geschrieben von Alexander Wagner und Merle Stöver

Ja, ganz recht – es wird mal wieder nach einem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gesucht. Und wir meinen es genau so, wie wir es geschrieben haben: Es wird ein Bundespräsident gesucht. Es wird wieder einmal ein Mann gesucht. Ein Mann, der Deutschland repräsentiert.

Seit Anbeginn der Bundesrepublik gab es immer männliche Bundespräsidenten: Von Theodor Heuss über Gustav Heinemann, Richard von Weizsäcker, Johannes Rau bis zu Horst Köhler und Christian Wulff. Stets oblag es einem Mann, das oberste Amt der Bundesrepublik zu bekleiden, Gesetze zu unterzeichnen und abseits vom Tagesgeschäft sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen.

Johannes Rau, Bundespräsident von 1999 bis 2004, sagte am 19.4.2002 während der Jubiläumsfeier des 50-jährigen Bestehens des Deutschen Frauenrats: “Die Gleichstellung der Frau als revolutionäre Forderung passt auf jedes Plakat, sie aber durchzusetzen ist eine ganz andere Sache, die viele sachverständige Reformschritte verlangt.”

Es sei nicht im Sinne genau dieser Gleichstellung, wird einem vorgehalten, wenn man nach Vorschlägen für eine Bundespräsidentin fragt – das Geschlecht sei kein Kriterium für die Auswahl.

Eigentlich gibt es doch ganz einfache Kriterien für das Amt: Die Person muss die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, über 40 Jahre alt sein und die geeignete Qualifikation haben, um Deutschland nach innen und außen vertreten zu können. Unter diesen Voraussetzungen kann wohl kaum behauptet werden, dass all die Personen, die dieses erfüllen, auch wirklich in Betracht gezogen wurden. Denn unter den Vorschlägen war keine einzige Frau!
Uns kann niemand erzählen, dass es keine qualifizierten Frauen gibt, die diese Kriterien erfüllen.

Geschlecht sei also kein Kriterium für die Auswahl? Dann wäre es doch eine leichte Übung gewesen, sich bei der Suche nach einer parteiübergreifenden Kandidatur nach einer Frau umzusehen – im Sinne Johannes Raus als einen (!) von vielen ‘sachverständigen Reformschritten’. Gerade die SPD war in dieser Frage schon mal weiter und hat mit Gesine Schwan eine sehr geeignete Kandidatin ins Rennen geschickt. Und das nach ihrer ersten Niederlage sogar ein zweites Mal. Dies war damals wie heute ein tolles Signal.

Um keinen falschen Zungenschlag in die Argumentation zu bringen: Die Entscheidung bei der letzten Bundespräsidentschaftswahl für Joachim Gauck als SPD-Kandidat soll damit keinesfalls schlecht gemacht werden. Doch war nach dem Rücktritt Wulffs die erneute Nominierung Gaucks durch die SPD und der Coup mit der FDP tatsächlich ein Schritt in Richtung einer “Konsens-Kandidatur” oder nur ein weiterer Spatenstich auf dem Weg zur Regierungsübernahme zur Bundestagswahl 2013?

Nun müssen wir es in der öffentlichen Wahrnehmung erneut der LINKEN oder sogar den Pirat_innen überlassen, diese Lücke für sich zu nutzen. Doch auch dies bringt angesichts der Aussichtslosigkeit einer Piraten- oder LINKEN-Kandidatin keine realistische Gleichstellungsperspektive.

Wir bleiben dabei: Es ist Zeit für eine Frau!

Der Bachelor ist zurück. Immer mittwochs um 21.15 auf RTL. Damit reiht sich diese Serie in eine lange Liste von sexistischen Sendungen ein. Aber was ist gerade an „The Bachelor“ so viel schlimmer als an anderen Sendungen diesen Formats?
Es ist doch ganz einfach: Ein netter Mann lässt die Frauenherzen jeden Mittwoch Abend höher schlagen. Jung, smart, einfühlsam. Nebenbei ist Paul ein junger Millionär, der nur ein Problem hat: Er sucht nach der Liebe seines Lebens. Um die zu finden, lädt er sich 20 Frauen ein, die dann in einer Fernsehsendung um seine Liebe kämpfen. Am Ende jeder Sendung muss sich Paul dann schweren Herzens von einigen „seiner Mädchen“ verabschieden. Für sie ist dann das Abenteuer an dieser Stelle beendet, sie muss die Luxusvilla verlassen und darf Paul nur noch aus der Ferne bewundern. Aber das ist kein Problem für ihn: Er hat ja noch ein paar Frauen, unter denen bestimmt die ganz große Liebe wartet! In verschiedenen Herausforderungen schaut er sich die Frauen genau an, sucht den Körperkontakt und alle scheinen viel Spaß zu haben. Ab und zu gefällt ihm dann ein „Mädchen“ im Bikini besonders gut und er verschwindet einfach mal mit ihr. Die anderen warten im Whirlpool sehnsüchtig auf die Rückkehr der beiden – Was will Man(n) mehr!
Schöne Frauen im Bikini, ein liebenswerter Mann, der doch nur die große Liebe sucht. Nebenbei hat er halt auch noch Geld!  Also, was ist so schlimm am „Bachelor“?

Das Rollenbild, das in der Serie vertreten wird – Die „Mädchen“, wie die Frauen von Paul immer genannt werden, werden zum Spielball und warten auf die Entscheidung des „Erlösers“. Wenn Paul sie im Bikini sehen möchte, ziehen sie sich ohne nachzudenken aus. Wenn Paul am Ende der Serie nicht mehr dabei haben will, weil „es einfach nicht passt“, dann liegt die Schuld selbstverständlich bei dem „Mädchen“. Sie ist zwar kaum zu Wort gekommen, aber scheinbar sah sie im kurzen Rock nicht so aus, wie Pauls große Liebe eben aussehen müsste. Jede Laune hängt von Pauls Entscheidung ab: Wen will er daten, wen küsst er, wen will er nicht mehr sehen? Dabei entsprechen die Teilnehmerinnen alle einer typischen Norm: Taillenumfang, Bauchumfang, Körbchengröße und Beinlänge weichen kaum vom 90:60:90-Maß ab, sie haben lange Haare, das Make-up ist immer perfekt, das Outfit immer aufeinander abgestimmt. Natürlich – denn es ist nicht zu vergessen, dass die meisten Teilnehmerinnen hoffen, über die Sendung „entdeckt“ zu werden. Für dieses Ziel würden sie vieles tun.

Es ist nicht nur das Bild der Frau, was einem Klischee entspricht. Auch die Rolle, die der Mann bei „The Bachelor“ einnimmt, zeichnet ein klares sexistisches Klischee vor. Paul spricht von den „sexy Mädchen“, unter denen er sich gar nicht entscheiden kann. Um Entscheidungen zu treffen, führt er einfach manchmal ab und zu eine Frau seiner Wahl aus und küsst sie (wogegen sie sich in der Serie auch nicht wehrt). Was macht ihn aus? Er ist schön, reich, erfolgreich und charmant. Seine Kommentare gelten hauptsächlich dem Aussehen der Teilnehmerinnen in den verschiedenen Outfits, ab und zu spricht er auch davon, unbedingt den Charakter eines bestimmten „Mädchens“ kennenzulernen, davon sehen die Zuschauenden jedoch relativ wenig.

Was vermittelt die Sendung? Es geht lediglich um Geld, luxuriöses Leben, Aussehen und Oberflächlichkeit. Das formulierte eine verzweifelte Teilnehmerin ganz anders: „Die verstehen doch gar nicht, worum es hier geht! Hier geht es um die große Liebe!“. Das ist auch genau einer der Sätze, die der_die Zuschauer_in hören will. Eine solche Sendung hätte nicht solche hohen Einschaltquoten, wenn sie viele nicht so sehr ansprechen würde.

Entspannt einen Mittwoch Abend vor dem Fernseher verbringen, vielleicht sogar noch insgeheim oder gar offen und ungeniert die Frauen beurteilen – muss das wirklich sein? Muss Sexismus wirklich so alltäglich sein? Muss die Suche nach der großen Liebe wirklich so oberflächlich und sexistisch im Fernsehen vorgelebt werden?
Und vor allem: Muss man es wirklich hinnehmen, an irgendwelchen feststehenden Maßstäben gemessen zu werden? Muss der (weibliche) Körper Teil des Entertainments werden?
Die Sendung manifestiert ein extrem konservatives Rollenbild: Der Mann ist erfolgreich und wird von dem kleinen Mädchen umworben, das alles tut, um in seiner Gunst zu stehen. Über dieses Rollenbild ist unsere Gesellschaft schon lange hinweg, weswegen die Frage aufkommt, wieso uns dann so etwas noch im Fernsehen gezeigt wird. Dieses Serienformat hält sich nur dadurch aufrecht, dass es eben diese Rollenbilder reproduziert und zieht leider nach sich, dass sich viele Frauen an diesem Maßstab von einem „Traumkörper“ messen, und viel schlimmer: messen lassen müssen.
Meine Meinung ist klar: Fernsehen, das Sexismus nicht nur salonfähig macht, sondern nur darüber funktioniert, braucht niemand!

Die Teilnehmerinnen des Seminars in Malente

Die Teilnehmerinnen des Seminars in Malente

 

Ein Wochenende im Zeichen des Feminismus.

Wie wirke ich selbstbewusst? Wie bringe ich das rüber, was ich sagen will? Wie gehe ich mit sexistischen Äußerungen und Frauenfeindlichkeit um? Was ist überhaupt Feminismus? Und wer waren eigentlich Olympe de Gouges, Clara Zetkin und Rosa Luxemburg?
Um Fragen wie diese zu klären und zu diskutieren, haben sich fünfzehn Juso-Frauen am 2. und 3. Oktober in der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Bad Malente getroffen.
Mit Kira Ludwig als erste Referentin starteten wir am Sonntag in eine Rhetorik-Einheit.
Für einige in der Gruppe war es ein neues Gefühl, nach vorne zu gehen und eine Rede zu halten, andere hatten schon einige Erfahrungen. Im Lauf des Tages lernten wir, wie man eine Rede strukturiert und formuliert, wie man am Pult stehen sollte und wie wir uns am besten vorbereiten. Am Ende des Tages hatten alle eine super Rede geschrieben, vor der Gruppe gehalten und eine Aufnahme von sich selbst gesehen. Gemeinsam arbeiteten wir dann Kritik aus und Kira gab jeder einzelnen noch ein paar Tipps, die wir uns besonders zu Herzen nehmen sollten.
Auch der Abend blieb im Zeichen des  Feminismus und bei gemütlichem Zusammensein guckten wir den Film „We want sex!“, der von den  Streiks der englischen Näherinnen in den 1968ern erzählt. Damit stimmen wir uns auch schon auf den folgenden Tag ein, den Karin Luttmann für uns vorbereitet hatte. Wir setzten uns mit den Forderungen der Frauenbewegungen auseinander, stellten einen Zeitstrahl der einschneidenden Ereignisse der Bewegung zusammen und bereiteten in kleinen Gruppen aktuelle Problematik vor und diskutierten diese. Unter anderem diskutierten wir über Frauenquoten, über Frauen in Führungspositionen, über die Lage bei den schleswig-holsteinischen Jusos und wie wir uns im Verband einbringen können.
Es ist schließlich nicht unbekannt, dass auch bei uns nicht genügend Frauen in Vorständen sind. Und gerade deshalb müssen wir uns nun noch sorgfältiger mit diesem Problem auseinandersetzen und uns überlegen, wie wir weiter vorgehen.
Sowohl in der Rhetorik-Einheit als auch beim Ausflug in die Geschichte der Frauenrechte lernten wir alle viel und tauschten viele Erfahrungen aus.
Neben den zwei tollen Workshops, mit denen man auch gut eine ganze Woche hätte füllen können, passte auch der Rest: Der Kellersee direkt vor der Tür, das gute Wetter und eine Gruppe von Juso-Frauen, die perfekt zusammenpassten.

Ich kann von mir sagen, dass ich viele tolle Frauen kennengelernt habe und dass die Jusos Schleswig-Holstein ein großes Potential haben, was dringend ausgeschöpft werden muss.
Nun kann ich erst einmal nur sagen: Seid laut, vernetzt euch und bleibt euch treu!

Vielleicht habt ihr es schon einmal mitbekommen… Tausende bunt gekleidete Menschen, die mit lauter Musik und guter Laune irgendwann zwischen Juni und August durch die großen Städte ziehen – der Christopher Street Day. Aber wieso wird dieser Tag eigentlich so bunt und voller Freude gefeiert?
Wir nutzen den Christopher Street Day um zu feiern, aber auch um zu demonstrieren und um zu gedenken.
Denn dieser Tag erinnert an den ersten, bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgendern: Der Stonewall-Aufstand. In der Stonewall Inn Bar in der Christopher Street in New York kam es zu einer gewalttätigen Razzia der Polizei gegen die sexuellen Minderheiten. Nur lief dieses Mal alles anders: Die Homosexuellen verweigerten die Festnahme, die Straßenschlachten weiteten sich bis auf die gesamte Christopher Street aus und die Polizei wurde nach einigen Tagen vertrieben.
Wir sehen diesen Tag als einen Wendepunkt an, denn zum ersten Mal standen Homosexuelle für ihr Recht ein.
Auch in Deutschland änderte dieser ‚Liberation Day‘ vieles für Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender. Aus diesem Grund wird dieser Tag in vielen Ländern gefeiert.

Wir feiern, demonstrieren und gedenken.
Wir feiern, dass wir auf die Straße gehen können, dass wir alle so sein können, wie wir sind.
Wir demonstrieren für mehr Rechte für sexuelle Minderheiten und gegen Diskriminierung.
Aber wir gedenken auch derer, die die Wende 1969 nicht mehr erleben konnten und derer, die auch heute noch gedemütigt, verfolgt und bestraft werden.

Auch dieses Jahr gibt es wieder viele CSD-Umzüge in Deutschland. Der nächste steht in Lübeck an: Start ist am 23. Juni um 13 Uhr an der Musik- und Kongresshalle. Beendet wird die Demonstration mit einer Kundgebung um 15 Uhr an der Obertrave.

Kommt, feiert, demonstriert und gedenkt mit uns! Seid bunt, laut und zeigt, dass wir eine tolerante Gesellschaft mit gleichen Rechten für alle sind und diese leben!

Wir freuen uns sehr über das breite Bündnis zum diesjährigen Equal Pay Day. Überall in Schleswigh-Holstein finden Aktionen statt, die darauf aufmerksam machen sollen, dass Frauen im Durchschnitt immernoch rund ein Viertel weniger verdienen als Ihre männlichen Kollegen.

Wenn man darüber hinaus betrachtet das Frauen häufig höhere Bildungsabschlüsse besitzen, ist es für Deutschland beschämend solche Lohnunterschiede zu haben. Wir kämpfen weiter für eine Gesellschaft in der wir alte Rollenbilder überwunden haben und Frauen das gleiche verdienen wie Männer

Flyern zum Weltfrauentag

Alle Jahre wieder? Nein, diesmal noch etwas besonderer als sonst, denn der Weltfrauentag feierte 100-jähriges Jubiläum! Grund genug Flyer und GummibärchInnen in der Kieler Fußgängerzone zu verteilen. Seit an Seit mit der Grünen Jugend. Dabei gab es unterschiedlichste Reaktionen, von ehrlich-erfreut auf weiblicher, bis chauvinistisch-prollig auf männlicher Seite, ganz ohne Klischees bedienen zu wollen…

Natürlich setzt man mit Flyern und Gummibärchen (gegendert oder nicht) kein nachhaltiges Zeichen für das längst fällige Umdenken in weiten Teilen unserer Gesellschaft. Ein kleiner Hinweis auf den wichtigen Tag war es aber allemal und das ließen uns viele der beglückwünschten jungen Frauen auch spüren. Tolle Aktion mit gutgelaunten grünen MitstreiterInnen!