Praxistag bei der Flensburger Tafel

Am Mittwoch war ich im Rahmen der Praxiswoche bei der Tafel in Flensburg. Der Flensburger Tafel e.V. sammelt von Unternehmen gespendete Lebensmittel ein und verteilt diese an Bedürftige.

Bezugsberechtigte sind beispielsweise Bezieher*innen von Arbeitslosengeld II oder Menschen mit zu niedriger Rente. In Flensburg gab es im letzten Jahr ungefähr 10.500 Empfänger*innen von ALG II. Also knapp 12% der Gesamtbevölkerung. Zurzeit werden über 1200 Menschen in Flensburg von der Tafel versorgt. Was erstaunt ist, dass in letzter Zeit auch immer öfter Studierende auf die Hilfe der Tafel angewiesen sind, da sie beispielsweise keine ausreichende Unterstützung im Form von Bafög bekommen und die Eltern einen auch nicht im ausreichenden Maße unterstützen können.

Bei der Tafel startete ich um 7:30 Uhr morgens mit der Arbeit. Zunächst erfuhr ich von den Mitarbeitern wie die Abläufe sind. Anschließend half ich die angelieferten Waren aus dem Kühltransporter auszuladen. Die Kisten wurden dann auf den Tischen verteilt und nicht mehr einwandfreie Produkte mussten aussortiert werden. Die Tafel verteilt nur Lebensmittel, die wirklich noch verzehrbar sind.

Da an jedem Ausgabetag ca. 170 Kunden versorgt werden, die natürlich auch ihre Familien versorgen, müssen ist eine dementsprechende Große Menge an Gemüse, Obst, Brot, Fleisch, und Milchprodukte vorbereitet werden.

Um 14 Uhr war der “Verkaufsraum“ bestückt und die Nutzer konnten rein kommen. Jeder der Nutzer hat eine eigene Nutzernummer, die im Wartebereich aufgerufen wird. Dabei variiert die Startnummer von Woche zu Woche. So, dass jeder mal als erstes dran ist.

Ich durfte bei der Ausgabe der Fleischprodukte helfen. Da es kurz zuvor eine große Spende an Bratwürstchen gab, konnte man diese großzügig verteilen. Großpackungen von Aufschnitt wurden aber beispielsweise auch nur an große Familien verteilt. Käse war leider an dem Tag nicht so stark vorhanden.

Um 16:30 Uhr war die Ausgabe beendet. Anschließend war aber noch sauber machen angesagt, so dass ich um 17 Uhr Feierabend machen konnte.

Es hat mich beeindruckt mit welch einem Elan die Mitarbeiter*innen der Tafel sich für die Bedürftigen in unserer Gesellschaft einsetzen und damit die Arbeit erledigen, die eigentlich der Staat übernehmen müsste.

In Deutschland liegt die Armutsgrenze bei einem Einkommen von 60% des nationalen Mittelwerts. Das waren im letzten Jahr 930 Euro. Wer alleinstehend ist und ALG II bezieht, dem stehen inklusive Miete etwa 750 Euro im Monat zur Verfügung. Per Definition soll das ALG II den Leistungsberechtigten ermöglichen, „ein Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht.“ Wie das mit einem Einkommen, das 180 Euro unter der Armutsgrenze liegt möglich sein soll, ist die Frage. Schließlich sollte es der Sozialstaat es jedem auch eine frische und gesunde Ernährung ermöglichen.

Ich danke der Flensburger Tafel  und  dem gesamten Team dafür, dass ich einen Tag mit anpacken durfte und für ihren unermüdlichen Einsatz für die Sache.

 

Christian Nissen

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