Reform der Lehrkräftebildung mangelt es an Augenmaß!

Das am Montag vorgestellte Lehrkräftebildungsgesetz sieht substanzielle Veränderungen für die Lehrerbildung vor. Insgesamt steht es am Ende eines langen und ausgewogenen Diskussionsprozesses zwischen Ministerium, Universitäten und Studierenden. Die Landesregierung setzt damit die Versprechen des Koalitionsvertrages in konkretes Regierungshandeln um. Endlich wird die Ausbildung der Lehrkräfte an die Veränderungen im Schulsystem und die neuen Herausforderungen schulischer Realität angepasst. Dennoch sind die Jusos Schleswig-Holstein über Details des vorgestellten Gesetzentwurfes überrascht und verärgert. Der stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Frederik Digulla (22) erklärt: „Die Aussage der Ministerin, dass in Zukunft Flensburger Studentinnen und Studenten in mindestens 13 Fächern für die Sekundarstufe 2 ausgebildet werden sollen, verwundert enorm. Damit hat sich die Ministerin über längst getroffene Absprachen und Vereinbarungen hinweg gesetzt und handelt gegen das Gebot der Vernunft. Der Standort Flensburg ist substanziell wichtig für die Lehrkräftebildung, doch werden so Überkapazitäten geschaffen, die nicht nötig sind.”

Um diese Anpassungen zu ermöglichen, sollen in den nächsten Jahren fast 2 Millionen Euro zusätzlich an der Universität Flensburg investiert werden. Die stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Simone Weigel (26) erläutert: „Natürlich begrüßen wir Investionen in das Hochschulsystem, doch auch die Landesregierung kann jeden Euro nur einmal ausgeben. In Zeiten knapper Kassen werden in Flensburg teure Doppelstrukturen etabliert. Gerade angesichts der Tatsache, dass in Zukunft aufgrund des demographischen Wandels weniger Lehrkräfte benötigt werden, erscheint dies kurzsichtig. Besser wäre es, wenn die Stärken von Flensburg und Kiel gebündelt werden, um eine bestmögliche Ausbildung zu erreichen. Das bedeutet, eine Universität mit klarer fachdidaktisch-pädagogischer Ausrichtung in Flensburg für die Sekundarstufe 1 und eine Universität mit klarer fachwissenschaftlicher Orientierung für die Sekundarstufe 2 in Kiel, um die Schülerinnen und Schüler optimal auf die Herausforderungen eines Hochschulstudiums vorzubereiten.“

Digulla, der selbst Lehramt an der Christian-Albrechts-Universität studiert, führt weiter aus: „Die Ministerin ist nicht mehr Präsidentin der Flensburger Universität, sie muss im Sinne des ganzen Landes handeln. Der Reform der Lehrerbildung mangelt es aktuell an Augenmaß. Während 2 Millionen Euro in Flensburg für Strukturen investiert werden sollen, die nicht nötig sind, warten wir immer noch auf ein konkretes Konzept des Semestertickets, das die Durchführung des Praxissemesters überhaupt erst möglich macht. Fast 80 Prozent der Lehramtsstudierenden haben dies in einer Umfrage des AStA der Universität Kiel als fundamentale Voraussetzung genannt. Auch die Ministerin kennt diese Zahlen!“

Wende hatte sich dem intensiven Bildungsdialog im Land verschrieben, dem auch Universitäten, Verbände, Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen gefolgt sind. Gemeinsam wurden Konzepte erarbeitet, um die Schule in Schleswig-Holstein zukunftsfest zu machen. „Dieser Weg war richtig, doch muss man ihn auch verlässlich zu Ende gehen. Dieser unabgestimmte Vorstoß im Feld der Lehrkräftebildung verzögert die Einführung der Reform, weil sich die Universität Kiel quer stellt. Bildungspolitik braucht vor allem Verlässlichkeit und den Konsens, sie muss über eine Legislatur von fünf Jahren hinauswirken, wenn sie nicht auf dem Rücken von Kindern, Eltern und Lehrkräften geschehen soll. Dennoch wissen wir, dass kein Gesetz so ins Parlament geht, wie es herauskommt. In den nächsten Monaten werden wir uns auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass die Unwuchten dieses Entwurfes ausgeglichen werden. Wichtig ist jetzt, dass alle Beteiligten an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das gilt insbesondere auch für die Verantwortlichen der Christian-Albrechts-Universität“, erklärt Weigel abschließend.

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