Die enthemmte Mitte

“Asylbewerber befürchten nicht wirklich, in ihren Heimatländern verfolgt zu werden” – mehr als die Hälfte der Deutschen stimmen dieser Aussage laut einer neuen Studie der Uni Leipzig zu Rechtsextremismus zu.

30 % der Befragten glauben, dass Ausländer nur nach Deutschland kommen, um den Sozialstaat auszunutzen.

41,4 % stimmen der Aussage zu, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte.

49,6 % stimmen der Aussage zu, dass Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannt werden sollten.

Diese Zahlen zeigen, dass unglaublich viel rassistisches Potenzial in der vermeintlichen gesellschaftlichen Mitte steckt. Und es wird auch immer offener in sozialen Medien geäußert.

Neben offener menschenverachtender Hetze äußern sich auch immer mehr Nutzer*innen mit sonst unpolitischen Profilen über ihre diffusen “Ängste”.

Rechte Hetze in sozialen Netzwerken

Neben der Auswertung der Studie erscheint nämlich auch das auf der Facebook-Timeline: Die KN meldet, dass immer mehr Menschen in Schleswig-Holstein einen “kleinen Waffenschein” beantragen ,um in der Öffentlichkeit Schreckschuss-, Reizgas- oder Signalpistolen tragen zu können. Kein Zusammenhang zu den o.g. rassistischen Einstellungen?
Dann schauen wir uns doch mal die Kommentare unter dem Artikel an:

Nutzer*innen kommentierten etwa dass der Staat die Sicherheit der eigenen Bevölkerung  nicht mehr gewährleisten könne;  „wir Bürger“ können gerade bei Sexualdelikten nicht ausreichend geschützt würden; die Polizei solle selbst mehr von ihrer Dienstwaffe Gebrauch machen. Geteilt wurde dieser Beitrag übrigens von den rechten Gruppen “Segeberg wehrt sich” und “Neumünster wehrt sich”.

Rechte Gewalt nimmt krass zu

Doch bei Kommentaren und Teilen bleibt es nicht:

Diese Woche wurde in Stuttgart aus rassistischer Motivation auf einen 21-Jährigen geschossen – mit einer Gaspistole.

Vergangenes Wochenende wurden in Niedersachsen zwei Geflüchtete mit einem Luftgewehr beschossen und verletzt.

Deutschlandweit bilden sich so genannte „Bürgerwehren“ und „Nachtwachen“. Anfang des Monats wurde in Sachsen ein Geflüchteter von einer „Bürgerwehr“ mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt.

Rechte Gewaltdelikte sind um 44 % gestiegen, so genannte “fremdenfeindliche Hasskriminalität” sogar um 77 %. Und um “besorgte Bürger*innen” mal in den Zusammenhang zu stellen: 1992 versammelten sich in Rostock-Lichtenhagen hunderte Rechtsradikale, doch begleitet wurden sie von 3.000 “besorgten Bürger*innen”, die bei der Gewalt auf Geflüchtete johlten, klatschten und Einsatzkräfte behinderten.

Die Kommentator*innen bei FB haben Angst davor, dass die Polizei sie nicht richtig schützen kann. Ich persönlich aber habe Angst vor Bürgerwehren, vor rechten Idioten, die sich vermehrt bewaffnen und vor einem zweiten Rostock-Lichtenhagen.

[1]http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/bundeskriminalamt-statistik-straftaten-asylbewerber

[2] http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_14/141120presse-handout.pdf

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