Seit wann sind wir selbst in der Bildungspolitik bereit, Kompromisse einzugehen? Seit wann sind wir selbst in ursozialdemokratischen Themen bereit, klein bei zu geben und einen Mittelweg zu suchen?
Wir Sozialdemokrat_innen hatten schon immer eine klare Meinung zu Bildung: Wir wollen gerechte Bildung für jede und jeden. Dazu gehört aber auch, dass wir allen Schüler_innen die Möglichkeit zur freien Entfaltung geben, dass die Individualität aller gefördert wird und dass über den Schwerpunkt der eigenen Bildung selbst entschieden werden kann. Immer und überall haben wir genau diese Forderung vorgetragen.
Wie kann dann durch das Regierungsprogramm das Konzept der Profiloberstufe nur verändert und nicht abgeschafft werden? Im aktuellen Entwurf des Programms finden wir:
„Wir werden in der Profiloberstufe mehr Wahlmöglichkeiten einführen und die Möglichkeiten der Schwerpunktbildung für die Schülerinnen und Schüler verbessern.“
Dass die Profiloberstufe an sich ein reines Sparmodell ist, durften bisher genügend Schüler_innen am eigenen Leib erfahren. Die Profiloberstufe hat jegliche Wahlmöglichkeit – bis auf die Wahl des Profils – genommen, es müssen Fächer bis zum Abitur „abgesessen“ werden, die man sonst niemals belegt hätte. Zwar werden viele Themen nur halbwegs angeschnitten und nicht wirklich behandelt, aber trotzdem muss selbst das, was einem_einer nicht liegt, gelernt werden, weil es in das Abiturzeugnis eingeht. Kaum ein Fach kann abgewählt werden und den Fächern, wegen der man das Profil gewählt hat, wird nicht genügend Zeit gegeben. Die Profiloberstufe überzeugt weder durch die individuelle Wahl der Fächer noch durch die Möglichkeit, zu entscheiden, welche Noten im Abiturzeugnis stehen sollen. Schließlich steht man am Ende der Schulzeit da und hat keine Lust mehr, die Schwerpunkte zu vertiefen. Die Lust am Lernen ist dank Bulimielernen vergangen, auf das gewonnene „Allgemeinwissen“ kann man auch nicht bauen. Ein solches Schulsystem geht nicht auf die Lernenden ein und vermittelt ihnen nicht das, was unter gerechter Bildung zu verstehen ist.
Die Forderung nach mehr Wahlmöglichkeiten ist sehr schwammig. Wieso muss man sich ein Schulsystem, das auf ganzer Linie versagt hat, solange zurecht biegen, bis man gerade so damit leben kann? Seien wir doch endlich konsequent und beschließen folgenden Änderungsantrag:
„Wir wollen zum Kurssystem in der Oberstufe zurückkehren.“
Denn wenn wir jetzt nicht konsequent sind und wieder zu einem gerechten und individuell zu gestaltenden Schulsystem zurückkehren, dann müssen die Schülerinnen und Schüler schon bald die Konsequenzen dieser Entscheidung tragen.
Also: Weg mit der Profiloberstufe und zurück zum Kurssystem!

 

In Goethes “Faust” richtet Gretchen jene Frage an Faust, um herauszufinden, wie es dieser mit dem Christentum hält. Ich als Jungsozialistin stelle die Frage der Landes-SPD und frage: sag´ Mutterpartei, wie hältst du es mit dem Religionsunterricht an Schulen?

Wir alle leben in einer Gesellschaft, die wir mit kultureller und religiöser Vielfalt prägen – seien es nun Christ_innen, Muslim_innen oder Atheist_innen. Die Gesellschaft hat einen kulturellen Wandel erfahren, den wir keinesfalls missen wollen. Doch sind die soziale sowie kulturelle Vielfältigkeit und ihre Vermittlung noch nicht überall vollends angelangt und machen noch Halt vor den Pforten vieler Schulen. So gestalten diese ihren Religionsunterricht meist immer noch mit auf dem Christentum befindlichen Schwerpunkt. Dabei wird verkannt, dass der Religionsunterricht heutzutage differenzierter betrachtet und anders definiert werden muss.

Ziel ist es hierbei selbstverständlich nicht, die Sinnhaftigkeit sowie den pädagogischen Wert ethisch-religiöser Bildung, die in Schulen nun einmal stattfindet, in Abrede zu stellen, sondern nur einen Anstoß in die richtige Richtung zu geben. Der Schule kommt ein Bildungsauftrag zu – ohne Frage. Aber es ist in Zweifel zu ziehen, ob diesem Bildungsauftrag mit einem konfessionsgebundenem Religionsunterricht noch Rechnung getragen werden kann. Wir Jusos verneinen dies und sind der Überzeugung, dass ein konfessionsgebundener Religionsunterricht der gesellschaftlichen, religiösen Vielfalt nicht gerecht wird und eben nicht jede_n Schüler_in erreicht. Dabei geht es doch gerade in Schulen darum, mit allen Schüler_innen Toleranz, Akzeptanz und Weltoffenheit zu erfahren und diese Werte gemeinsam zu leben sowie zu vermitteln! Die Schule ist in der heutigen Zeit nicht lediglich ein Raum, in dem Lehr- und sachliche Lernprozesse stattfinden. Die Schule stellt vielmehr eine Begegnungsstätte der Kulturen dar, wo junge Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion aufeinander treffen und Umgang miteinander finden. Gerade hier müssen interreligiöse Dialoge gefördert und gelebt werden. Gerade in diesem Raum können Verständnis sowie Toleranz für die jeweilige Weltanschauung gefördert und erzeugt werden. Dieser Prozess des Verstehens und gegenseitigen Respekts kann nur durch Wissen sowie Kenntnisvermittlung über die jeweilige Religion, durch Gleichberechtigung aller Weltanschauungen und einem Dialog erfolgen und stattfinden. Jede_r muss sich angesprochen, eingebunden und mitgenommen fühlen – und zwar unabhängig von der Konfession.

Daher ist der konfessionsungebundene Religionsunterricht als sinnvoll und zweckförderlich zu erachten, der alle Weltanschauungen und Religionen auf der gleichen Augenhöhe behandelt und den interreligiösen Dialog aktiv und lebensnah fördert. Als mittel- und langfristiges Ziel ist der allgemeine Ethikunterricht anzustreben.

Faust antwortete auf die Frage des jungen Gretchens: “Lass das, mein Kind!”. Wir hoffen, dass uns die Landes-SPD auf dem kommenden Landesparteitag am 3./4. Februar eine andere Antwort präsentieren wird und die Frage des konfessionsungebundenem Religionsunterricht und Ethikunterrichts nicht zur Gretchenfrage wird.

 

Wollen wir eigentlich kostenfreie Bildung? Natürlich kann es für Sozialdemokrat_innen nur eine Antwort geben. Klar wollen wir das! Wir glauben an Aufstieg und gesellschaftliche Teilhabe durch Bildung, egal für wen, egal wo in unserem „Lieblingsland“.
Aber: Wenn Bildung wirklich im ganzen Land kostenlos sein soll, dann muss auch der Weg zur Bildung frei sein. Anders formuliert, Schulbusbeförderungskosten sind für die Tonne!

Was steht dazu in unserem aktuellen Wahlprogramm-Entwurf?
„Der (Fahrt-)Weg zur Schule gehört für uns zu kostenfreier Bildung dazu. Wir werden die Verpflichtung der Kreise zur Erhebung eines Elternbeitrages zu den Schülerbeförderungskosten wieder abschaffen.“
In den vergangenen Monaten konnten wir beobachten, zu was die schwammigen Regelungen der schwarz-gelben Regierung geführt haben. Nicht zuletzt aufgrund mutiger Beschlüsse von Sozialdemokrat_innen klagten zuletzt sogar Kreistage gegen das Land.

Die Jusos fordern hier klare Verhältnisse. Es muss deutlich werden, wer für die Schulbuskosten einzustehen hat. Vor allem muss aber klar sein: Eltern und Schüler_innen tragen die Kosten nicht!
Deswegen haben wir Jusos uns bei unserer Landeskonferenz am 14./15. Januar für folgenden Änderungsantrag zum Regierungsprogramm entschieden:

„Die Schülerbeförderungskosten sollen für alle Schülerinnen und Schüler vom Land übernommen werden.“

Lasst uns auf unserem Landesparteitag in Lübeck ein Zeichen setzten, dass kostenfreie Bildung nicht vom Wohnort abhängt. Sie beginnt an der Haus- und nicht der Schultür!

„0 Zapft is“ war gestern, Heute beschnüffeln wir also schon unsere Beamten, Angestellten und Schüler. Nach Recherchen von Netzpolitik.org haben die Kultusminister der Länder einen Rahmenvertrag mit den Rechteinhabern geschlossen der es in sich hat. Er regelt explizit den Einsatz von Schnüffel-Software auf Schulrechnern.

Beim oben genannten Vertrag handelt es sich um den „Gesamtvertrag
zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen nach § 53 UrhG“
, soweit nichts spannendes, wir setzen urheberrechtlich geschütztes Matrial im Unterricht ein, dieses wird in der Regel vergütet. Brisant wird es aber wenn man sich den Paragraphen 6 Absatz 4 auf der Zunge zergehen lässt:

„Die Verlage stellen den Schulaufwandsträgern sowie den kommunalen und privaten Schulträgern auf eigene Kosten eine Plagiatssoftware zur Verfügung, mit welcher digitale Kopien von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken auf Speichersystemen identifiziert werden können. Die Länder wirken – die technische und datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit der Software vorausgesetzt – darauf hin, dass jährlich mindestens 1 % der öffentlichen Schulen ihre Speichersysteme durch Einsatz dieser Plagiatssoftware auf das Vorhandensein solcher Digitalisate prüfen lässt. Der Modus der Auswahl der Schulen erfolgt – aufgeschlüsselt nach Ländern und Schularten – in Absprache mit den Verlagen auf Basis eines anerkannten statistischen Verfahrens. Die Überprüfungen erfolgen ab Bereitstellung der Software, frühestens jedoch im 2. Schulhalbjahr 2011/2012“

Solch ein Eingriff ist unverhältnismäßig und sicher auch Verfassungswidrig. Der Eingriff in die Rechte der Nutzer durch das unbemerkte Ausschnüffeln von Schulrechnern steht in keinem Verhältnis zum möglichen Schutz der Rechte der Urheber.Es gibt andere Methoden um die Interessen der Rechteinhaber zu schützen. Besonders ärgerlich ist der Generalverdacht der den Lehrern und Schülern entgegengebracht wird.

Allerhöchstens vorstellbar wären z.B. unangekündigte Stichproben vor Ort im Beisein von Personalrat, dem Datenschutzbeauftragten der Schule sowie der betroffenen Lehrkräfte.
Hier würde mit offenen Karten gespielt.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum eine solche geheime und damit intransparente Methode angewandt werden soll, deren Risken noch dazu nicht abschätzbar sind. Es bleiben viele Fragen offen:

Der DGB prangert den Deutsche Hotel- und Gaststättenverband an schlecht auszubilden.
63% aller Auszubildenden in Gaststätten arbeiten wöchentlich über 40 Stunden, häufig sogar ohne Ausgleich. 

Wenn man sich darüber hinaus überlegt, dass Auszubildende in Gaststätten sehr geringe Ausbildungvergütungen bekommen, kann man zu dem Schluss kommen, dass häufig für Arbeitgeber im Gaststättengewerbe Jugendliche nur eine günstige Arbeitskraft sind. Die Vermittlung von Wissen rückt dadurch an den Rand.

Auch angehende Auszubildende scheinen dies begriffen zu haben. Früher beliebte Ausbildung wie z.B. die des Koches konnten in den letzten Jahren oft nicht vergeben werden.

Grund genug für den Hotel- und Gaststättenverband sich Gedanken zu machen, wie eine erfolgreiche Ausbildung in Ihrem Gewerbe aussehen sollte. Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen.

Wir fordern daher den Fokus der Ausbildung in die Vermittlung von Wissen zu legen, bei einer angemessen Vergütung. Mehrleistungen sind dabei gerecht auszugleichen. Der Jugendschutz hat höchste Priorität zu genießen.

Der Tatort_Zukunft – Deine Zukunft, deine Meinung!

Sei auch du dabei, wenn sich viele verschiedene Jugendliche zu vielen verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Themen austauschen und mit tollen Referenten und Referentinnen  diskutieren. Du musst kein Mitglied einer Organisation sein! Je mehr Meinungen, desto besser die Diskussion!

Angeboten werden 9 “Tatorte”, so heißen die Workshops, zu den Themen Bürgerrechte, Kultur, Umwelt und Bildung. Gemeinsam haben die alle, dass es um Zukunftsthemen geht, die von der Politik immer wieder vernachlässigt werden.
Beginnen tut alles am Samstag den 12. März um 10 Uhr. Am Samstag werden in den zahlreichen Workshops Positionen und Thesen erarbeitet.
Am Sonntag geht es weiter mit einer großen Podiumsdiskussion in der die Ergebnisse der Workshops präsentiert werden und von allen beraten. Diese werden dann am Nachmittag den Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Kieler Landtag übergeben.

Der Zukunftskongress findet also überall Anklang. Außerdem stehen eine Party und viele nette Gespräche auf dem Plan. Neben Politik gibt es natürlich auch die Chance auf einen persönlichen Austausch.

Ihr seht, dass auf euch viele Inhalte und viele Diskussionen warten. Seit dabei, denn es geht um deine Zukunft! Meldet euch jetzt unter www.tatort-zukunft.de zum Zukunftskongress an.