Die Menschen hinter der Uniform – Zu Besuch in der Polizeischule

Mitglieder des Juso-Landesvorstandes zusammen mit dem Behördenleiter Jürgen Funk (2 v.r.), weiteren Mitarbeitern der PDAFB und Polizeischülern.

Bald gibt es endlich W-Lan. Das ist ein großes Thema in der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei (PD AFB). Hinter dem etwas sperrigen Namen versteckt sich nicht nur die schleswig-holsteinische Polizeischule, sondern unter anderem auch die Einsatzhundertschaft. Rund 1000 Menschen arbeiten hier am Ortsrand von Eutin auf der Hubertushöhe. Knapp 400 von ihnen erlernen aktuell das Polizeihandwerk. Und die Azubis lernen auf der Hubertushöhe nicht nur, sondern leben hier auch. Deswegen war der Internetzugang schon lange ein wichtiger Punkt.

400 neue Polizei-Azubis pro Jahr

Zum Besuch des Juso-Landesvorstandes hatten die Gastgeber sich alle Mühe gegeben, einen umfassenden Blick in den Ausbildungsalltag zu ermöglichen. Neben Vertretern der Behördenleitung und des Personalrats schilderten auch Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) und Polizeischüler aus verschiedenen Ausbildungsabschnitten ihre Erfahrungen. Anlass des Besuchs waren nicht zuletzt die Pläne von Innenminister Stefan Studt. Denn der will bis 2020 die Anzahl der Polizist*innen um 500 erhöhen. Um das trotz anstehender Pensionierungen hin zu bekommen, sollen pro Jahr 400 neue Polizei-Azubis eingestellt werden. Das sind deutlich mehr als bisher. Für die Landespolizei eine große Chance, für die PD AFB vor allem auch eine große Herausforderung.

Unterbringung auf solidem Jugendherbergsniveau

Logistisch lässt sich diese Aufgabe nur meistern, indem ein großer Teil der Neueinstellungen im Gehobenen Dienst erfolgt. Angehende Polizeikommissarinnen und Kommissare sind im Gegensatz zu ihren Kolleg*innen im Mittleren Dienst die meiste Zeit ihrer Ausbildung zum Studium an der Verwaltungsfachhochschule in Altenholz. Trotzdem müssen zum Ausbildungsstart am 01. August noch viele neue angehende Ordnungshüter*innen in Eutin untergebracht werden. Die Einquartierung erfolgt in Zwei- bis Dreibettzimmern. Solider Jugendherbergsstandart, kein Platz für Luxus. Im Sommer ist hoffentlich Baustart für eine neue Einsatztrainingshalle, in der Einsatzszenarien dann besser und realistischer geübt werden können. Auch darüber hinaus stehen an der Hubertushöhe einige Baustellen an.

Im Großen und Ganzen ist die Unterbringungssituation für die Auszubildenden in Ordnung. Nur bei Sport- und Freizeitmöglichkeiten könnte es besser aussehen. Der Kraftraum ist oft belegt, Beachvolleyballfelder werden einem Neubau zum Opfer fallen. Trotz viel Kreativität und Eigeninitiative hat die Landesregierung hier noch Spielraum für Verbesserungen. Attraktive Ausbildung braucht auch eine angemessene Wohnsituation.

Neu im Programm: interkulturelle Kompetenz

Kontinuierlich weiterentwickelt wird die Ausbildung selbst. Behördenleiter Jürgen Funk skizzierte kurz, wie viel sich hier in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Ganz aktuell ist interkulturelle Kompetenz ein großes Thema und wird im Rahmen von Workshops in die Ausbildung integriert.

Trotz der erhöhten Einstellungszahlen mussten bei den Qualifikationen der Bewerber*innen kaum Abstriche gemacht werden. Noch immer bewerben sich sehr viel mehr junge Menschen auf eine Ausbildung bei der Polizei, als tatsächlich angenommen werden. Ein knappes Drittel von ihnen sind Frauen und auch im Mittleren Dienst haben 70 bis 80 Prozent der Anwärter*innen mindestens die Fachhochschulreife.

Perspektiven für die Karriere schaffen

Umso wichtiger ist es, auch nach der Ausbildung Perspektiven für die weitere Karriere zu schaffen. Eine Befürchtung ist, dass durch die verstärkte Ausbildung im Gehobenen Dienst der Aufstieg für Polizist*innen im Mittleren Dienst schwerer wird. Deutlich wurde im Gespräch, dass die Auszubildenden mit vollem Engagement dabei sind. Polizist*in, das ist nach wie vor kein Job wie jeder andere. Aber klar ist auch, dass es Karrierechancen und eine Anerkennung der Leistung geben muss. Dass die Landesregierung u.a. die Einstiegsbesoldung erhöht hat war ein wichtiger Schritt. Jetzt sollten auch Stefan Studts Pläne für schnellere Beförderungen und bessere Aufstiegsmöglichkeiten umgesetzt werden.

Niclas Dürbrook

Niclas ist seit März 2014 Landesvorsitzender der Jusos. Er studiert und arbeitet in Kiel, wohnt im Kreis Ostholstein und ist dort auch als Kreistagsabgeordneter kommunalpolitisch aktiv. Er koordiniert die Arbeit des Landesvorstandes und vertritt den Verband nach außen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die Europa- und Ostseeraumarbeit der Jusos SH, sowie die Kommunalpolitik.

More Posts

Follow Me:
Facebook

Tags: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.