Was Köln uns über Alltagsrassismus sagen kann …

Das gewaltbereite Potential der rechten Szene wurde am vergangenen Sonntag wieder einmal erschreckend deutlich. Unter dem Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“ sowie „Gemeinsam sind wir stark“ mobilisierte die von Rechtsextremen durchzogene Gruppe „Hooligans gegen Salafismus“ zu einer Demonstrationen in Köln. 4500 Hooligans, unter ihnen auch zahlreiche Parteien und Akteure des rechtsextremen Spektrums, zeigten in massiven Gewaltausbrüchen ihr wahres Gesicht. Musikalisch untermauert wurde das Ganze von der rechten Bremer-Band „Kategorie C“, die mit Texten wie „Die Schattenwelt der BRD wird von Aladins bärtigen Männer regiert, Schariapolizei und Ehrenmord, keiner stoppt den Wahnsinn, in der Presse kein Wort“ keinen Hehl aus ihrer islam- und demokratiefeindlichen Einstellungen machen.

Anmeldungen weiterer Demonstrationen in Hamburg und Berlin geben nicht nur aufgrund des Gewaltpotenzials Grund zur Sorge.

Denn blättert man durch die Kommentarspalte verschiedenster Zeitungen, macht mir die „Verharmlosung“ der Kölner Geschehnisse als Machtdemonstration der Hooligans gegen salafistische Gruppierungen Bauchschmerzen. Das sind nicht nur ein paar krawallsuchende Fußballfans, dass ist der Versuch von rechts die Straßen zu erobern – in 10 Tagen ist der 9.11 und man kann gar nicht oft genug den Vergleich mit der Vergangenheit bemühen, um zu sehen wie gefährlich das ist.

Aber die offensichtliche Gewalt auf der Straße ist nicht mehr als die Eierschale des Problems und was mindestens – wenn nicht noch viel mehr – zu beunruhigen hat, ist die Frage nach der gesamtgesellschaftlichen Anschlussfähigkeit der gezeigten islamfeindlichen Grundeinstellung – ist die Debatte über den Salafismus häufig geprägt von einer unterschwelligen Islamskepsis

So darf in bester „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Manier heute Morgen ein Kabarettist im Radio erklären, dass seine „Islamkritik“ gerade in Bezug auf Salafismus in Deutschland aktuell wie nie sei. Aber genau diese vielleicht beabsichtigte, zumindest aber unüberlegte, Gleichsetzung von Salafismus und Islam ist es, die Ängste bedient. Und diese Ängste bieten den Nährboden für die rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräfte. Ich frage mich, warum dieser Zusammenhang in der sogenannten Mitte der Gesellschaft noch immer nicht erkannt wird. Dabei bilden gerade diese Ängste den Nährboden für Alltagsrassismus und stellen muslimische Menschen in Deutschland unter einen Generalverdacht.

Ich wünsche mir eine stärkere Trennschärfe in der Debatte. Entschieden muss jeder Form des Menschenhass, egal ob religiös oder politisch begründet, entgegen getreten werden. Sollten die HoGeSa und ihr brauner Mob auch in Hamburg und Berlin auflaufen dürfen, werden wir Jusos für eine bunte und laute Gegendemo mobilisieren. Denn die Straßen überlassen wir diesem Hass nicht!

Eine Antwort zu “Was Köln uns über Alltagsrassismus sagen kann …”

  1. Fabian sagt:

    Ich kann dir da wirklich nur zustimmen, der Islam wird von vielen Menschen der Mittelschicht als besonders aggressiv wahrgenommen. Da in den Medien viel zu wenig betont wird das diese Extremisten nur ein ganz kleiner Teil der Muslime sind. Genauso wie es im Christentum ja auch Extremisten gibt. Der Islam ist der Mittelschicht nur aus den Nachrichten bekannt und kaum jemand weis genaueres über diese Religion und diese Unkenntnis wird von einigen Medien genutzt um dem Islam als Feindbild zu nutzen. Denn mit angst machen sich die meisten Schlagzeilen.

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