisse Vergünstigungen. Doch es war auf beiden Seiten des Kanals der Wunsch gemeinsam an der europäischen Integration zu bauen. Aber in der Folge wurde der langsame Weg der Union von einer wirtschaftlichen hin zu einer politischen auf der Insel sehr viel kritischer betrachtet als im restlichen Europa. Die Bankenkrise traf wirtschaftlich als erstes die City of London. Sicherlich, dort traf es die Verursacher und wenn jemandem Mitleid gebührt, dann den arbeitslosen Jugendlichen in den südeuropäischen Staaten, doch die Krise der City traf auch ganz Großbritannien. Und nur wenn man sich vor Augen führt, wie weitgehend die Finanzwirtschaft dort die reale Wirtschaft ersetzt hat, praktisch selbst dazu wurde, dann versteht man auch die Sorgen von großen Teilen der Bevölkerung, wenn kontinentaleuropäische Politiker_innen von Bankenregulierung sprechen. Man stelle sich vor, Großbritannien hätte von der EU verlangt im Zuge der Klimaerwärmung nur noch Autos mit einem Verbrauch unter 3 Litern zu erlauben – der Aufschrei im Auto-Land Deutschland wäre laut gewesen.
Nun ist die Regulierung der Banken nicht nur sinnvoll, sondern dringend geboten und die Reaktionen aus Deutschland und Frankreich lassen auch vermuten, dass die Zugeständnisse an Großbritannien sehr gering ausfallen dürften, auch dies sicherlich eine Frage der Gerechtigkeit. Damit werden die britischen Wähler_innen 2017 arbeiten müssen und vielleicht ist das auch nicht die schlimmste Lösung.
Martin Schulz hat sinngemäß vor kurzer Zeit gesagt, Europa wäre heute zwar immer noch ein Frage von Krieg und Frieden, aber halt nicht nur. Ebenso ginge es auch um die großen Fragen unserer Zeit, darum Europa auch sozial zu gestalten. Da hat er Recht. Wenn wir Europa weiterbauen wollen zu einem handlungsfähigen, demokratischen was-auch-immer, das ernsthaft auf die gigantischen Herausforderungen unserer Zeit reagieren kann, dann braucht es dafür auch überzeugte Europäer_innen, die diesen Weg mitgehen. Auch unter Freunden muss man sich auf einen gemeinsamen Weg einigen, um ein Ziel zu erreichen. So oder so wird die EU nach dem Referendum 2017 politisch vermutlich stärker sein als heute. Hoffentlich, nachdem die Mehrheit der Briten sich – via Volksabstimmung – für eine europäische Zukunft entschieden hat.

Der Artikel gibt die Meinung des Autors wieder.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.