Ehe für alle – Alles für alle gut?

Am Freitag, den 30. Juni 2017, kam der Deutsche Bundestag zu einer Sitzung zusammen, die sicher in die Geschichte eingehen wird.  Mit Konfetti, einer Rüge durch Bundestagspräsident Norbert Lammert und 393 Ja-Stimmen können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland endlich unter dem Namen „Ehe“ heiraten und Kinder adoptieren. Die 2001 von rot-grün verabschiedete „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ hat somit endlich ausgedient.

Da ist ein großer Knoten geplatzt. Eigentlich hätten homosexuelle Paare in Deutschland schon längst heiraten können. Doch die Union, nun mal Koalitionspartner in den letzten vier Jahren, blockierte bockig das, was die große Mehrheit der Menschen schon längst befürwortete. Erst mit dem Ausrutscher, man weiß es nicht, der Merkels, diese Entscheidung zu einer Gewissensfrage zu machen, kam Bewegung in die Sache. Vor dem Gesicht von 225 „bedröppelten“ Unions-Abgeordneten stimmte eine linke Mehrheit für die längst überfällige Gleichstellung homosexueller Paare.

Jetzt kommt sie – die Ehe für alle. Wörter wie „Homo-Ehe“ waren schon immer grauenvoll. Jetzt hört ein Stück Benachteiligung auf. Familie ist nicht das Gespann aus Mann und Frau. Familie ist da, wo Menschen füreinander Verantwortung füreinander nehmen.

Doch wer nun glaubt, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung sei mit der Öffnung der Ehe beendet, liegt falsch. Eine politische Entscheidung beendet keine Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft. Am Ende muss es in den Köpfen der Menschen ankommen. Nach wie vor ist das Selbstmordrisiko von lesbischen und schwulen Jugendlichen vier- bis siebenmal höher, als das von Jugendlichen im Allgemeinen. Schwule dürfen nach wie vor kein Blut in Deutschland spenden. Nach wie zittern viele Homosexuelle vor einem Coming-Out, weil sie Angst davor haben, wie ihr soziales Umfeld – ja, ihre Freunde und Familie – reagieren werden. Es ist eben noch nicht alles gut. Die endlose Debatte über die Öffnung der Ehe hat viele dieser nach wie vor existierenden Probleme in den Hintergrund gestellt. Mit der Verabschiedung des Gesetztes bietet sich die Chance, die öffentliche Wahrnehmung endlich auf andere Probleme zu lenken und diese anzugehen.

Eine Woche später, am 7. Juli 2017, stimmte auch der Bundesrat dem Gesetz zu. Ab dem 1. Oktober 2017 können dann endlich alle ganz offiziell „Ja, ich will“ sagen.

Am Ende bleibt trotzdem die schöne Erinnerung:
Freitag, der 30. Juni 2017. Ein Freitag, an dem beim Schauen einer Bundestagsdebatte Tränen voller Freude über Gesichter rollten.  

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