Fünf Uhr fünfundvierzig. Dienstantritt auf dem Betriebshof des Wegezweckverbands (WZV) in Bad Segeberg. Die Schicht der Müllwerker beginnt um 6.00 Uhr, diesmal steht Bad Segeberg auf dem Plan. Der Wegezweckverband ist ein kommunaler Zweckverband aller Kommunen des Kreises Segeberg (außer Norderstedt) zur vertraglich vereinbarten, gemeinsamen Wahrnehmung von öffentlichen Aufgaben. Vereinfacht gesagt: so erspart sich das kleine Dorf genauso wie das Mittelzentrum, eigene Müllabfuhr, Straßenwärter, Winterdienst, Abwasserentsorgung etc. vorzuhalten.

Vor dem Start der ersten Tour, die mich mit meinen neuen Kollegen unter anderem in den Kurt-Schumacher-Ring führen wird, werde ich in die Sicherheitsvorkehrungen eingeweiht, das heißt, welche Kleidung ich zu tragen habe und wie ich mich am Müllfahrzeug verhalten muss. Erst nach Unterschrift darf ich mich umziehen.

„Hier muss keiner was beweisen“

Noch auf dem Betriebshof bekomme ich eine Einweisung in das Fahrzeug, genauer: die Schüttung. Automatisiert zieht das Fahrzeug die Tonnen noch oben und entleert sie in den Container, nachdem die Behälter an der vorgesehenen Einrichtung eingehakt werden. Das kennt eigentlich jeder, der das schon mal vor der eigenen Haustür gesehen hat, klingt banal, ist es aber nicht unbedingt. Da kann man mehr falsch machen, als ich dachte. Letztlich ist das trotz all des Drecks und Geruchs ein hochspezialisiertes Fahrzeug, das fast eine halbe Million Euro kostet. Auch hier wird mir nochmal von den Kollegen gesagt: Sicherheit geht vor Schnelligkeit, „hier muss keiner was beweisen“. Man ist zwar froh, wenn man zügig fertig wird, aber 30 Minuten länger arbeiten ist immer noch besser als von einer Biotonne beim Schüttungsvorgang erschlagen zu werden. Zur Erheiterung am Morgen haben dann auch noch einige Tonnen-Inhaber*innen‘ gesorgt, die – vom Lärm des Müllfahrzeuges geweckt – noch schnell im Schlafanzug den Behälter an die Straße stellen, oder damit in der Hand sogar dem Wagen hinterherlaufen.

Wie ich später erfahre, bezeichnet man die Bio-Müll-Sammlung mit einem Augenzwinkern als Königsdisziplin. In der ersten Pause wussten meine Arme dann auch schon, warum. Jede Tonne wiegt 90 bzw. 110 Kilogramm, eigentlich. Aber jede dritte Tonne ist maßlos überfüllt. Manche konnte ich tatsächlich nur mit Hilfe überhaupt bewegen. (Ich werde jedenfalls die eigene Biotonne nie mehr bis zum Rand voll machen…).

Müllwerker wird man in erster Linie als Quereinsteiger. Je nach Alter und Aufgabe verdient man zwischen 2.000 und 2.500 Euro, nicht viel für diesen schweren Job, aber man kann damit klarkommen. Was mir hier schon auffällt: Die Kollegen sind froh über den Job, der einen zwar fordert, aber sicher und geregelt ist. Wer um 6 Uhr anfängt, kann um 15 Uhr schon nach Hause. Auch andere Kollegen, die ich später treffe, sagen mir ähnliches und sind am Nachmittag auch häufig noch ehrenamtlich aktiv, z.B. bei der Feuerwehr. Seit 2003 werden alle neuen Kolleg*innen bei der Tochter GmbH des WZV angestellt und nicht mehr beim WZV direkt. Deshalb verdienen die Müllwerker der GmbH weniger als die Müllwerker des ‚Kern-WZV‘. Erste werden nach Tarif der Entsorgungswirtschaft bezahlt, letztere nach öffentlichem Tarifrecht. Dieser Unterschied war in der Vergangenheit bereits Thema in der Kreispolitik. Der wirtschaftliche Druck war damals genauso wie heute hoch. Die Liberalisierung der Entsorgung als eigentlich öffentliche Aufgabe hat einen Preiskampf ausgelöst, den private Unternehmen häufig über geringere Lohnkosten gewonnen haben. Dass die öffentliche Hand wie mit dem WZV die Entsorgung noch selbst durchführt, ist seit dem nicht mehr selbstverständlich.

Als Mitarbeiter beim WZV ist man vor allem eines: unterwegs auf den Straßen des Kreises

Nach dreieinhalb Stunden Tour und fast 10 Tonnen Biomüll ist der Container voll und wir treten die Rückfahrt zum Betriebshof an. Dort werde ich übergeben an einen Straßenwärter, mit dem ich am Nachmittag noch unterwegs sein werde. Auf meinem Tagesplan steht aber erstmal „Reinigung einer Tierquerungseinrichtung“. Zwei Mal im Jahr werden Straßenunterführungen für z.B. Frösche wie zwischen Bebensee und Neversdorf gereinigt, um den Tieren die Querung zu erleichtern und zu verhindern, dass die Tiere durch Überwucherung doch auf die Straße gelangen können. Das ist dann die Aufgabe der Straßenkolonne, die im Sommer vorwiegend Straßenreparaturen vornimmt, im Frühjahr und Herbst insbesondere Knickpflege, Fahrbahnreinigungen, aber ganzjährig auch einzelne, kommunale Maßnahmen. Quasi die Eingreiftruppe für alle Fälle. In diesem Tag ist eine bunte Truppe von Straßenwärter-Auszubildenden bis zu langjährigen Anleitern zusammen auf der Kreisstraße 12. Auch hier: großes Lob für den Arbeitgeber. An bekomme die Ausrüstung komplett gestellt und wenn mal was kaputt geht wird es eben ersetzt. Auch die Arbeitsgeräte sind modern oder gut gepflegt. Beim späteren Rundgang am Nachmittag erfahre ich auch ‚live‘ warum, denn er WZV betreibt eine eigene Werkstatt, die vom Handschneider bis zum Unimog alles selbst pflegt und repariert.

Die Sonne scheint. Hier wird mir besonders deutlich, dass das ein Job für jedes Wetter ist. Auch, wenn es in Strömen geregnet hätte, würde ich trotzdem im Graben neben der Straße das Gestrüpp stutzen. Das gehört dazu. „Ich finde es gut, immer an der frischen Luft zu sein. Und wenn es regnet, ziehe ich mir halt eine Regenjacke an.“ So viel Pragmatismus gefällt. Gleichzeitig erlebe ich auch, wie wenig Wertschätzung bei manchen für diese Tätigkeit da ist. Obwohl der Straßenabschnitt mit Hinweisschildern versehen ist und WZV-Fahrzeuge, die am Rand stehen, die Fahrbahn verengen, rasen einige Autofahrer*innen an der Baustelle vorbei. Es soll auch öfter vorkommen, dass nochmal extra Gas gegeben und absichtlich dicht an den Kollegen, die an der Straße arbeiten, vorbeigefahren wird.

Eine Straßenwärter-Tätigkeit ist es auch, wöchentlich die Kreisstraßen, die vom WZV gepflegt werden, zu kontrollieren. Das heißt: kleine Schlaglöcher vor Ort flicken, Auffälligkeiten und größeren Reparaturbedarf festhalten und Leitpfosten in Stand halten. Eine auf den ersten Blick kleinteilige Arbeit, aber mit großem Nutzen. Jeder defekte Reflektor an einem Leitpfosten kann im Notfall Leben im Straßenverkehr gefährden. Und wundern muss man sich auch über häufig mutwillige Zerstörung dieser Pfosten, sei es auf dem Heimweg nach der Disko oder fahrlässige Manöver mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Pro Pfosten kostet das den*die Steuerzahler*in 12 Euro Einkaufswert. Über die Summen, die da zusammen kommen, wenn man sich allein mal bei eigenen Autofahrten anguckt, wie viele Pfosten ersetzt werden (müssten), will man gar nicht nachdenken. Vermeidbar sind sie aber häufig.

Neben einem ausführlichen Betriebsrundgang in Bad Segeberg (es gibt sogar ein Boot mit Mähwerk, das in der Trave das Seegras stutzt…) habe ich auch eine Wasserprobe an einem Klärteich begleitet. Immerhin 64 Klärteiche gibt es im Kreis Segeberg. Insbesondere bei kleinen Gemeinden, die sich kein Klärwerk leisten können oder die Abwassermengen einfach zu gering für einen wirtschaftlichen Betrieb einer Kläranlage sind, kommt der natürliche Weg zum Einsatz. Das Wasser wird durch verschiedene Stufen eines Teiches geklärt. Dieses Wasser wird allerdings dadurch nicht wieder trinkbereit aufbereitet, sondern nur soweit der natürlichen Reinigung durch Bakterien und Algen überlassen, dass es in den natürlichen Wasserkreislauf in Bäche etc. eingespeist werden kann. Daneben kümmert sich der WZV auch um nahezu jeden anderen Bereich der Abwasserentsorgung

WZV im Umbruch durch Vergaberecht

Zurzeit steht der WZV nach der Liberalisierung Anfang der 2000er Jahre wieder vor einer Weichenstellung. Im Mittelpunkt steht die vergaberechtliche Frage, ob kommunale Anbieter wie der WZV für seine Leistungen steuerpflichtig ist oder nicht. Hintergrund ist: die steuerliche Bevorteilung würde die wirtschaftliche Tätigkeit von privaten Anbieter*innen beeinträchtigen, da diese steuerpflichtig sind und daher andere Grundkosten haben. Endgültig entschieden, wo die Reise hingeht, ist es noch nicht. Aber beim WZV geht davon aus, dass das aktuelle Modell mit Zweckverband und Entsorgungs-GmbH die längste Zeit Bestand hatte. Irrsinniger Weise deshalb, weil es unter den neuen, zu erwartenden Vorgaben zwar immer noch möglich sein soll, kommunale Leistungen ohne europaweite Ausschreibung direkt an die eigenen Kommunalbetriebe zu vergeben, aber das aktuelle Konstrukt, in dem WZV-Mitarbeiter*innen gemeinsam die Aufgaben wahrnehmen, hier nicht mehr zulässig ist. Eine Lösung ist in Sicht, einfacher wird es jedenfalls nicht. Auch hier zeigt sich im Kleinen der Liberalisierungswahn im Kapitalismus. Deshalb ist unsere sozialdemokratische Forderung, dass kommunale Daseinsvorsorge, zu der auch die Entsorgung gehört, nicht in private Hand gehört, nach wie vor aktuell und wichtig.

Im Rahmen der Praxiswoche haben Mitglieder aus dem Kreisverband Kiel die Schlepp- und Fährgesellschaft (SFK) besucht. Anna-Lena Walzcak, Jebril Ali, Christoph Beeck (alle Kreisvorstand) und Benjamin Raschke (Ratsherr) informierten sich über die Besonderheiten des ÖPNV in einer Lage am Meer und rund um die Kieler Förde.

Schon beim Betreten des Betriebsgeländes geht es besonders los: Wenn man an der Kaistraße nach dem Gebäude der SFK sucht, wird man beim Blick in die Häuserreihe nicht fündig, sondern muss auf die Hörn blicken. Der Geschäftsführer der SFK, Andreas Schulz, und der Betriebsleiter, Ansgar Stalder, begrüßten uns auf dem dort schwimmenden Ponton, auf dem alle Werkstätten, Verwaltungsräume und Sozialbereiche untergebracht sind, sodass die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit auch abseits der Schiffe immer das Wasser im Blick haben. Seit Jahren spart diese clevere Lösung viele Mietkosten. Nach einem kleinen Rundgang durch dieses Hausboot erläuterten uns die beiden in einem Vortrag die Geschichte, Struktur und grundsätzliche Herausforderungen des Unternehmens.

Vor etwa 20 Jahren wurde die SFK aus der damaligen Kieler Verkehrs AG herausgelöst und ist eine 100%-Tochter der Landeshauptstadt Kiel. Die 52 Mitarbeiter, davon im seemännischen Bereich nur Männer, obwohl man sich über weiblichen Nachwuchs freuen würde, erwirtschaften im Jahr über 7 Mio Euro Umsatz, davon 75% durch das Schleppgeschäft. Die Erlöse aus diesem ermöglichen die Durchführung des defizitären Wasser-ÖPNVs, der auf eigenes Risiko ohne Verkehrsvertrag angeboten wird. Aktuell gibt es die Schwentinelinie (F2), die ab Reventlou in 10 Minuten bei kostenloser Fahrradmitnahme nach Dietrichsdorf übersetzt und gut durch Studierende angenommen wird, sowie die Fördelinie (F1), die ab dem Bahnhof acht und im Sommer sogar elf Anleger bis Strande und Laboe miteinander verbindet. Da qualifizierter Nachwuchs häufig schwierig zu bekommen ist, bildet die SFK selbst (aktuell drei) Mechaniker aus und bietet den Beschäftigten Weiterbildungen an, mit denen sie an der Seefahrtschule in Bremen Patente erwerben können. Im Laufe der Unternehmensgeschichte gelang es, aus einem Millionendefizit einen Überschuss zu machen und ein besseres Angebot zu unterbreiten als durch private Partner, was zeigt, dass auch der Staat mit seinen Betrieben erfolgreich sein kann. Trotz des Defizits und der geringen Frequentierung durch Passagiere waren sich alle einig, dass die Fördeschifffahrt zum Kieler Markenkern gehört und den besonderen Charme der Stadt unterstreicht. So erinnerten sich Anna-Lena und Jebril noch genau an ihre ersten Fahrten mit der Fähre an den Strand.

Um Perspektiven und Probleme ging es auch im sich anschließenden Gespräch. Christoph fragte nach Ausbaupotenzialen zur besseren Verknüpfung der Ufer und zur Entlastung des Busverkehrs. In der Förde ist eine schnellere Fahrt der Fähren mit wesentlichen Zeitersparnissen nicht umsetzbar, sodass die Fähren weiterhin in der Regel für eine vergleichbare Strecke deutlich länger als Busse der KVG brauchen. Auch eine dichtere Taktung oder mehr Querverbindungen bedeuten für das Unternehmen zwar deutlich höhere Kosten, bringen aber kaum neue Passagiere. Einen leichten Zeitgewinn und eine bessere Nutzbarkeit und damit vielleicht einen leichten Anstieg der Fahrgastzahlen werden die ab 2018 neu zu beschaffenden Schiffe sein, die barrierefrei, mit besserem Einstieg, mit mehr Raum für Fahrräder und sogar noch umweltfreundlicher als jetzt schon sein werden. Für das kleine Unternehmen bedeutet dies aber auch einen großen finanziellen Aufwand, der zu einem zeitweisen Zuschussbedarf durch die Stadt führen kann. Auch wenn unsere Ideen sich fürs Erste in Luft aufgelöst haben, konnte man sehr schön den Sinn solcher Besuche sehen, die Ideen und Theorien gleich hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit abklopfen können. Für zukünftige Ideen bot uns der Geschäftsführer an, uns jeder Zeit mit ihm in Verbindung zu setzen.

Der Austausch blieb nicht einseitig, sondern auch wir können Anregungen mitnehmen. In letzter Zeit kommt es vermehrt zu Ausfallzeiten und teuren Reparaturen bei den Schiffen durch Angelschnüre in den Schrauben und zuletzt leider auch zu schweren Verletzungen von Mitarbeitern, die sich die Hände durch Angelhaken aufgerissen haben. Benni wird als Ratsherr klären, wie hier ein besserer Schutz umgesetzt werden kann und ob der Wunsch der SFK nach “Angel-freien Zonen” rund um die Betriebsstätten realisierbar ist.

Zur nächsten Landtagswahl setzen sich die Jusos im SPD-Wahlprogramm für mehr öffentliches WLAN ein. Diesen Schritt gehen die Verkehrsanbieter in Kiel bereits. Die SFK richtet auf ihren Schiffen das kostenlose KN-WLAN ein und auch die KVG, deren Geschäftsführer Herr Schulz ebenfalls ist, wird die Haltestellen mit Fahrgastanzeiger entsprechend ausstatten. Bei den Bussen ist das auch technischen Gründen nicht möglich. Bei diesem kleinen Abstecher in den straßengebundenen ÖPNV konnte er auch von den Plänen der KVG berichten, die Linie mit Hilfe moderner Ladetechnik an den Endhaltestellen als Erste auf einen Hybrid- und dann Elektrobetrieb umzustellen. Zur Verbesserung des Fahrkomforts und der Auslastung des Raums im Bus werden auf dieser Linie in Kürze etwas längere Busse mit vier Türen angeschafft, die den großen Andrang morgens zur Fachhochschule besser  bewältigen sollen.

Viele reden zur Zeit darüber, dass  Geflüchtete neben einem Dach über dem Kopf auch Hilfe brauchen, um sich im Alltag zurecht zu finden. Allem voran natürlich, in dem man die deutsche Sprache lernt. Doch wie sieht so ein Sprachkurs wirklich aus und wo kann man sowas überhaupt machen?

Diese Fragen führten mich zur Volkshochschule nach Kaltenkirchen, in der viele verschiedene Sprachkurse angeboten werden.

Und schon da zeigte sich der erste Knackpunkt: Integrationskurse, ESF-BAMF-Kurse, DeuFöV, STAFF.SH, städtische Initiativen (Politische Bildung für Geflüchtete als Deutschunterricht nach der Erstorientierung, kurz: PFaDE). Verschiedene Ebenen kümmern sich darum, dass Sprachkurse von Träger*innen wie der Volkshochschule angeboten werden können. Und keiner ist gleich. Die Integrationskurse und die BAMF-Qualifizierungen sind nur für anerkannte Geflüchtete offen. Die STAFF-Kurse des Landes seit kurzem zum Glück auch für die, deren Status noch nicht geklärt ist. Und die Stadt Kaltenkirchen nimmt auch selbst in die Hand, um Maßnahmen zu fördern. Zu allem Überfluss werden alle Kurse deshalb auch verschieden abgerechnet. Höhe Verwaltungsaufwendungen sind dadurch vorprogrammiert. Doch die werden gar nicht bezahlt, sondern nur die Kosten der Dozent*innen abgerechnet. Je mehr Kurse angeboten werden (was ja gut ist, um allen ein Angebot zu machen), desto größere Probleme hat die Volkshochschule, das organisatorisch zu stemmen.

“Wie spät ist es?”

Mein erster Weg führt mich an diesem Tag in einen STAFF-Kurs. Hier ist zudem besonders, dass es sich nicht nur um Geflüchtete handelt, die noch nicht wissen, ob sie bleiben dürfen. Allein das ist schon ein Problem. Wer ziemlich sicher bleiben darf (z.B. Syrer*innen) bekommt ein schnelleres Verfahren. Genauso wie die, die ziemlich sicher nicht bleiben dürfen. Aber was ist mit dem Ägypter, der in seinem Land um sein Leben fürchten muss? Was ist mit den afghanischen Müttern, die nicht nur Sprachkurs und Kindererziehung vereinbaren müssen, sondern auch neuerdings das geregelte Verfahren durchlaufen müssen und nicht mehr sicher sein können, ob sie wirklich blieben dürfen, obwohl sich nichts an den Fluchtgründen geändert hat, als sie vor zwei Jahren (!) nach Deutschland gekommen sind?

Sondern besonders ist auch, dass alle, die in diesem Kurs sitzen, um deutsch zu lernen, nie in ihrer Muttersprache gelernt haben, zu lesen und zu schreiben. Ein Alphabetisierungskurs. Die Dozentin ist Deutsche und spricht auch nur deutsch. Eine ehemalige Lehrerin. 15 Menschen, die teilweise wenige Wochen, teilweise mehrere Jahre hier sind. Alle lernen JETZT das erste Mal richtig deutsch.

Das Thema war an diesem Tag die Uhrzeit, eines der schwierigeren Themen in solchen Kursen, wie man mir sagte. Als Muttersprachler kaum vorstellbar, wie schwer es sein kann, die Uhr zu lesen und auf die Frage “Wie spät ist es?” zu antworten. Mit dem Hilfsmittel einer analogen Holzuhr ausgestattet übte die Gruppe akribisch, die Zeit abzulesen. Dreieinhalb Stunden waren zu diesem Zeitpunkt schon vergangen, als ich dazu kam, meine Begleitung, selbst Flüchtling aus Syrien und inzwischen Freiwilligendienstler in der VHS, der die arabischen Randbemerkungen übersetzen konnte, flüsterte mir nur zu “er sagte, ihm ist schon ganz schwindelig mit den ganzen Zahlen”.

Aber ich habe auch erlebt, dass Kommunikation trotz Barrieren nicht nur funktioniert, sondern man auch konzentriert lernen kann trotz der Hürde. Und, dass alle bis in die Haarspitzen motiviert waren und sich über jedes falsch ausgesprochene Ö oder Ü (“Es ist zwölf Uhr fünfzehn”) ehrgeizig ärgerten.

Die Zeit läuft uns davon

Mir wird berichtet, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine Erhöhung der Honorare für DaZ-Dozent*innen auf 35 Euro vorgenommen und so den Markt der freien Dozent*innen kräftig durcheinander gebracht hat. Offenkundig, um den Anreiz zu erhöhen, sich durch Zusatzqualifikationen, die dafür notwendig sind, weiterzubilden und so den großen Bedarf für Sprachunterricht zu decken. Dass die Honorare im ‘herkömmlichen’ Bereich teilweise deutlich darunter liegen, löst auf die gesamte Sparte einen großen Druck aus. Letztlich kommt es den Dozent*innen zu Gute, die sicher auch in ihrer Selbstständigkeit mehr Sicherheit durch höhere Entgelte verdient haben. Aber der ‘Preisschock’, den das BAMF dadurch ohne Vorwarnung ausgelöst hat, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren sicher auf die Landschaft der Volkshochschulen auswirken und es bleibt bislang unklar, wie sich die Angebotsbreite dadurch entwickeln wird, insbesondere für den Fall, wenn irgendwann wieder weniger Deutschlehrer*innen für Sprachkurse gebraucht werden.

Denn neben der großen Aufgabe der Sprach- und Integrationsförderung hat die Volkshochschule auch ein Kerngeschäft, das weiterhin unter Druck steht. Erfreulich ist es dabei allerdings, dass die großen, hauptamtlichen Volkshochschulen wie in Kaltenkirchen den Schritt gewagt haben, die Dozent*innen im Bereich der Sprachkurse fest anzustellen und so sichere Arbeitsbedingungen, aber auch bessere Planbarkeit der Angebote geschaffen haben.

Andere Länder, andere Sitten

Im zweiten Kurs, in dem ich hospitierte, war das Niveau deutlich höher. Zudem war es ein Tandemkurs mit Online-Lernmodulen. Eine kleine Gruppe wurde aus einem anderen Kurs zur Vertiefung gesondert unterrichtet. Alle haben das Ziel, das Sprachniveau B1 zu erreichen. Denn ohne B1 hat man es verdammt schwer, einen Job zu finden. Die Aufgabe war es, einen deutschen Text zu lesen.

Erst Wort-Verständnis: Kenne ich alle Wörter und was bedeuten sie? Zur Hilfe genommen werden durfte der Google-Übersetzer. Da auch alle (inzwischen)  wussten, dass dieser nicht immer richtig und noch seltener mehrdeutige Worte korrekt wiedergibt, waren alle sehr umsichtig damit. Er hilft, Anhaltspunkte zu bekommen für ein unbekanntes Wort. Nicht perfekt, aber häufig doch zumindest ausreichend. Gemeinsam wurde der Text abschnittsweise laut vorgelesen.

Im zweiten Schritt das Text-Verständnis: Was steht da eigentlich drin? Was bedeuten die Aussagen? Der Text handelte von der Einteilung des Biologen Desmond Morris von Nationen in Arm-Zonen, also danach, wie nah man sich gegenüber stehen kann, ohne dass z.B. ein Gespräch unangenehm wird. Das war quasi der dritte Schritt im zweiten: Die Teilnehmer bekamen gleichzeitig vermittelt, dass es verschiedene, kulturelle Umgangsformen bei Gesprächen in verschiedenen Ländern gibt. Wieder gemeinsam wurden dann an der Tafel nochmal tabellarisch festgehalten, welche Ländern in welche Arm-Zonen eingeteilt werden, was damit kulturell ‘erlaubt’ und was nicht ist. Den wenigsten fiel dies leicht. Auch hier merkte man, wie schwer es ist, die deutsche Sprache zu verhandlungssicher lernen zu können, um ohne Probleme eine Job aufnehmen zu können.

Gut Ding will Weile haben

Wo liegen in Zukunft die Herausforderungen im Bereich der Kurse für Flüchtlinge?

Organisatorisch wird sich bei der Gestaltung der Kurse, die das BAMF anbietet, einiges verändern. Die Regulären BAMF-Kurse in Vollzeit fallen in Zukunft weg, die Teilzeitkurse können noch bis Ende 2017 beantragt werden, somit ist damit spätestens nach dem letzten Durchlauf der Kurse Mitte 2018 Schluss. Wohlgemerkt: Kurse, die funktionieren, mit denen die Träger vielfältige Erfahrungen gemacht haben, und vor allem: Kurse, in denen die Geflüchteten bis zu 600 Unterrichtsstunden haben, um eine Qualifikation zu erwerben.

Das neue ‘Zauberwort’ heißt nun DeuFöV: Die Verordnung über die berufsbezogene Deutschsprachförderung ist seit Juli 2016 in Kraft. Die ersten DeuFöV-Kurse laufen an, allerdings nicht in Kaltenkirchen. Hier setzt man noch auf die bewährten Kurse. Nicht zuletzt, weil die neuen DeuFöV-Module nur noch 300 Stunden umfassen. Schon jetzt schaffen bei weitem nicht alle den Kurs beim ersten Mal, einige müssen sich nochmal prüfen lassen und Teile wiederholen. Das heißt: mit DeuFöV und seinen deutlich geringem Stundenumfang ist das Scheitern vorprogrammiert. Auch als Laie in diesem Thema und den Einblicken in die beiden Kurse ist mir klar: das kann nicht funktionieren.

Was noch nicht funktioniert, ist, dass diejenigen, die unterrichten sollen, ausgebildet werden. Für die neuen Kurse werden Qualifikationen vorausgesetzt, die viele formal erst noch erwerben müssen. Das absurde dabei ist, dass einige sogar selbst solche Weiterbildungen anbieten könnten, auch wenn sie die Qualifikation formal nicht haben, aber auch das nicht dürfen. Die beiden Einrichtungen, die im Auftrage des BAMF solche Fortbildungen anbieten, sind heillos ausgebucht. Kurse können teilweise nicht starten, weil Menschen, die qualifiziert sind, aber das nicht im Sinne des BAMF schwarz auf weiß haben, auf ihre eigene Fortbildung warten müssen, die sie aber eigentlich gar nicht brauchen. Die Volkshochschule Kaltenkirchen hat sogar angeboten, ein weiteres Schulungszentrum einzurichten, um den großen Bedarf zu decken. Das Fachpersonal, um solche Fortbildungen anbieten zu können ist da, aber ein neues Schulungszentrum nicht gewollt. Die Bürokratie macht sich das Leben selbst schwer und das System instabil.

Hinzu kommt, dass der große sozialpädagogische Bedarf, Trauma-Begleitung und Hilfe bei der Bewältigung der Alltagsaufgaben nur im Ansatz Teil der Angebote ist. Das wird eine Mamut-Aufgabe werden. In den Kursen sitzen sehr häufig sehr viele traumatisierte Frauen und Männer, denen nicht geholfen wird, mit ihrer Situation umzugehen. Aber wie soll ich mich darauf konzentrieren können, deutsch zu lernen, wenn ich immer noch nicht überwunden habe, was sich in meinen Kopf eingebrannt hat, was mich jeden Tag belastet? Die Menschen, die ich in den Kursen getroffen habe, haben teilweise schlimmes erlebt. Sie wissen nicht, ob ihre Ehemänner noch leben, ob die Familie, die zurückgeblieben ist, noch da ist. Die Bombenangriffe aus nächster Nähe erlebt haben und zum Teil dadurch auch körperlich geschädigt sind. Damit umzugehen und diesen Menschen auch dabei zu helfen, wird eine große Aufgabe der nächsten Jahre sein.

Ich habe mutige und ehrgeizige Menschen kennengelernt, die froh sind, dass sie endlich Deutsch lernen können, unter anderen Menschen sind, die sie verstehen, die mit Herzblut dabei sind und sich nicht unterkriegen lassen, obwohl andere vielleicht schon bei der Hälfte der Probleme, die diese Menschen in ihrem Alltag bewegt, in die Knie gezwungen worden wären. Ich habe engagierte und gesellschaftlich verantwortungsbewusste Menschen kennengelernt, die nicht auf die Uhr schauen, wenn es mal länger im Büro wird. Die sich mit jedem und jeder einzeln beschäftigen, motivieren und unterstützen. Die sich selbst durch die kompliziertesten bürokratischen Hürden nicht kleinkriegen lassen und es nehmen, wie es kommt.

Alexander Wagner

Am Donnerstag besuchten Jana Stuth (Landesvorsitzende der Juso Schülerinnengruppe), Lars Schalnat (Stv. Landesvorsitzender der Jusos S-H und Vorstandsmitglied der SPD Lübeck), Simon Bull (Landesvorstandsmitglied der Jusos S-H), sowie Simon Walter (Lübecker Juso) gemeinsam mit Kerstin Metzner (SPD Bürgerschaftsfraktion und Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke) im Rahmen der Praxiswoche die Stadtwerke Lübeck.

swhl2Mit fast 150 Jahren Unternehmensgeschichte sind die Stadtwerke Lübeck eines der ältesten kommunalen Stadtwerke Unternehmen in Deutschland.  1250 Mitarbeiter*innen davon 53 Auszubildende sowohl in Vollzeit, als auch in Teilzeit versorgen rund 130.000 Haushalte mit Wärme, Strom, und Gas. Außerdem alle Haushalte in und um Lübeck mit sauberem Trinkwasser. Außerdem befördert der Stadtverkehr als Teil des Konzerns rund 23 Millionen Fahrgäste jedes Jahr und sorgt damit für die Mobilität der Lübecker*innen.swhl5

35 Millionen Euro werden jährlich wieder in den Konzern und die Region Lübeck investiert, dazu kommen über 50 Millionen Euro Steuern jährlich die an Stadt, Land und Bund direkt durch das Unternehmen gezahlt werden. Die gesamte Wertschöpfung des 100%tig kommunalen Unternehmens für die Region betrug 2015 rund 130 Millionen Euro. Damit sind die Stadtwerke nicht nur Teil der Daseinsvorsorge in und um Lübeck, sondern auch wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.  Die Ausbildung findet deutlich über dem Bedarf statt, und nach Gesprächen mit Auszubildenden des Betriebes können wir sagen: Hier sind die Mitarbeiter*innen sehr zufrieden mit den Arbeitsverhältnissen und auch den neuen und modernen Büros der Stadtwerke die 2015 eingeweiht wurden.

swhl7

 

Im Bereich der E-Mobilität will der Stadtverkehr bis 2030 zu 100% auf Elektrobusse umgestiegen sein, auch diese Projekte müssen bei zukünftigen eventuellen Ausschreibungen des Öffentlichen Nahverkehrs in Lübeck berücksichtigt und speziell gefördert werden. Auch wenn bei derzeitigen Spritpreisen und insbesondere den hohen Anschaffungspreisen von Elektrobussen noch die konventionellen Busse günstiger fahren.

Wir stehen bei den Stadtwerken. Wenn wir die Energiewende wollen muss die Politik klare und verlässliche Zeichen setzen, um sie auch vor Ort und im Detail umzusetzen.

 

 

 

 

Im Rahmen der Praxiswoche besichtigten Lars Schalnat und Simon Walter das Familienunternehmen Mankenberg. Seit 1885 existiert dieses Unternehmen und stammt ursprünglich aus Heide, über Stettin wanderte das Unternehmen in der Endphase des 2.Weltkrieges eher unfreiwillig nach Lübeck und ist seitdem erfolgreich in Lübeck angesiedelt. Mankenberg entwickelt und exportiert Armaturen und Ventile jeder denkbaren Größenordnung mittlerweile weltweit und kann daher als einer der „Hidden Champions“ der Lübecker, und auch der Deutschen Industrie bezeichnet werden.

190 Mitarbeiter, 12% davon Auszubildende, 17% Ingenieure oder Techniker, fast 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr in und um Lübeck und damit ein starker Arbeitgeber Wirtschaftsfaktor für Lübeck und die umliegenden Gemeinden.

Seit 1945 lernten hier über 554 Menschen ihren Beruf und bestritten ihr Berufsleben zu großen Teilen auch langjährig innerhalb des Familienbetriebes. Damit dies auch weiterhin eine solche Erfolgsstory bleibt setzt das Unternehmen auf eine enge Verzahnung mit Schulen, Berufsschulen und Hochschulen in und um Lübeck.

Als klare Forderungen an die Kommunal- und Landespolitik stellt der Betrieb den Breitbandausbau, noch immer gibt es im größten Gewerbe- und Industriegebiet Schleswig-Holsteins keinen flächendeckenden Ausbau von Breitband Internetanschlüssen, Glasfaser ist noch weniger vorhanden. Auch der Öffentliche Nahverkehr muss aus Sicht der Firma wieder ausgebaut werden, besonders Azubis die oftmals kein Fahrzeug besitzen haben Schwierigkeiten außerhalb der Kernzeiten in das Industriegebiet zu kommen. Aber auch die Bürokratie beim Ankauf weiterer noch freier Flächen im Gewerbegebiet bereiten dem Unternehmen Schwierigkeiten bei der Planung einer langfristigen Zukunft.

Dennoch erwartet das Unternehmen eine Umsatzsteigerung um rund 25% bis 2020, dabei werden auch weitere gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze für die Region Lübeck entstehen.

dsc_2119-01

Mitarbeiter Herr Jabek, Simon Walter, Lars Schalnat, Geschäftsführer Axel Weidner

Im Rahmen der Praxiswoche hat Torben von den Jusos Stormarn Ute Sauerwein-Weber, die Leiterin der Volkshochschule in Bargteheide, besucht. Dabei hat er viel über die Aufgaben einer Volkshochschule und ihren gesellschaftlichen Wert gelernt. Außerdem hat er politische Forderungen mitgenommen.

Die Volkshochschulen sind in Deutschland der größte Anbieter von Erwachsenenbildung. Ihr Angebot spricht Menschen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen an. Die sechs großen Bereiche, die jede VHS abdeckt, sind Gesellschaft, Beruf & Karriere, Sprachen, Gesundheit, Kultur und die „junge VHS / Familienbildung“.  Alleine im Kreis Stormarn gibt es elf Volkshochschulen mit über 800 Dozent_innen. Alle Fachbereiche sind gleichberechtigt, wobei der größte in Bargteheide der Bereich Gesundheit ist

Ein Angebot für alle Altersgruppen

Volkshochschulen haben ein verstaubtes Image – dabei gibt es so viele Angebote, die für jeden Menschen nützlich sind. Beispielsweise wird der Bereich Digitale Gesellschaft durch die VHS abgedeckt. Es gibt Kurse zum richtigen Umgang mit dem Internet und wie es möglich ist, bei all den digitalen Erneuerungen mitzuhalten. Denn während junge Menschen in Schulen und Universitäten immer auf den neuesten Stand gebracht werden, fühlen sich Erwachsene schnell abgehängt.

Auf aktuelle Themen reagieren

Die VHS Bargteheide reagiert mit ihrem Programm immer wieder auf wichtige Themen in der Gesellschaft. Im kommenden Monat finden zum Beispiel Veranstaltungen unter dem Titel „Rechtspopulismus als neue politische Herausforderung“ und ein Besuch der Gedenkstätte Neuengamme, Außenstelle Strafanstalten Fuhlsbüttel statt. Mit diesen wichtigen Veranstaltungen werden aktuell politische Themen bearbeitet aber auch ein Bewusstsein für die Vergangenheit geschaffen.

Integration meistern

Ein großes Arbeitsfeld sind auch die Integrationskurse, wobei diese nicht mit den seit kurzem Angebotenen STAFF (Starter Pakt für Flüchtlinge) gleichzusetzen sind. Die Integrationskurse behandeln ein 600 stündiges (+100 Orientierungsstunden) Angebot für EU- Bürger_innen und „Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive“ und werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert. Ein Problem für die VHS ist die Finanzierung. Obwohl das Geld vom BAMF kommt, muss das Geld meist für vier Monate ausgelegt werden, da es sich um eine Rückerstattung handelt. Einfacher wäre eine Vorfinanzierung von Seiten des BAMF’s, um sich der Herausforderung von knappen Mitteln zu entziehen. Außerdem fehlt es an Räumen, um noch mehr Integrationskurse anzubieten.

Neu sind die STAFF-Kurse (Starter Paket für Flüchtlinge). Diese wurden auf Initiative des VHS-Landesverbandes eingerichtet und werden mit einer pauschalen Summe pro Kurs mit Mitteln des Landes Schleswig Holstein finanziert. Diese sind für Menschen gedacht, denen es aufgrund ihres Herkunftslandes nicht möglich ist an den Integrationskursen teilzunehmen. So bekommen auch sie erste Einblicke in die deutschen Kultur und Bürokratie sowie in die deutschen Sprache..

Volkshochschulen mitdenken!

Während die Bildung von Kindern und Jugendlichen meist im Mittelpunkt von Landtagswahlprogrammen steht, bekommt die Erwachsenenbildung und damit auch die Volkshochschulen als größter Träger eher weniger bis gar keine Aufmerksamkeit. Hier muss noch viele politische Arbeit geleistet werden, um die Wertschätzung für Volkshochschulen zu erhöhen. Im aktuellen Koalitionsvertrag der Landesregierung tauchen Volkshochschulen zum Beispiel kaum auf. Arbeitsbünde berücksichtigen immer Vertreter_innen der Kinder und Jugendarbeit, aber nicht Vertreter_innen der Volkshochschulen. Auch hier sollte öfter an die VHS gedacht werden, um ihre Rolle auf kommunaler Ebene zu stärken.

Auf die augenzwinkernde Frage: „Warum ist Ihre Arbeit die allerwichtigste Arbeit?“ antwortete Ute Sauerwein-Weber: „Weil ich an einer Schaltposition Sitze. Ich treffe so viele Leute und lerne so viele Schicksale kennen, die ich temporär beeinflussen kann. Außerdem kann ich direkt auf Sorgen und Nöte der Menschen eingehen und maßgeschneiderte Angebote liefern.

Ein Bericht von Torben Hermann, Kreisvorsitzender der Jusos Stormarn.