Deutschland, wo bleibt deine Rassismus-Debatte?

Jetzt ist es schon zwanzig Jahre her: 1992 eskalierten in Rostock-Lichtenhagen die Angriffe eines rassistischen Mobs auf das sogenannte Sonnenblumenhaus – die Zentrale Aufnahmestelle (ZAst) für Asylsuchende – und eine Unterkunft vietnamesischer Vertragsarbeiter_innen. Diese Anschläge sind als die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen in die Geschichte eingegangen. Aber wo stehen wir und die Rassismus-Debatte zwanzig Jahre danach?

The Truth lies in Rostock – der rassistische Mob
Um die Geschichte von Rostock-Lichtenhagen zu erzählen, muss man etwas weiter ausholen. Die DDR sollte die Gründung ein neues System sein, ein System, das auf einem antifaschistischen Grundkonsens bestand. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus wurde dabei ausgespart. Während in der DDR Rostock zu einem der wichtigsten Standorte heranwuchs und immer mehr Stadtteile neu aufgebaut wurden (wie auch Lichtenhagen), veränderte sich die Grundstimmung nach dem Zusammenbruch der DDR grundsätzlich. Arbeitslosigkeit gehörte auf einmal zum Alltag. Die DDR hatte zwar immer wieder Ausländer_innen aufgenommen, jedoch wurden diese immer nach der Ausbildung zurückgeschickt. So wurde von Anfang an deutlich, dass man die Menschen zwar aufnehme, dass sie jedoch nie für immer bleiben durften.
Nach der Wende kamen immer mehr Asylsuchende nach Deutschland. Einzelschicksale, die von Krieg und Armut gezeichnet waren und sich in Deutschland ein besseres Leben erhofften, wurden in den Medien und in der Politik zu einem  “Flüchtlingsstrom”, der nicht aufzuhalten sei – dem Wahlkampfthema überhaupt.
In Rostock-Lichtenhagen wurde in dem Sonnenblumenhaus die ZAst eingerichtet. Eine ZAst ist nicht nur ein Heim für Asylbewerber_innen, es ist die Zentrale Aufnahmestelle. Immer mehr Asylsuchende kamen nach Rostock, um sich dort zu melden und dort Asyl zu beantragen. Die Räume der ZAst waren längst überfüllt, sodass die Menschen (als hätten sie keine Flucht hinter sich und nicht genug Grausamkeiten erlebt) auf den Wiesen vor dem Haus schlafen mussten und noch nicht einmal Lebensmittel erhielten. Hier zeigte sich schon, wie offensichtlich das Versagen der Politik war: Anstatt die Menschen auch auf andere Aufnahmestellen zu verteilen, kamen immer mehr Busse nach Rostock.
Die Lage spitzte sich immer weiter zu. Die Menschen in den neuen Bundesländern suchten sich diejenigen, welche noch schwächer waren, als sie selbst: Auf einmal waren die Asylsuchenden Schuld an dem sozialen Elend. In Hoyerswerda kam es bereits 1991 zu Anschlägen auf eine Asylsuchenden-Unterkunft mit dem Ergebnis, dass die Asylbewerber_innen weggebracht wurden, weil niemand mehr für ihre Sicherheit garantieren konnte. Der Mob hatte sein Ziel erreicht. Diese Stimmung erreichte auch Rostock.. Immer mehr Menschen versammelten sich vor dem Sonnenblumenhaus, bis es im August 1992 schließlich zur Eskalation kam.
Fünf Tage lang griffen mehrere hundert Menschen die ZAst und die Unterkunft der Vertragsarbeiter_innen mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Organisierte Neonazis witterten ihre Chance, hier viele Jugendliche für sich gewinnen zu können und tatsächlich: An den Anschlägen waren organisierte Neonazis, Jugendliche und Anwohner_innen beteiligt. Die Polizei bekam sie kaum zu fassen, da sie immer wieder zwischen den tausenden “Schaulustigen” verschwinden konnten. Diese nahmen die Attentäter_innen sofort in ihren Reihen auf. Lange Zeit wollte man die Rolle der Menschen, die dabei standen, nicht klar bezeichnen. Ich denke jedoch, dass diese eindeutig ist: Sie johlten, bejubelten jeden fliegenden Stein und unterstützten das Geschehen mit rassistischen Sprüchen und stellten sich bereitwillig vor die Kameras. Ihre Sätze fingen an mit “Ich bin ja nicht rassistisch, aber…”. Doch wenn wir über Rassismus sprechen, darf es kein “aber” geben. Rassismus ist nicht zu relativieren!

Nur ein trauriger Höhepunkt – und die Politik macht mit.
Die Anschläge in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sind die besten Beispiele für Polizeiversagen: Die Polizei zog sich zurück und nahm Antifaschist_innen, die zur Unterstützung angereist waren, über Nacht in Gewahrsam. Am letzten Tag der Pogrome wurde die Unterkunft der Vietnames_innen in Brand gesetzt und der Mob drang mit Baseballschlägern und Molotow-Cocktails in das Haus ein. Über 100 Menschen befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch im Gebäude. Sie konnten sich gerade noch rechtzeitig über das Dach in angrenzende Gebäude retten. Es ist ein Wunder, dass es in Rostock-Lichtenhagen keine Todesopfer gab. Die Polizei kapitulierte und die Feuerwehr hatte kaum eine Chance, ansatzweise in die Nähe der brennenden Häuser zu kommen. Auch in Rostock gewann letztendlich der rassistische Mob: Die Asylbewerber_innen wurden in andere Unterkünfte gebracht.

Rostock-Lichtenhagen ist der bekannteste Übergriff, jedoch ist er nur ein trauriger Höhepunkt der rassistisch aufgeladenen Stimmung. Es kam in dieser Zeit wöchentlich zu Übergriffen und Anschlägen auf Asylbewerber_innenheime, aber auch auf Wohnhäuser, in denen Familien mit Migrationshintergrund lebten – auch in Schleswig-Holstein!
Es muss anerkannt werden, dass dies nicht nur der Verdienst organisierter Nazis war – die gesamte Politik hat mitgemacht! Nach Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen fand sich kaum eine_r, die_der das Wort Rassismus in den Mund nahm oder die Politik kritisierte. Nein, das Problem lag von Anfang an bei den Asylsuchenden. Nicht der offensichtliche Rassismus wurde als Problem erkannt, nein, es war der Missbrauch des Asylrechts. Die Opfer wurden zu Täter_innen und die Täter_innen zu Opfern. Es wurde nicht gefordert, Rassismus zu bekämpfen, es wurde stattdessen auf allen Ebenen gefordert, das Asylrecht zu ändern, um “Wirtschaftsflüchtlinge” ausweisen zu können.
Und dann kam der Asylkompromiss, den die SPD in der Opposition mittrug. Das Asylrecht wurde verschärft, was die Gewalttäter_innen, den rassistischen Mob, Neonazis und Mörder_innen in ihrem Handeln bestätigte. Die Gesetzesänderungen enthalten viele, menschenverachtende Einschränkungen:
– Die Drittstaatenregelung – Es können sich nur Menschen auf das Asylrecht berufen, die politisch verfolgt sind und nicht aus einem “sicheren Drittstaat” oder anderen EU-Ländern einreisen.
– Das Asylbewerber_innenleistungsgesetz – Asylsuchende bekommen weniger Geld als Menschen in Grundsicherung und es gibt ein Gutscheinsystem für Lebensmittel.
Diese menschenfeindliche Politik reiht sich problemlos in die europäische Abschottungspolitik ein, die eine eigene Agentur Frontex beschäftigt, um die Festung Europa vor Flüchtlingen mit militärischen Mitteln zu schützen. Sie dient der Illegalisierung von Asylsuchenden. Seit der Einführung sind über 15.000 Menschen an den Grenzen Europas gestorben. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich sehr viel höher.

Wir fordern eine ausführliche Rassismus-Debatte!
Dass Deutschland nicht aus den 1990er Jahren gelernt hat, weder die Politik noch Medien oder Gesellschaft, zeigt die bis heute fehlende Rassismus-Debatte. Stattdessen wird immer wieder betont, welch weltoffene Gesellschaft wir seien. Rassismus und Nazigewalt wurden immer wieder auf die Probleme und Perspektivlosigkeit ostdeutscher Jugendlicher reduziert. Tausende Übergriffe, Hetze, Angsträume und national befreite Zonen, all das wurde relativiert, ignoriert und verharmlost. Dass die Rassismus-Diskussion fehlt und auch bis heute noch kein Bewusstsein dafür entstanden ist, zeigt der Umgang mit den jahrelang unentdeckten Morden des NSU: Statt sich einzugestehen, dass es schon seit langem organisierte und gewaltbereite Nazi-Strukturen gibt, wurde nach “milieutypischen Auseinandersetzungen” unter Migrant_innen gesucht, die Familien wurden beschuldigt, es wurde eine SoKo “Bosporus” eingeführt und in ganz Deutschland sprach man von “Dönermorden”. Auch in diesem Zusammenhang blieb die Rassismus-Debatte aus. Im Gegenteil – diese menschenfeindlichen und rassistischen Vorgänge wurden hingenommen, übernommen und kaum kritisiert! Wo bleibt der Aufschrei, wenn Mitmenschen derart diskriminiert werden? Wo bleibt das sich selbst als weltoffen bezeichnende Deutschland?
Rassismus ist nicht auf organisierte Nazis abzuwälzen, sondern entspringt in allen Teilen der Gesellschaft und wird immer mehr zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem, das nicht länger ignoriert werden darf. Rassismus muss beim Namen gekannt werden. Von über 180 Todesopfern durch rechtsradikale Gewalt wurden nur ein Drittel als solche anerkannt.
Dass jetzt der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier, vor gewalttätigen Übergriffen warnt und ein großes Polizeiaufgebot ankündigt, zeigt doch, dass nichts von alledem, was in den 1990er Jahren passiert ist und heute noch passiert, zu einem ernstzunehmendem Denkprozess geführt hat. Schaut euch dazu auch mal den Artikel vom stv. Juso-Bundesvorsitzenden Matthias Ecke an, der sich mit der Gleichsetzung der Pogrome mit der Antifa/Antira-Demo beschäftigt.

Es ist längst überfällig, die Todesopfer neonazistischer Gewalt offiziell anzuerkennen. Die deutsche Politik muss sich eingestehen, dass es erhebliche Probleme mit aktiven und gut organisierten Nazi-Strukturen gibt. Asylsuchende müssen in Deutschland endlich menschwürdig – also auch dezentral – untergebracht und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben muss ihnen ermöglicht werden. Es muss endlich Schluss sein mit alltäglichem Rassismus und menschenverachtendem, politischem Handeln.
Wir fordern, dass Homosexualität als Asylgrund anerkannt wird, denn in acht Ländern werden Menschen deswegen immer noch verfolgt, gefoltert und ermordet.
Eine menschenverachtende, militärische Organisation wie Frontex darf es nicht geben! Jeder Mensch muss das Recht auf ein gerechtes Asylverfahren haben und darf nicht schon vor den Grenzen Europas abgewiesen werden!
Wir kämpfen für eine gerechtere Gesellschaft und die Gleichheit aller Menschen. Wir wollen eine Gesellschaft ohne Rassismus und Diskriminierung!

Deshalb kommt am 25.8.2012 nach Rostock, um mit uns gemeinsam den Betroffenen von rassistischer und neonazistischer Gewalt zu gedenken und für eine andere Gesellschaft einzutreten! The truth lies in Rostock.
Zeigt, dass wir endlich eine ausführliche Rassismus-Diskussion brauchen!

 

Das Bundesverfassungsgericht hat ein Urteil gefällt: Die Asylberwerber_innen bekommen rückwirkend zum Januar 2011 zirka 100€ mehr im Monat. „Die Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht zu relativieren“ formulierte das Gericht das Urteil. Das alte Asylbewerberleistungsgesetz unterschied in der Würde der Menschen, indem Flüchtlinge weniger Geld bekommen haben als deutsche Staatsbürger_innen. Zumal legt der Hartz-4-Satz das staatlich festgelegte Existenzminimum fest und keine_r glaubt, dass Flüchtlinge einen geringeren Existenzanspruch haben!

Das Urteil ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und deutet einen Fortschritt in der Asylpolitik an. Aber „das gelbe vom Ei“ ist noch lange nicht erreicht. Viele der Leistungen werden immer noch in Gutscheinform ausgehändigt und schränken die Freiheit der Menschen ein. Auch muss eine gute medizinsiche Versorgung, sowie der Zugang zum Arbeitsmarkt gewährleistet werden.

Auch In Schleswig-Holstein warten schon die nächsten Aufgaben: Die Schließung des Abschiebungsgefängnisses in Rendsburg und weiterführend die Sicherstellung einer humanen Unterbringung mit guter medizinischer Versorgung!

Für uns Jusos ist klar: Es darf keine Alternative zur Schließung geben, eine Regelung mit elektrischen Fussfesseln lehnen wir ab und wir glauben an das Versprechen der Regierung, das Gefängnis zu schließen, sich für eine adäquate Lösung einzusetzen und eine Bundesratsinitiative anzuschieben.(In Bezug auf einen Artikel in der KN vom 14.07)

Eine humane Unterbringung und die Partizipation an der Gesellschaft müssen gewährleistet werden.
Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Leider sehen einige Menschen, wie ich heute erneut feststellen musste, doch einen Unterschied im Existenzanspruch! Wenn ich mir einige Kommentare unter dem Artikel “des Fokus” anschaue, muss ich nicht Mal die Meinungen zwischen den Zeilen interpretieren, um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu erkennen! Es ist erschreckend zu lesen, wie einige Menschen sich äußern. Leider sind Flüchtlinge immer noch die Schuldigen für Probleme, die sie gar nicht zu verantworten haben. Es ist eben einfacher die Schuld von sich auf andere zu schieben, am besten auf schwächer gestellte, um seinen eigenen Alltagsfrust loszuwerden!
Leider scheint es, als ob Sprüche wie: “Ausländer nehmen uns Arbeitsplätze weg” im Volksmund angekommen sind!

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

mit Entsetzen ereilte uns die Nachricht aus Damp: Nachdem die Kolleginnen und Kollegen vor Ort für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gingen, kündigte der Krankenhauskonzern Fresenius Helios 1000 Beschäftigten kurzerhand den Arbeitsvertrag. Damit erreicht die Profitgier der Gesundheitswirtschaft ein neues, ungekanntes Ausmaß!

Das können und werden wir uns nicht gefallen lassen! Bereits in den vergangenen Tagen haben viele Genoss_innen unsere Gewerkschaftskolleg_innen vor Ort aktiv unterstützt. Und nun ruft der ver.di-Bundesverband zur großen Demonstration auf. Als Hauptredner_innen werden Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender, Franz-Josef Möllenberg, NGG-Vorsitzender und Ellen Paschke, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand dabei sein. Auch unser SPD-Ministerpräsident Torsten Albig hat sein Kommen angekündigt.

Lasst uns unsere Mitstreiter_innen in ihrem Streik für Arbeitnehmer_innenrechte, gerechte Entlohnung und eine hohe Qualität in der Krankenversorgung unterstützen und kommt morgen zur Demonstration:

Samstag, 30. Juni 2012, 12.00 Uhr, Kiel Gewerkschaftshaus Legienstraße

Wir unterstützen zudem die Unterschriftenaktion von ver.di. Alle weiteren Informationen hierzu findet ihr unter http://www.verdi.de/themen/nachrichten/++co++e94a33ea-c122-11e1-6f52-0019b9e321cd (siehe dort: Downloads).

Wir sehen uns morgen in Kiel!

Helios feuert 1000 Mitarbeiter. Das ist an sich schon eine Aussage, die es in sich hat. 1000 Einzelschicksale, Existenzen, Lebensträume, auf einen Schlag zerstört. Die meisten davon bei uns im idyllischen Land zwischen den Meeren. Tragisch.

Allerdings noch viel tragischer, wenn man sich genauer anschaut, warum der bundesweit agierende Helios-Konzern – vertreten durch seine Tochtergesellschaft Damp-Kliniken – derart viele Arbeitnehmer_innen “freisetzt”. Die Vorgeschichte: Seit März 2012 gehören die Damp-Kliniken zum wesentlich größeren Helios-Konzern, selber wiederum Tochterfirma des Gesundheits-Multis Fresenius. Die Damp-Kliniken ihrerseits haben schon seit längerer Zeit eine eigene Tochterfirma, die für Dienstleistungen im Klinikumfeld, beispielsweise das Catering, zuständig ist, nämlich die Zentrale Servie Gesellschaft Damp (ZSG).

Während sich der Helios-Konzern selbst damit rühmt sein Pflegepersonal übertariflich zu bezahlen, kritisierte Ver.di schon 2006 Versuche des Konzerns, enorme Kostenersparnisse über Dumping-Löhne bei den Service-Gesellschaften zu erzielen. Aus dieser Absicht macht Herlios auch nicht wirklich ein Geheimnis.”Die ZSG liegt mit ihren Preisen schon heute weit über Marktniveau (…)”, so eine Pressemitteilung von Helios vom 08. Juni. Unverholener geht es wohl kaum noch von einem Konzern, der sich selber das Ziel gesetzt hat 15 % Rendite zu erwirtschaften. Wohlgemerkt, 15 % Rendite mit einem Geschäftsfeld, das direkt die Gesundheit tausender Patient_innen betrifft.

Als Ergebnis der zuletzt gescheiterten Tarifverhandlungen rief Ver.di die Angestellten der ZSG zum Streik auf, organisierte aber zugleich einen Notfallplan um zu jedem Zeitpunkt die Versorgung der betroffenen Krankenhäuser sicherzustellen, ein Umstand den im Übrigen Helios am 08. Juni selber noch bestätigte. Dennoch nahm der Konzern die Streiks nun zum Anlass die Verträge der ZSG (und damit der eigenen Tochtergesellschaft) zu kündigen und somit die widerspenstigen ZSG-Mitarbeiter_innen loszuwerden. Wie praktisch sich doch alles fügte.

Gleichzeitig kündigte Helios – und spätestens das entlarvt den Konzern – heute jedoch auch an, dass sich “die ZSG (…) dafür einsetzen [wird], dass möglichst vielen Mitarbeitern ein neues Beschäftigungsverhältnis bei einem zukünftigen Dienstleister angeboten werden kann.” Anders formuliert: Helios wird eine neue Tochtergesellschaft einrichten, die dann endlich auch Preise unterhalb des “Marktniveaus” garantieren kann. Kapitalismus in seiner übelsten Form.

Was also zeigt das Helios-Damp Beispiel? Zum einen: Die Gesundheit von Menschen ist ein viel zu hohes Gut um sie den Spekulationen wild gewordener Rendite-Jäger auszusetzten, die endrucksvoll beweisen mit Verantwortung nicht umgehen zu können. Gesundheitsversorgung ist eine staatliche Aufgabe und viel zu oft hat sich in den vergangenen Jahren der Verkauf kommunaler Kliniken als glatter Fehlschuss erwiesen.

Zum anderen zeigt sich aber auch wieder das dubiose Tochterfirmen-Modell. Der scheinbar seriöse Konzern lagert bestimmte Geschäftsbereiche in Tochterfirmen aus, in denen Arbeitnehmer_innen-Rechte ein Fremdwort sind. Eigene Tarifverträge, schlechtere Arbeitsbedingungen und vieles mehr sind die Folge. Und wenn’s nicht mehr passt (wie bei der ZSG), verschwindet die Firma halt.
Man kann nur hoffen, dass solche Aktionen den verantwortlichen Politiker_innen noch einmal deutlich ins Gedächtnis rufen, mit wem sie sich da oftmals einlassen. Spätestens wenn es gilt, das nächste kommunale Krankenhaus zu privatisieren.

Es ist schwer bis gar nicht nachvollziehbar, warum Asylbewerber_innen und gedultete Menschen mit zirka 225 Euro im Monat auskommen müssen und diese oftmals auch noch als Lebensmittelgutscheine ausgestellt bekommen.
Ich erinnere mich an die Diskussionen um die Hartz-IV Sätze, wo es darum ging, dass diese zu niedrig berechnet seien. Ich stimme zu, aber frage, warum der Satz für Asylbewerber_innen und Gedultete 40 Prozent unter Hartz-IV-Niveau liegt? Der Satz wurde 1993 festgelegt und bis Heute nicht geändert.
Wir blicken mit Spannung auf die Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht und hoffen, dass Flüchtlinge endlich eine Gleichbehandlung erfahren und menschengerecht behandelt werden.
Es darf uns doch als reiche Gesellschaft nicht darum gehen, Flüchtlinge mit niedrigen Sätzen abzuschrecken und zu verjagen. Wir sollten ihnen vielmehr die Partizipation an unserer Gesellschaft und ihnen ein menschwürdiges Leben anbieten und ihnen somit die Chance auf eine neues Leben ermöglichen. Oder wird hier von Menschen zweiter Klasse gesprochen? Manchmal habe ich den Eindruck es sei so…

Wasser ist Menschenrecht – der 22.März ist Weltwassertag

Wasser ist Menschenrecht – der 22.März ist Weltwassertag
Kurzum: Ohne Wasser kann der Mensch nicht (über)leben. Wasser spielt in vielen Bereichen des Lebens eine entscheidende Rolle und ist sowohl existenziell notwendig, als auch ein gesellschaftliches Gut, das Lebensqualität erzeugt.

Im Kern der Betrachtung steht natürlich der freie Zugang zu Wasser als lebensversorgende Maßnahme. Fast eine Milliarde Menschen weltweit haben keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser. Und sogar über 2,5 Milliarden sind nicht ausreichend mit Wasser für hygienische Grundbedarfe versorgt. Da ist die Aufnahme des Rechtes auf Wasser in die UN-Menschenrechtserklärung im Juli 2010 sprichwörtlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber an einer grundbedarfsorientierten Wasserversorgung hängt noch viel mehr: Wenn nicht ausreichend Wasser vorhanden ist, kann auch eine notwendige, dezentrale Versorgung mit Lebensmitteln nicht gewährleistet werden. Wasser ist also auch Zugang zur Sicherung von Nahrung.

UN-Water geht davon aus, dass neben dem eigentlichen Trinkwasserbedarf von 2 bis 4 Litern pro Person jeder Mensch täglich 20 bis 50 Liter Wasser braucht, um alle Grundbedürfnisse, angefangen beim Trinken über Wasser für Nahrungsmittelproduktion und das Kochen bis hin zur Körperhygiene zu decken. Davon sind wir – global gesehen – noch sehr weit  entfernt. Denn während den westlichen Industrienationen eine Infrastruktur, aber auch klimatische Bedingungen bestehen, die eine mehr als ausreichende Wasserversorgung sicherstellen, sieht dies in Ländern der dritten Welt, aber auch in Indien und vielen Regionen Chinas anders aus.

Ein weiterer Schlüssel ist die effizientere Nutzung und Sparsamkeit von Wasser-Reserven. Gerade im industriellen Bereich werden gigantische Mengen an Wasser für die Produktion von Gütern gebraucht. Aber auch verhältnismäßig “einfache” Produkte des täglichen Lebens verbrauchen in der Herstellung Unmengen an Wasser. Die Welthungerhilfe rechnet beispielweise vor, dass für die Erzeugung von einem Kilogramm Brot 1.000 Liter Wasser benötigt werden.

Seit 1993 findet der Weltwassertag statt, nachdem er 1992 während der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro vorgeschlagen und von der UN-Generalversammlung beschlossen wurde. Jedes Jahr führen viele Organisationen Veranstaltungen am und um den Weltwassertag herum durch, die sich mit diesem Thema beschäftigen, aufklären, informieren, aber auch um Hilfe bitten.

Mein Augenmerk gilt seit einigen Jahren der Hamburger Trinkwasserinitiative Viva con Agua Sankt Pauli e.V., die sich weltweit in mehr als 20 Projekten in Entwicklungsländern aktiv dafür einsetzt, beispielsweise durch die Installation von Brunnen- oder Filtersystemen den Menschen vor Ort die selbstständige Versorgung mit gesundem Trink- und Nutzwasser zu ermöglichen. Vielen ist diese Initiative sicher von Musik-Festivals bekannt, bei denen viele freiwillige Helfer_innen um Pfandbecher der Besucher_innen werben, um die Pfandeinnahmen für die VcA-Projekte zu verwenden. Nachdem ich am Rande eines Festivals im letzten Jahr mich lange und intensiv mit Aktiven unterhalten habe, habe ich seit nunmehr fast einem Jahr selbst eine Brunnenfördermitgliedschaft bei VcA. Aber auch, wenn man nicht gleich spenden möchte oder nicht kann, aber aktiv helfen möchte, gibt es hierfür Möglichkeiten. In Kiel existiert eine eigene VcA-Zelle, die vor Ort und in der Region für die Initiative wirbt und Veranstaltungen aller Art durchführt. Ein Blick auf die Homepage und Facebook-Seite von VcA und der Zelle Kiel lohnt sich in jedem Fall!