Jobcenter Segeberg – Personell mit dem Rücken zur Wand

(v.l.n.r.): Frederik Digulla (Stellvertretender Juso-Landesvorsitzender), Jana Stuth (Pressesprecherin Jusos Segeberg), Michael Knapp (Geschäftsführer Jobcenter Bad Segeberg)

Am 22. Oktober besuchten Frederik Digulla, stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Schleswig-Holstein, und Jana Stuth, Pressesprecherin der Jusos Segeberg, das Jobcenter Segeberg. In den drei Filialen in Kaltenkirchen, Norderstedt und der Kreisstadt werden insgesamt rund 4.200 Langzeitarbeitslose betreut. Getragen werden die Jobcenter seit der Arbeitsmarktreform 2005 gemeinsam von den Kreisen und der Bundesagentur für Arbeit. Sie sind für alle Menschen, die in den Rechtsbereich des Sozialgesetzbuchs II fallen, zuständig. Das umfasst Menschen, die länger als ein Jahr ohne Arbeit sind, Aufstockerinnen und Aufstocker, die von ihrem Einkommen nicht leben können und alle Personen, die mit den beiden genannten Gruppen in einer Bedarfsgemeinschaft leben.

Während des ganztägigen Besuches konnten wir alle Fachbereiche durchlaufen. Um 8.00 Uhr begann der Tag am Kundentresen. Dort werden alle Besucher_innen aufgenommen und an die jeweils zuständigen verwiesen. Schon hier ist große menschliche Qualität gefragt, weil hinter allen Kund_innen ganz persönliche Schicksale stehen, die häufig wirklich tragisch sind. Weiter ging es in der Vorprüfungsstelle. Dort werden alle Anträge auf Arbeitslosengeld II bearbeitet und an die Leistungsstelle weitergeleitet.

Um 10.00 Uhr gab es einen Außentermin bei der Maßnahme StellWERK. Dieses Angebot bietet eine intensive Betreuung für eine Gruppe von 12 Arbeitslosen, die von zwei Coaches betreut werden und bei der Arbeitssuche vielfältige Unterstützung erhalten. Die Vermittlungserfolge belegen, dass ein größerer Personaleinsatz und ein besserer Betreuungsschlüssel konkrete Auswirkungen in der Arbeitsvermittlung haben.

Weiter ging es in der Arbeitsvermittlung. Hier werden Fähigkeitsprofile erstellt, Qualifizierungen und Maßnahmen bewilligt sowie Arbeitsangebote verteilt. Nach der Mittagspause ging es weiter in der Leistungsabteilung. Dort wird der konkrete Anspruch der verschiedenen Bedarfsgemeinschaften auf Unterstützung geprüft. Spätestens nach einem Jahr muss jeder Fall neue bewertet werden, weil dann ein Antrag auf Weiterförderung gestellt werden muss.

Um 16.00 Uhr gab es ein Abschlussgespräch mit Geschäftsführer Michael Knapp. Der Austausch bestätigte die über den Tag gesammelten Eindrücke. Das Jobcenter in Bad Segeberg hat ein tolles Team mit engagierten und den Menschen zugewandten Mitarbeitern. Gleichzeitig wird am Rande der Belastungsgrenze gearbeitet. Über die letzten Jahre wurden die notwendigen Mittel immer weiter gekürzt. Überarbeitung und Aktenrückstände sind die Folge. Auch der hohe Krankenstand hängt damit zusammen, dass das Jobcentern personell mit dem Rücken zur Wand steht.

Noch gar nicht einberechnet ist der zusätzliche Aufwand, der durch die Flüchtlingssituation entstehen wird. Die klare Erkenntnis des Besuches ist deshalb: Dringend wird mehr Geld für Personal und Eingliederung in den Jobcentern benötigt. Statt der Auflage immer wieder neuer Einzelprogramme sollte sich Arbeitsministerin Andrea Nahles für substanzielle Verbesserung einsetzen. Die Flüchtlingssituation bringt neue Risiken, was soziale Verteilungskämpfe im SGB II Bereich angeht. Wer Arbeitslose gegen Flüchtlinge ausspielt, schafft gesellschaftlichen Sprengstoff. Vor diesem Hintergrund sind neue Angebote für Langzeitarbeitslose dringend nötig.

Ein vielversprechendes Konzept haben zuletzt der Paritätische Wohlfahrtsverband und NRWs Arbeitsminister Guntram Schneider vorgelegt (Konzept). Sie fordern die Förderung eines sozialen Arbeitsmarktes durch einen Passiv-Aktiv-Transfer. Die aktuell gezahlten Leistungen würden umgemünzt werden in Bezahlung von öffentlich geförderter Beschäftigung. Auf diese Weise wird Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanziert. Das Konzept sollte ein wichtiger Teil des sozialdemokratischen Regierungsprogramms für 2017 sein.

Frederik Digulla

Frederik ist seit März 2014 stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Schleswig-Holstein. Er studiert in Kiel Deutsch und Wirtschaft/Politik im Master. Gleichzeitig arbeitet er im Bad Segeberger Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes. Gemeinsam mit Lars leitet er die Kommission Äußeres, außerdem koordiniert er die Praxiswoche der Jusos Schleswig-Holstein. Seine Themenbereiche sind Wirtschaft, Arbeit und Soziales sowie Osteuropa.

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