#metoo – was nu?

Sexuelle Belästigung, Einschüchterung, Bedrohung, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung – die #metoo-Veröffentlichungen zeigen uns, wie schlimm es um die Gleichstellung von Mann und Frau bestellt ist, auch und vor allem am Arbeitsplatz.

Ob es nun Hollywood oder ein Büro in der Uckermark ist – sexuelle Belästigung passiert überall.

Tausende Tweets an einem Tag, Fälle über die man im ersten Moment  resigniert den Kopf schütteln will, bis man dann im zweiten Moment merkt, dass das die Probleme nicht löst. Aber was denn dann? Es gibt doch Gesetze wie “Nein heißt nein” oder? Das Problem muss also tiefer liegen. In einem System, in dem deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen sitzen, es starke Machtgefälle gibt und man sich niemandem anvertrauen kann, in der man mit sexueller Belästigung einfach so davon kommt, da müssen Frauen Angst haben, jemanden zu beschuldigen, schließlich haben die Leute, die ihre Macht so missbrauchen einen Nimbus der Unantastbarkeit. Welch aussichtslose und deprimierende Situation das für die Betroffenen sein muss, kann man sich als Außenstehender wohl nur im Ansatz vorstellen.

Es gibt keine Ausreden oder Verharmlosungen sexueller Belästigung. Wer das behauptet oder sich anschickt, der Diskussion um sexuelle Belästigung die Relevanz abzusprechen, hat folgendes nicht verstanden: Sexuelle Belästigung ist nicht nur die völlig inakzeptable grundlegende Einschränkung in der persönlichen Freiheit der Betroffenen und ein ekelhafter Eingriff in die Intimität und körperliche Selbstbestimmung, sondern gewissermaßen ein Verstoß gegen die Menschlichkeit.

Wer sexuelle Gewalt anwendet, der macht Menschen zu Objekten. Er nimmt ihnen Entscheidungsfreiheit, er spricht dem Opfer seine Gefühle und Empfindungen ab, er behandelt sein Opfer wie er Dinge behandelt; als ob es sein Besitz wäre – welch Abscheulichkeit. Und doch scheinen die Täter nicht in der Lage zu sein, ihr handeln zu reflektieren, mehr noch, sexuelle Belästigung zum Beispiel am Arbeitsplatz wird als normal wahrgenommen, viele sehen darin einen Austausch: mächtiger Mann, Frau in niedrigerer Position führt zum Austausch von Gefälligkeiten mit Vorteilen für beide Seiten. Der eine hat seinen Spaß, der andere erhält eventuell einen beruflichen Vorteil. Ist doch eigentlich ein guter Deal, oder? Wohl eher nicht. Was bedeutet diese Argumentation? Sie zeigt eigentlich nur das verquere und rückwärtsgewandte Denken vieler Menschen: die Frau ist nicht qualifiziert und klug genug um aufzusteigen, also setzt sie auf körperliche Vorteile. Männer haben es drauf, die führen an, die sind kompetent. Aber Männer sind halt Männer, die wollen halt ihren Spaß, war doch immer so, ist ja ok?! Dass Kompetenz, Intelligenz und Führungsstärke keine männlichen Eigenschaften sind, sollte jedem vernunftbegabten Menschen klar sein. Woran liegt es dann, dass diese Vorurteile existieren, obwohl sie erwiesenermaßen sexistisch, diskriminierend und schlichtweg falsch sind? An einer männerdominierten Arbeitswelt, in der viele ihre Macht ausnutzen und Frauen nichts zugetraut wird. Lösung: Frauenquote konsequent durchsetzen und Potenziale ausschöpfen aber vor allem: sich selber hinterfragen, die Arbeitswelt darf sich nicht länger der Emanzipation entziehen.

Also was tun? Zivilcourage, Boykottierung, Ausübung von öffentlichem Druck – kurz gesagt: empört euch! Es muss sich eine breite Front bilden, unabhängig ob rechts oder links, Mann oder Frau, die klar macht: hier ist die Grenze, jetzt ist Schluss. Wer Menschen sexuell belästigt, muss mit seiner gesellschaftlichen Ächtung rechnen. Gesetze können wohl die Grundlage sein, um sexuelle Belästigung zu verhindern, aber trotzdem bleibt es Aufgabe der Gesellschaft, sich selbst zu ändern. #metoo zeigt wie es gehen kann: Betroffene sehen, dass auch andere erleben mussten, was sie erlebt haben und trauen sich daraufhin, die Geschichten zu erzählen, die sie so sehr belasten. So werden wir alle  sensibilisiert, können lesen, mitfühlen, etwas verändern.

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