Ein Schritt hin in die Zukunft der beruflichen Bildung

„Bildung ist nichts weiter als Formgebung, und zwar von innen heraus. […] Die Berufsbildung steht [dabei] an der Pforte zur Menschbildung.“ 1

So treffend beschreibt einer der bis heute bedeutendsten Vordenker der beruflichen Bildung, Georg Kerschensteiner, den Zweck von Berufsbildung im Jahr 1904. Neben allgemeiner soll berufliche Bildung vermittelt werden, damit neben weltlichen Inhalten auch fachspezifisches Wissen durch die Schülerinnen und Schüler erworben wird. Dieser Gedanke hat auch in unserer heutigen Zeit nichts an seiner Bedeutung verloren.

Was hat sich rund um die berufliche Bildung in Schleswig-Holstein verändert?

Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat auf seiner gestrigen Sitzung den durch die SPD, die Grünen, Piraten sowie den Abgeordneten des SSW gestellten Antrag zur Vorbereitung der Einrichtung eines Schleswig-Holsteinischen Instituts für Berufliche Bildung (SHIBB) eingebracht. Mit großer Mehrheit ist dieser Antrag durch den Landtag beschlossen worden. Als Jusos Schleswig-Holstein begrüßen wir diesen Schritt ausdrücklich! Doch es bleibt die Frage, was für Auswirkungen die Einrichtung eines SHIBB für uns in Schleswig-Holstein hat?

Das System der beruflichen Bildung zeichnet sich in Schleswig-Holstein durch eine Vielzahl an schulischen sowie außerschulischen Bildungsangeboten aus. Hierbei sind die drei großen Teilsysteme der Berufsbildung durch das Schulberufssystem, das Duale System sowie das Übergangssystem gekennzeichnet. Daneben finden sich die Fachoberschule, die Berufsoberschule sowie das berufliche Gymnasium, welche genau wie allgemeinbildende Schulen ihre Schülerinnen und Schüler zur Fachhochschulreife bzw. zur allgemeinen Hochschulreife führen. In der Fachschule können über den Berufsabschluss hinaus weitere formale Qualifikationen erworben werden. All diese Möglichkeiten kennzeichnen die Durchlässigkeit und Vielfalt an Bildungschancen, die jungen Menschen durch die berufliche Bildung für ihren eigenen Lebensweg in Anspruch nehmen können. Die Duale Ausbildung bietet eine dieser Chancen.

Wodurch zeichnet sich das SHIBB aus?

Das SHIBB soll dieses erfolgreiche System noch ein bisschen besser machen. Vor allem die verschiedenen institutionellen Zuständigkeiten sollen im Gedankengang des SHIBB gebündelt und zusammengebracht werden. Hierzu zählen u.a. Zuständigkeitsbereiche wie die Abteilung III 3 Berufliche Bildung des Ministeriums für Schule und Berufsbildung, das Landesseminar Berufliche Bildung (als Bestandteil des Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH)) sowie die unterschiedlichen Beruflichen Schulen (RBZ / BBZ) im Land. Daneben wird die Errichtung eines begleitenden Kuratoriums bestehend aus Gewerkschaften, der Wirtschaft, des Städteverbandes, des Landkreistages sowie des Ministeriums für Schule und Berufsbildung die verschiedenen Interessenlagen bei vorzunehmenden Entscheidungen des SHIBB berücksichtigen. Schulleitungen der berufsbildenden Schulen sowie die Regionaldirektion Nord der BA werden als beratende Mitglieder dem Kuratorium angehören.

Welche Auswirkungen hat die Errichtung eines SHIBB?

Eine direkte Auswirkung dieser Bündelung von Zuständigkeiten wäre u.a., dass in der 2. Phase der Berufsschullehrerausbildung der Vorbereitungsdienst, welcher durch das Landesseminar Berufliche Bildung geleitet wird, direkt unter die Verantwortung des SHIBB gestellt würde. Durch die dortige Verbindung mit den Beruflichen Schulen des Landes und den zuständigen Stellen des Ministeriums können die Wege der Organisation kürzer und die Kommunikationsstruktur verbessert werden. Die Bündelung von fachlicher Kompetenz und die Möglichkeit, Ressourcen für die berufliche Bildung auf Landesebene zusammenbringen, stellen einen weiteren Vorteil dar. Im Bereich der Bündelung von Ressourcen muss dennoch ein zusätzlicher Blick insbesondere auf die Strukturierung des beruflichen Schulwesens in Schleswig-Holstein geworfen werden. Unter diesem Gesichtspunkt muss man zwischen der Schulaufsicht und dem Schulträger unterscheiden. In Schleswig-Holstein obligt die Schulaufsicht dem Land, die Schulträger stellen die jeweiligen Kommunen dar. Dies ist bspw. im Stadtstaat Hamburg anders, dort ist der Schulträger von beruflichen Schulen ebenfalls das Land. Die ausführende Institution ist in diesem Sinne das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB). Unter diesem Aspekt wird es eine Aufgabe der politischen Ebenen sein, sich bei etwaigen Investitionen, wie z.B. bei der räumlichen Erweiterung eines Schulgebäudes von RBZ/BBZ, über die jeweilige Ressourcenfrage zu verständigen.

Wie sieht die Zukunft der beruflichen Bildung mit einem SHIBB aus?

Durch eine gelingende Kooperation der verschiedenen politischen- sowie verwaltungstechnischen Akteure, unter dem Dach eines SHIBBS, kann weiterhin ein qualitativ hochwertiges Angebot an berufsbildenden Ausbildungsgängen in der Fläche unseres Schleswig-Holsteins angeboten werden. Durch ein umfangreiches Angebot an beruflichen Bildung wird auch der Bedrohung eines möglichen Fachkräftemangels entgegengewirkt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit durch eine vernünftige Koordinierung von Ressourcen, unter Einbeziehung aller wichtigen Akteure bspw. im Kuratorium des SHIBB, zielgerichtet die schulische sowie betriebliche Ausbildungssituation im echten Norden zu verbessern.

„Bildung ist nichts weiter als Formgebung, von innen heraus.“: Damit dieser Satz weiterhin mit einer klaren Bedeutung für junge Menschen in Schleswig-Holstein bestehen kann, benötigen wir eine starke Berufliche Bildung. Als Jusos Schleswig-Holstein glauben wir, dass ein weiterer wichtiger Schritt hin in diese Richtung durch die Errichtung eines SHIBB getan wird. Starke Berufliche Bildung – Wir machen das!

1Kerschensteiner, Georg (1904): Berufs- oder Allgemeinbildung? In: Ders: Grundlagen der Schulorganisation. Eine Sammlung von Reden, Aufsätzen und Organisationsbeispielen. Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage. Leipzig und Berlin: Teubner 1910, S.23-43.

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