Drei Tage Tallinn

Vom 28.- 30 September waren acht Jusos aus Schleswig-Holstein auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tallinn unterwegs. Ostseeraumpolitik, das ist seit Jahren ein großes Thema im nörlichsten Landesverband. In den vergangenen Jahren konnten viele Kontakte nach Skandinavien, Polen, aber auch bis ins Baltikum und nach Russland geknüpft werden.

Staatsoberhaupt gesucht

In Tallinn stand nach der Landung als Erstes ein Besuch im estnischen Parlament auf dem Programm. Anschließend war Zeit für den Austausch mit Kristen Kanarik, Generalsekretär der sozialdemokratischen Partei Estlands. Aktuell ist die Partei als kleinster von drei Partnern an der Regierung beteiligt. Dass die Zusammenarbeit mit den konservativen Koalitionspartnern nicht immer konfliktfrei abläuft war eine spannende Parallele zu den deutschen Verhältnissen. Dominierendes innenpolitisches Thema ist die Wahl des neuen Staatsoberhaupts. Nach mehreren gescheiterten Anläufen schien sich für den Anfang der kommenden Woche eine Lösung abzuzeichnen.

Viele Gemeinsamkeiten

Am zweiten und dritten Tag stand der Austausch mit der Partnerorganisation Noored Sotsiaaldemokraadid im Vordergrund. Die estnischen Jusos sind eine eigenständige Organisation, aber eng verbunden mit der estnischen Sozialdemokratie. Bei rund 2.000 Mitgliedern lässt sich die Arbeitsweise gut mit den schleswig-holsteinischen Jusos vergleichen. Themen des intensiven Austauschs waren am zweiten Tag Mitgliederwerbung, Frauenförderung, Verbandsorganisation und Wahlkampfplanung.

Rechtspopulismus die Stirn bieten

Der dritte und letzte Tag war für zwei besonders wichtige Themen reserviert: die Flüchtlingssituation und den Rechtspopulismus. Anders als Schleswig-Holstein hat Estland im vergangenen Jahr nur sehr wenig Flüchtlinge aufgenommen. Trotzdem ist das Thema hoch umstritten. Fehlende Erfahrung im Umgang mit Migrant*innen trifft auf zahlreiche Vorurteile. Die estnischen Jusos versuchen dem in der Öffentlichkeit mit einem klaren Bekenntnis zu Toleranz und Offenheit entgegenzutreten.

Auch Rechtspopulismus ist zunehmend ein Problem in dem kleinsten der drei baltischen Länder. Umso wichtiger der Austausch von Strategien zwischen den Jusos von beiden Seiten der Ostsee.

Niclas Dürbrook

Niclas ist seit März 2014 Landesvorsitzender der Jusos. Er studiert und arbeitet in Kiel, wohnt im Kreis Ostholstein und ist dort auch als Kreistagsabgeordneter kommunalpolitisch aktiv. Er koordiniert die Arbeit des Landesvorstandes und vertritt den Verband nach außen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die Europa- und Ostseeraumarbeit der Jusos SH, sowie die Kommunalpolitik.

More Posts

Follow Me:
Facebook

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.