Was läuft schief bei der Ausbildung?

Es ist wieder soweit! Heute, am 01. August (und bald am 01. September) starten wieder hunderttausende junge Menschen in ihr Berufsleben. Genauer gesagt: sie beginnen ihre duale Berufsausbildung.

Doch was ist das überhaupt? Was läuft schief? Was will die SPD eigentlich für Azubis erreichen, wenn sie mit Martin Schulz die nächste Bundesregierung anführt? Auf diese Fragen gehe ich in diesem Blogeintrag ein.

Duale Ausbildung – was ist das überhaupt?

In Deutschland haben wir seit vielen Jahren einen extrem hohen Anspruch an unsere Fachkräfte. Damit die Fachkräfte allen Erwartungen gerecht werden können, haben wir die Berufsausbildung aufgeteilt: in einen praktischen Teil, der im Ausbildungsbetrieb vom Ausbilder oder der Ausbilderin gelehrt wird und in einen theoretischen Teil, der in den verschiedensten Berufsschulen von Berufsschullehrer*innen unterschiedlichster Fachrichtungen gelehrt wird. Im Ausbildungsbetrieb geht es vor allem darum, möglichst viele praxisnahe Berufserfahrungen zu sammeln, während in der Berufsschule das erworbene Wissen vertieft wird, damit man dieses anschließend wieder im Betrieb einsetzen kann.

In Deutschland gibt es mittlerweile über 330 verschiedene Ausbildungsberufe. Natürlich kann man sich die nicht einfach so ausdenken. Zu jedem der Berufe gibt es u.a. eine Ausbildungsordnung und einen Ausbildungsrahmenplan. Dort ist genau geregelt, wann dem Azubi was gelehrt werden muss.

Während der betrieblichen Ausbildung erhält man eine Ausbildungsvergütung. In der Regel hat man den Berufsabschluss nach 3 Jahren erworben.

 

Was läuft schief bei der …Ausbildungsvergütung?

Beim Stichwort “Ausbildungsvergütung” sind wir auch schon direkt am wunden Punkt angelangt. Den Azubis werden je nach Branche teilweise Ausbildungsvergütungen von knapp 300€ bezahlt- für eine 40 Stunden Woche!

Neben den dualen Berufsausbildungen gibt es zudem noch die rein schulischen Ausbildungen. Bei dieser verdient man häufig nicht nur nicht einen Cent, nein, bis vor kurzem musste man für einige Ausbildungen auch noch selbst tief ins Portemonnaie greifen. Diesen Umstand konnte die SPD glücklicherweise bereits zum Großteil abstellen, bspw. bei den Pflegeberufen.

Auf Druck von uns Jusos hat die SPD die Forderung nach einer Mindestausbildungsvergütung ins Wahlprogramm geschrieben. Wir wollen, dass man auch schon in jungen Jahren gut leben kann. Wir orientieren uns hierbei an dem jeweiligen Höchstsatz, den Studierende durch das BAföG erhalten können. Bei der genauen Höhe müssen natürlich die Gewerkschaften ein Mitspracherecht erhalten.

 

Was läuft schief bei der …Wohnraumversorgung?

Als Auszubildender eine eigene Wohnung zu finden, ist bei den ohnehin schon immens angespannten Wohnungsmärkten ein Ding der Unmöglichkeit. 2016 war ich als Azubi selbst auf Wohnungssuche und habe am eigenen Leib erfahren, wie schwer es ist, geeigneten Wohnraum zu finden. Auch der sonst vorhandene Pluspunkt im öffentlichen Dienst zu arbeiten, hat mir nichts gebracht- und die Ausbildungsvergütung ist (dank Tarifvertrag!) im öffentlichen Dienst mit 1014,02€/mtl im 3. Ausbildungsjahr eindeutig eine, die vergleichsweise überdurchschnittlich gut bezahlt wird. Allein der Beschäftigungsstand “Azubi” reicht also aus, um eine Absage nach der anderen zu kassieren.
Auch Studierende kennen das Problem. Für sie werden in den Unistädten jedoch extra Wohnungen oder Wohnungseinheiten bereitgestellt. Mal durch das Studentenwerk und mal durch die Städte mit ihren Wohnungsbaugenossenschaften selbst. Blöd nur, dass auf diese Wohnflächen ausschließlich Studierende zugreifen können. Azubis bleiben, bei wenigen Einzelfällen, unberücksichtigt.
Deshalb wollen wir, neben der allgemeinen Wohnungsbauoffensive, Azubiwohnheime etablieren, wo es örtlich Sinn ergibt. Damit auch Azubis eigenständig werden können!

 

Was läuft schief bei der …Anzahl der Ausbildungsplätze?

In den Nachrichten hören wir es immer wieder: zu viele Ausbildungsplätze sind unbesetzt, weil die Betriebe keinen Nachwuchs mehr finden (und mal ist es genau umgekehrt).

Aber woran liegt das?

Um das zu verstehen, sollte man sich zunächst selbst Gedanken machen, nach welchen Kriterien man denn selbst aussucht, welchen Beruf man erlernen möchte. Da geht man natürlich nach den ganz persönlichen Stärken und Interessen. Junge Menschen, die sehr gut mit Zahlen und betriebswirtschaftlichen Organisationsabläufen umgehen können, werden in aller Regel einen Bürojob erlernen wollen. Junge Menschen, die schon immer handwerklich versiert waren, wünschen sich in aller Regel einen Beruf in genau dieser Branche. Und junge Menschen, die das Miteinander begeistert, wünschen sich für gewöhnlich einen der sozialen Berufe.

Die grobe Berufswahl wäre also getroffen. Und jetzt?
Man überlegt, wo man die besten Zukunftsaussichten hat, wo man am besten verdient. Einige Erwachsene wird es an dieser Stelle vielleicht schockieren, aber ja, auch wir Jugendliche machen uns Gedanken über unsere berufliche Zukunft. Und bei den Zukunftsängsten, die mit manchen Berufen in Verbindung gebracht werden, liegen wir schon an der Wurzel der Problematik rund um unbesetzte Ausbildungsplätze. Warum sollte ich eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger machen, wenn ich weiß, dass dieser so ehrenhafte Beruf unglaublich schlecht bezahlt wird? Warum sollte ich eine Ausbildung zum Maurer machen, wenn Teile der Politik aktuell über “Rente mit 70” schwadronieren? Schaffe ich das gesundheitlich, oder lande ich mit Mitte 50 in der Grundsicherung, weil ich mit der Zeit einfach zu schwach und zu angeschlagen bin?

Oftmals sind es dann auch noch Betriebe mit miserablen Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, die keinen Nachwuchs finden.

Liebe Unternehmer*innen, wenn ihr uns nach anstrengenden, vollen Berufsschultagen verbotenerweise noch in den Betrieb zitiert, wenn ihr uns die Ausbildungsmittel allein finanzieren lasst, wenn ihr die Arbeits- und Jugendschutzgesetze ohnehin nur nach Lust und Laune anwendet, wenn ihr nichtmal Tarifvertragspartei seid und uns nach der Ausbildung nicht in ein Arbeitsverhältnis übernehmen wollt, dann beschwert ihr euch ernsthaft darüber, dass ihr keinen Nachwuchs findet und eure Lehrstellen frei bleiben? Wer als Unternehmer*in so handelt, hat jegliches Beschwerderecht verwirkt!

 

Zu diesem Phänomen erleben wir jedoch auch, dass viele ausbildungswillige Jugendliche leer ausgehen. Mal liegt es an Gründen, die in der Person des Jugendlichen liegen. Von zu schlechten Zeugnissen bis hin zur fehlenden Ausbildungsreife ist die Palette da ziemlich groß. Mal liegt es jedoch auch daran, dass Jugendliche zu spezielle Berufswünsche haben, und es in der näheren Umgebung einfach keine Betriebe gibt, die den Wunschberuf ausbilden dürfen. Das heißt dann oftmals: Zwischenstation “Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme” (BvB). Diese ist für manche Jugendliche eine echte Chance. Für den Großteil der dort eingetragenen Jugendlichen ist es jedoch einfach pure Zeitverschwendung- auch da spreche ich wieder aus Erfahrung. Und für die Agentur für Arbeit hat es einen angenehmen Nebeneffekt: Jugendliche in einer BvB tauchen nicht in der Jugendarbeitslosigkeitsstatistik auf.
Egal woran es liegt, wir fordern eine Ausbildungsplatzgarantie und sind stolz darauf, dass wir auch diese Forderung in das SPD Wahlprogramm bringen konnten. Damit Jugendliche und junge Erwachsene das lernen können, was sie wollen!


Du willst noch detaillierter erfahren, was die SPD für Auszubildende und junge Erwerbstätige so zu bieten hat? Dann schau dir einfach mal das SPD Wahlprogramm an! Du findest es online unter www.spd.de  

 

Möchtest du dich ebenfalls für die Rechte von Azubis stark machen? Dann melde dich bei uns! Der Juso-Landesverband hat eine Auszubildenden- und Beschäftigtengruppe gebildet, in der alle Interessierten herzlich zur Mitarbeit eingeladen sind. Seit an Seit mit den Jugendgewerkschaften besprechen wir, wo der Schuh drückt- und wie wir die Probleme lösen können.

 

Außerdem ist eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft immer ratsam, denn nur wenn die Arbeiterklasse organisiert ist, können wir was erreichen! Außerdem erhältst du von den Gewerkschaften wertvolle Rechtsberatung und Unterstützung, wenn du bei der Arbeit einmal in Schwierigkeiten gerätst. Klick doch einfach mal beim Deutschen Gewerkschaftsbund unter www.dgb.de rein und schau nach, welche Gewerkschaft für deinen Beruf zuständig ist.


Bei weitergehenden Fragen, zögere bitte nicht, mich zu kontaktieren.

Rote Grüße

 

Tiemo Olesen, stv. Juso-Landesvorsitzender

Sprecher für Arbeit und Soziales

Kontakt: t.olesen(at)jusos-sh.de

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