Jusos Kiel besuchen Schlepp- und Fährgesellschaft

Im Rahmen der Praxiswoche haben Mitglieder aus dem Kreisverband Kiel die Schlepp- und Fährgesellschaft (SFK) besucht. Anna-Lena Walzcak, Jebril Ali, Christoph Beeck (alle Kreisvorstand) und Benjamin Raschke (Ratsherr) informierten sich über die Besonderheiten des ÖPNV in einer Lage am Meer und rund um die Kieler Förde.

Schon beim Betreten des Betriebsgeländes geht es besonders los: Wenn man an der Kaistraße nach dem Gebäude der SFK sucht, wird man beim Blick in die Häuserreihe nicht fündig, sondern muss auf die Hörn blicken. Der Geschäftsführer der SFK, Andreas Schulz, und der Betriebsleiter, Ansgar Stalder, begrüßten uns auf dem dort schwimmenden Ponton, auf dem alle Werkstätten, Verwaltungsräume und Sozialbereiche untergebracht sind, sodass die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit auch abseits der Schiffe immer das Wasser im Blick haben. Seit Jahren spart diese clevere Lösung viele Mietkosten. Nach einem kleinen Rundgang durch dieses Hausboot erläuterten uns die beiden in einem Vortrag die Geschichte, Struktur und grundsätzliche Herausforderungen des Unternehmens.

Vor etwa 20 Jahren wurde die SFK aus der damaligen Kieler Verkehrs AG herausgelöst und ist eine 100%-Tochter der Landeshauptstadt Kiel. Die 52 Mitarbeiter, davon im seemännischen Bereich nur Männer, obwohl man sich über weiblichen Nachwuchs freuen würde, erwirtschaften im Jahr über 7 Mio Euro Umsatz, davon 75% durch das Schleppgeschäft. Die Erlöse aus diesem ermöglichen die Durchführung des defizitären Wasser-ÖPNVs, der auf eigenes Risiko ohne Verkehrsvertrag angeboten wird. Aktuell gibt es die Schwentinelinie (F2), die ab Reventlou in 10 Minuten bei kostenloser Fahrradmitnahme nach Dietrichsdorf übersetzt und gut durch Studierende angenommen wird, sowie die Fördelinie (F1), die ab dem Bahnhof acht und im Sommer sogar elf Anleger bis Strande und Laboe miteinander verbindet. Da qualifizierter Nachwuchs häufig schwierig zu bekommen ist, bildet die SFK selbst (aktuell drei) Mechaniker aus und bietet den Beschäftigten Weiterbildungen an, mit denen sie an der Seefahrtschule in Bremen Patente erwerben können. Im Laufe der Unternehmensgeschichte gelang es, aus einem Millionendefizit einen Überschuss zu machen und ein besseres Angebot zu unterbreiten als durch private Partner, was zeigt, dass auch der Staat mit seinen Betrieben erfolgreich sein kann. Trotz des Defizits und der geringen Frequentierung durch Passagiere waren sich alle einig, dass die Fördeschifffahrt zum Kieler Markenkern gehört und den besonderen Charme der Stadt unterstreicht. So erinnerten sich Anna-Lena und Jebril noch genau an ihre ersten Fahrten mit der Fähre an den Strand.

Um Perspektiven und Probleme ging es auch im sich anschließenden Gespräch. Christoph fragte nach Ausbaupotenzialen zur besseren Verknüpfung der Ufer und zur Entlastung des Busverkehrs. In der Förde ist eine schnellere Fahrt der Fähren mit wesentlichen Zeitersparnissen nicht umsetzbar, sodass die Fähren weiterhin in der Regel für eine vergleichbare Strecke deutlich länger als Busse der KVG brauchen. Auch eine dichtere Taktung oder mehr Querverbindungen bedeuten für das Unternehmen zwar deutlich höhere Kosten, bringen aber kaum neue Passagiere. Einen leichten Zeitgewinn und eine bessere Nutzbarkeit und damit vielleicht einen leichten Anstieg der Fahrgastzahlen werden die ab 2018 neu zu beschaffenden Schiffe sein, die barrierefrei, mit besserem Einstieg, mit mehr Raum für Fahrräder und sogar noch umweltfreundlicher als jetzt schon sein werden. Für das kleine Unternehmen bedeutet dies aber auch einen großen finanziellen Aufwand, der zu einem zeitweisen Zuschussbedarf durch die Stadt führen kann. Auch wenn unsere Ideen sich fürs Erste in Luft aufgelöst haben, konnte man sehr schön den Sinn solcher Besuche sehen, die Ideen und Theorien gleich hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit abklopfen können. Für zukünftige Ideen bot uns der Geschäftsführer an, uns jeder Zeit mit ihm in Verbindung zu setzen.

Der Austausch blieb nicht einseitig, sondern auch wir können Anregungen mitnehmen. In letzter Zeit kommt es vermehrt zu Ausfallzeiten und teuren Reparaturen bei den Schiffen durch Angelschnüre in den Schrauben und zuletzt leider auch zu schweren Verletzungen von Mitarbeitern, die sich die Hände durch Angelhaken aufgerissen haben. Benni wird als Ratsherr klären, wie hier ein besserer Schutz umgesetzt werden kann und ob der Wunsch der SFK nach “Angel-freien Zonen” rund um die Betriebsstätten realisierbar ist.

Zur nächsten Landtagswahl setzen sich die Jusos im SPD-Wahlprogramm für mehr öffentliches WLAN ein. Diesen Schritt gehen die Verkehrsanbieter in Kiel bereits. Die SFK richtet auf ihren Schiffen das kostenlose KN-WLAN ein und auch die KVG, deren Geschäftsführer Herr Schulz ebenfalls ist, wird die Haltestellen mit Fahrgastanzeiger entsprechend ausstatten. Bei den Bussen ist das auch technischen Gründen nicht möglich. Bei diesem kleinen Abstecher in den straßengebundenen ÖPNV konnte er auch von den Plänen der KVG berichten, die Linie mit Hilfe moderner Ladetechnik an den Endhaltestellen als Erste auf einen Hybrid- und dann Elektrobetrieb umzustellen. Zur Verbesserung des Fahrkomforts und der Auslastung des Raums im Bus werden auf dieser Linie in Kürze etwas längere Busse mit vier Türen angeschafft, die den großen Andrang morgens zur Fachhochschule besser  bewältigen sollen.

Frederik Digulla

Frederik ist seit März 2014 stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Schleswig-Holstein. Er studiert in Kiel Deutsch und Wirtschaft/Politik im Master. Gleichzeitig arbeitet er im Bad Segeberger Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes. Gemeinsam mit Lars leitet er die Kommission Äußeres, außerdem koordiniert er die Praxiswoche der Jusos Schleswig-Holstein. Seine Themenbereiche sind Wirtschaft, Arbeit und Soziales sowie Osteuropa.

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