Julius Leber – Ein großer Demokrat

Ein ernst blickender Mann mit hoher Stirn. Er steht aufrecht in einem Gerichtssaal. Die Hände ruhen auf dem Reverspitzen des Sakkos. Gleich wird man ihn zum Tode verurteilen. Das Bild gehört zu den ikonischen Darstellungen des Widerstands gegen den NS-Staat. Der Mann auf dem Bild ist Julius Leber. Heute am 16. November 2016 wäre sein 125. Geburtstag.

Ein Sozialdemokrat mit bewegter Geschichte

Leber war in seinem Leben Kaufmann, Student, Soldat, Lübecker, Journalist, Förderer von Willy Brandt, Verleger, Reichstagsabgeordneter, Reichsbannermitglied, Widerstandskämpfer und designierter Innenminister im Kabinett Stauffenberg. Vor allem aber war er Sozialdemokrat.

Als Sozialdemokrat hat er die Wirrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts miterlebt. Im Jahr 1920 stellte er sich mit seiner Armeeeinheit gegen den Kapp-Putsch. Er hat wesentlich dazu beigetragen, dass 1926 mit Paul Löwigt erstmals ein Sozialdemokrat Lübecker Bürgermeister wurde. Den jungen Willy Brandt hat Leber auf seinen ersten Schritten in die Politik und den Journalismus begleitet. Er gehörte zum engsten Kreis der Verschwörer des 20. Julis.

Der Schutz der Demokratie steht über allem

Bequem war Leber dabei nie. Auch als Sozialdemokrat hat er stets den Schulterschluss mit der Reichswehr gesucht. Aus seiner Sicht brauchte eine wehrhafte Demokratie die Unterstützung seiner Armee. Eine der zentralen Lehren der Bundesrepublik aus Weimar. Demonstrativ stellte er sich 1928 hinter den sozialdemokratischen Reichskanzler Müller als die Partei durch die Losung „Kinderspeisung statt Panzerkreuzer“ zerrissen wurde. Leber war der Meinung, dass durch diese Entscheidung die damals Große Koalition gerettet werden konnte.

Das zeichnet Leber aus: Den Schutz und Erhalt der Demokratie hat er über alles gestellt. Über das Wohl seiner Partei. Aber genauso auch über sein eigenes. Er gehörte zu den ersten Sozialdemokraten, die mit dem Reichsbanner die aktive Auseinandersetzung mit den Nazis gesucht haben. Immer ging es ihm um den Schutz der Demokratie. Später hat Leber mit Wehrmachtsoffizieren und Kommunisten zusammengearbeitet, um Hitler zu stürzen.

Für eine gute Sache ist das eigene Leben der angemessene Preis

Nach einem Treffen verhaftete ihn am 5. Juli 1944 die Geheime Staatspolizei. Im Gefängnis wurde er schwer misshandelt. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verurteilte ihn der Volksgerichtshof am 20. Oktober 1944 zum Tode. Am 5. Januar 1945 wurde Leber in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Kurz vorher schrieb er an seine Freunde: „Für eine gute und gerechte Sache ist der Einsatz des Lebens der angemessene Preis.“

Frederik Digulla

Frederik ist seit März 2014 stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Schleswig-Holstein. Er studiert in Kiel Deutsch und Wirtschaft/Politik im Master. Gleichzeitig arbeitet er im Bad Segeberger Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes. Gemeinsam mit Lars leitet er die Kommission Äußeres, außerdem koordiniert er die Praxiswoche der Jusos Schleswig-Holstein. Seine Themenbereiche sind Wirtschaft, Arbeit und Soziales sowie Osteuropa.

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