Mein Arbeitgeber, ein Hauptgewinn!

Im Rahmen der Praxiswoche der Jusos SH berichte ich von meiner Tätigkeit als Landschaftsgärtner in den Heider Werkstätten der Herbert-Feuchte-Stiftung. Dort arbeite ich seit Anfang dieses Jahres mit einer Gruppe Hörgeschädigter in einem Team.

Die Verständigung war am Anfang natürlich schwer, schließlich war es für mich als jemandem der nur die Lautsprache beherrscht schwer die Gebärdensprache anzuwenden. Aber alles war eine Sache der Übung und ständiger Wiederholung.

Auch die Arbeit mit den Kunden war Anfangs holprig. Verspätete Termine, nervige und anstrengende Kunden, Reklamationen, auch da musste ich erst Erfahrungen sammeln.

Dafür werde ich entschädigt mit der Zusammenarbeit sehr herzlicher Menschen. Natürlich gibt es auch Tage, an denen meine Jungs mal nicht ganz so mit meinen Anweisungen einverstanden sind, bzw. es Missverständnisse gibt.

Meine Kollegen werden morgens und abends mit Bussen zu ihren Wohnheimen gefahren, was ich auch mit mache. Ein Teil der Beschäftigten wohnt sogar selbstständig in Heide.

Es gibt verschiedene Gruppen von Beschäftigten, relativ fitte mit einer leichten geistigen oder gar keiner Behinderung und der Gehörschädigung, dann schwer behinderte Menschen und zuletzt Menschen die gehörlos und blind sind.

Hier möchte ich mit einem sehr verbreiteten Vorurteil aufräumen. Die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, sind nicht “taub-stumm“, schließlich können sie sich sehr wohl Verständigen, bzw. über ihre Gebärden sprechen.

Die Gebärdensprache unterscheidet sich dabei wesentlich von der Deutschen Lautsprache, sie hat eine komplett eigene Grammatik und in Deutschland werden sogar verschiedene Dialekte “gebärdet“! Die Sätze sind auch wesentlich kürzer und einfacher als im Deutschen, denn man kann mit den Händen nicht so schnell “sprechen“ wie mit dem Mund.

Jetzt möchte ich euch nun etwas über meine Arbeitsverhältnisse und die groben Betriebsstrukturen erzählen. Ich habe für den Anfang einen 1-Jahres-Vertrag, ab nächstem Jahr im Januar fängt dann ein unbefristetes Arbeitsverhältnis an.

Der Vertrag sieht unter anderem vor: eine 38Std. Woche, ein (fast) Verbot von Überstunden sowie ein tariflich geregeltes Gehalt. Ein solcher Vertrag ist in meiner Branche ein wahrer Schatz. Insbesondere die ungeregelten Arbeitszeiten und die Masse an Überstunden während der Sommermonate machen den Beruf des Landschaftsgärtners ansonsten leider eher unattraktiv.

Mit dem neuem Arbeitgeber ergab sich auch die Chance einer Gewerkschaft beizutreten, seit Januar bin ich Mitglied bei der Verdi. Ich arbeite zusammen mit ca. 30 Kollegen in der Werkstatt, dann kommen noch ca.120 Beschäftigte dazu.

Frederik Digulla

Frederik ist seit März 2014 stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Schleswig-Holstein. Er studiert in Kiel Deutsch und Wirtschaft/Politik im Master. Gleichzeitig arbeitet er im Bad Segeberger Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes. Gemeinsam mit Lars leitet er die Kommission Äußeres, außerdem koordiniert er die Praxiswoche der Jusos Schleswig-Holstein. Seine Themenbereiche sind Wirtschaft, Arbeit und Soziales sowie Osteuropa.

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