Gastbeitrag: Die italienische Regierung ignoriert die Bedürfnisse junger Menschen

Die Jugendarbeitslosigkeitsrate in Italien ist immer noch hoch bei 29%. Dies bezieht sich auf Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Neben den tatsächlich verfügbaren Arbeitsplätzen, sind die übrigen meist niedrig-qualifizierte und schlecht bezahlte Tätigkeiten. Wenn man zu den paar Glücklichen gehört, die einen Job bekommen, endet man meist in einem, der wenig mit der eigenen Ausbildung zu tun hat.

Es überrascht daher nicht, dass viele junge Italienerinnen und Italiener auswandern. Laut einer Studie aus Februar 2018 überlegen bis zu 78 % der 14 bis 35-jährigen das Land zu verlassen, weil sie es als einzige Option ansehen, um ein vernünftiges und emanzipiertes Leben führen zu können. 2018 haben bereits 120.000 Italiener*innen – meist hochqualifizierte junge Menschen – das Land verlassen.

 

„Die Regierung ignoriert das Thema.“

 

Dieser Trend hat verheerende Konsequenzen für die Zukunft des Landes und der jungen Generation. Trotzdem ignoriert die Regierung dieses Thema. Jugendarbeitslosigkeit wird nicht als dringliches Problem betrachtet und findet in der öffentlichen Debatte nicht statt.

Als die Regierung das Rentensystem besprach, plante sie nichts für das große Problem, das sich aus den Schwierigkeiten der Millennials ergibt, regelmäßige Steuern zu zahlen, weil sie kein regelmäßiges Einkommen haben. Stattdessen wird lediglich darauf abgezielt, die Armut von Arbeitslosen zu bekämpfen, anstatt den Arbeitsmarkt tatsächlich zu verbessern, indem Investitionen gefördert und somit Arbeitsplätze geschaffen werden.

Zwar hat die Digitalisierung des Arbeitsmarktes viele Diskussionen über die tatsächliche Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit eines Arbeitslebens hervorgebracht,doch in der heutigen Zeit bedeutet Arbeitslosigkeit immer noch Ausgrenzung und Armut. Viele Menschen identifizieren sich über ihren Job. Es erzeugt Selbstvertrauen. Wenn man sich nicht darum kümmert, dass jede*r arbeiten kann, wird aus dem gleichen Grund das Streben nach einem würdigen Leben missachtet, das alle zu erfüllen versuchen. Dies gilt insbesondere für junge Menschen.

 

„Was muss getan werden?“

 

Was soll also anders gemacht werden?Die Regierung sollte mit der Hilfe der EU Investitionen fördern und dies inSektoren tun, die den Übergang zueinem Modell für nachhaltige Entwicklungerleichtern. Gleichzeitig müsste derSoziale Arbeitsmarkt reformiert werden.Heute beschäftigt dieser lediglich 9.000 Menschen.
Zum Vergleich: In Frankreich, einem Land mit einer niedrigeren Arbeitslosenrate, höheren Löhnen und einer vergleichbaren Bevölkerungsstruktur sind auf diesem Arbeitsmarkt 50.000 Menschen beschäftigt. Junge Menschen verlassen das Land, weil sie nicht „verloren“ werden wollen. Weil sie Emanzipation und das Grundrecht einer lebenswerte Zukunft erstreben. Mit einem Einkommen, welches dieses ermöglicht.

 

„Eine verlorene Generation verhindern, statt auf Rücken von Flüchtlingen Politik zu machen.“

 

Sollte es uns gelingen, die Herausforderungen zu überwinden und unsere Zukunft tatsächlich im Ausland aufzubauen, wird das Label „verloren“ unweigerlich bei Italien bleiben. Keine Gesellschaft hat eine glänzende Zukunft vor sich, wenn die qualifiziertesten ihrer Leute gehen. Salvini könnte darüber nachdenken, anstatt Flüchtlinge für Wahlerfolge zu instrumentalisieren.
Verzweiflung in Italien ist nicht auf Migrantinnen und Migranten zurückzuführen, sondern auf die unendlichen Hindernisse, die Unabhängigkeit und Würde fordern.

 

Über die Autorin:

Elisa Gambardella stammt aus Italien und ist Vorsitzende des “Network of the Future of Europe” der Jungen Europäischen Sozialist*innen, dem Europaverband der Jusos

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