Wirst du schon bezahlt oder arbeitest du noch kostenlos?

Du warst in der Schule ziemlich gut. Du hast ganz gute Noten geschrieben und dich rege am Unterricht beteiligt. Auch mit deinen Noten in der Abschlussprüfung bist du zufrieden. Du hast nach der Beendigung der Schule eine Ausbildung angefangen oder dir ein Studium ausgesucht. Nach dem erfolgreichen Abschluss bist du jetzt bereit für das Berufsleben. Doch wie sieht es danach aus?

Zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr kommen bei den meisten Menschen die entscheidendsten Jahre ihres Lebens. In dieser Zeit werden wichtige Etappen in Beruf und Familie erreicht. Dabei entstehen zahlreiche Frage: Wer betreut die Kinder? Wer steckt beruflich zurück? Wer bleibt zu Hause, wenn ein Kind krank ist? Und wer steigt währenddessen die Karriereleiter hoch? Und gibt es dabei ein entweder oder?

Als Jusos setzen wir uns dafür ein, dass diese Frage gleichberechtigt und unabhängig von dem Geschlecht beantwortet wird. Doch die Realität sieht anders aus:

Laut der Studie „Mitten im Leben“, welche vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben wurde, werden viele Frauen zwischen 30 und 50 zunehmend vom Einkommen ihres Partners finanziell abhängig. Sie können trotz guter Ausbildung und hoher Motivation ihren Lebensunterhalt nicht alleine bestreiten. Nur zehn Prozent der Frauen dieses Alters und nur sechs Prozent der verheirateten Frauen haben ein eigenes Nettoeinkommen von über 2000 Euro, bei den Männern sind es 42 Prozent.

Aus diesem Grund haben 54 Prozent der Frauen zwischen 30 und 50 derzeit die Angst trotz ihrer eigenen Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt im Alter nicht sichern zu können.

Dies können wir als Jusos nicht hinnehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass Frauen nach einer Familienpause wieder erfolgreich in das Berufsleben finden und dass sie die gleiche Bezahlung wie Männer erhalten, die nicht unterbrochen haben. Zudem brauchen wir endlich eine Familienarbeit, bei dem die Partner dieselben Chancen und Pflichten haben und kein Ehegattensplitting, welche die ungleiche Rollenverteilung nur weiter bestärkt.

Und als Arbeiter*innenjugendorganisation ist klar, dass wir für gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit einstehen. Wir wollen, dass Berufe, die derzeit vorwiegend von Frauen ausgeführt werden, bei gleichwertiger Ausbildung und Qualifikation genauso gut bezahlt  werden. Denn auch heute werden Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, um rund acht Euro brutto in der Stunde geringer entlohnt als männlich dominierte Berufe. In der Altenpflege, welcher als typischer Frauenberuf bezeichnet wird, ist der Verdienst im Schnitt zwölf Euro; bei den männerdominierenden Technikberufe kann hingehend ein Stundenlohn von 18 Euro verdient werden. An mangelnder Nachfrage nach Fachkräften kann dieser Umstand kaum liegen, denn aufgrund des demographischen Wandels sucht die Altenpflege händeringend Nachwuchs.

Diesen Unterschied in der Bezahlung sehen nicht nur wir als Jusos als Problem an und daher gehen heute wieder viele Menschen zum “Equal Pay Day” auf die Straße.

Der “Equal Pay Day” ist ein internationaler Aktionstag, welcher sich für die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen einsetzt. Der Aktionstag kennzeichnet dabei rechnerisch den Tag, bis zu dem oder ab dem Frauen unentgeltlich arbeiten würden, wenn sie ab oder bis zu dem Tag den gleichen Lohn wie Männer bekämen. Aufgrund des Mindestlohnes hat sich in diesem Jahr die Lohnlücke laut statistischen Bundesamt bei den Stundenlöhnen von 22 auf nunmehr 21 Prozent in Deutschland reduziert. Das kann für uns Jusos nur ein Anfang sein, denn nachwievor arbeiten Frauen 79 Tage, vom 1. Januar bis zum 19. März 2016, kostenlos.

Daher geht heute alle auf die Straße, seid laut, macht Aktionen und setzt euch für eine gerechte Bezahlung von Frauen und Männern ein.

 

Sophia Schiebe, stellvertretende Landesvorsitzende

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