Die eine Frauenbewegun – ein Vergleich

100 Jahre Frauenwahlrecht – da denkt man sofort an die Frauenbewegung, die dieses Recht für Frauen in ganz Europa erstritten hat. Doch oftmals hört man von der EINEN Frauenbewegung. Frauen kämpfen für die Rechte von Frauen. Allerdings kann sowohl historisch als auch politisch gesehen in verschiedene Bewegungen unterschieden werden. Von besonderem Interesse hinsichtlich politischer Differenzen sind die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung. Doch wie unterscheiden sich die beiden Frauenbewegungen des 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts aus inhaltlicher Sicht voneinander? Die Schriften von Louise Otto und Clara Zetkin geben hierüber Aufschluss.

Schaut man auf die Anfänge der Frauenbewegungen, stößt man unweigerlich auf Louise Otto-Peters. Geboren 1819 zählt sie zu den Begründerinnen der deutschen Frauenbewegungen überhaupt. Otto-Peters gilt als Hauptvertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung. Daneben ist Clara Zetkin mit ihrem politischen Kampf für Frauenrechte als Begründerin der proletarischen Frauenbewegung in die Geschichte eingegangen. Übrigens hat sich Clara Zetkin bereits im Jahr 1910 auf der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz für das allgemeine Frauenwahlrecht ausgesprochen.
Erst einmal wird anhand ihres Namens deutlich, dass beide Frauenbewegungen ihre Ursprünge in unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen haben. So gründete sich die bürgerliche Frauenbewegung aus dem weiblichen Bürgertum heraus, während die proletarische Frauenbewegung Frauen aus der Arbeiter*innenklasse vereinigte.

Ein weiterer wichtiger Unterschied fällt bei der Frage auf, ob Frauen einen Beruf ausüben dürfen sollen oder nicht. Zwar fordern Zetkin und Otto die Möglichkeit für Frauen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, jedoch vor unterschiedlichen Hintergründen. Clara Zetkin stellte den Zusammenhang zwischen Erwerbsarbeit und weiblicher Emanzipation und der kompletten Gleichstellung mit dem Mann her. Das heißt, wenn auch Frauen einen Beruf haben, ist das eine Form von Gleichstellung. Louise Otto hingegen sieht die Erwerbsarbeit von Frauen eher als Alternative zum Leben als Ehefrau und Mutter. Frauen, die nicht verheiratet sind und keine Kinder haben, sollen aber arbeiten dürfen.

Die Art und Weise, wie die geforderten Frauenrechte erreicht werden sollen, unterscheiden sich ebenfalls. Anhand der Betrachtung von Louise Ottos Schriften wird deutlich, dass sie Verbesserungen für Frauen durch Reformen realisieren möchte. Einen kompletten gesellschaftlichen Umbruch durch eine Revolution lehnt sie strikt ab. Clara Zetkin hingegen verbindet ihre politischen Forderungen nach Frauenrechten mit einem starken Revolutionsdenken. Den Ursprung der sozialen und politischen Diskriminierung der Frau sieht sie auch im Kapitalismus. Folglich sieht Zetkin die Frauenbewegung als Teil der Arbeiterbewegung, wodurch die Gleichstellung der Frauen nur durch eine Revolution zu erreichen ist.

Obwohl es in einigen weiteren Aspekten auch Gemeinsamkeiten gibt, so zeigen doch all diese Aspekte, dass die beiden Frauenbewegung besonders in ihren Ursprüngen und in ihren Beweggründen sehr verschieden sind.

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